Zwischenkriegszeit

Anschlussbestrebungen

Auch politisch brachten die Umsturztage des Jahres 1918 für Hornstein eine neue Zeit. Durch den Zerfall der Donaumonarchie war nämlich an der Leitha eine Staatsgrenze zwischen den beiden jungen Republiken Deutsch-Österreich und Ungarn entstanden und damit wurde in den überwiegend von Deutschen bewohnten Teilen Westungarns die Frage der Staatszugehörigkeit aktuell. Hornstein, das seit Jahrhunderten engste Bindungen an Österreich hatte, plädierte einmütig für den Anschluss Deutsch-Westungarns an Österreich. Am 24. November 1918 wurde eine große Volksversammlung abgehalten, bei der man stürmisch die Angliederung des Landes an Österreich forderte. Mit Plakaten und Flugzetteln wurde für den Anschluss Ödenburgs an Österreich geworben; die Volksabstimmung im Dezember 1921 ging allerdings nicht in diesem Sinne aus: Ödenburg blieb bei Ungarn.

Politische Parteien in Hornstein

In der Gemeinde hatten inzwischen neue Kräfte die Macht ergriffen. Die alte Gemeinderepräsentanz war zum größten Teil durch jüngere Vertreter der Sozialdemokratischen und Christlichsozialen Partei ersetzt worden. Diese beiden Parteien waren in Hornstein nicht neu, sondern hatten schon eine jahreelange Tradition, doch hatten sie als politische Kräfte während der Monarchie kaum eine Rolle spielen können. Sozialdemokraten gab es in Hornstein schon seit den Siebzigerjahren des 19. Jh. Dieses frühe Auftreten der Arbeiterbewegung in Hornstein stand in engem Zusammenhang mit der großen Zahl von Hornsteiner Arbeitern, die als Wanderarbeiter in Wien und im Industriegebiet des Wiener Beckens ihr Brot verdienen mussten. Hier, auf den Großbaustellen der Reichshauptstadt und in den Werkshallen und Wohnbaracken der Fabriken, kamen sie früh mit dem Gedankengut des Sozialismus in Verbindung. Die kleine geheime Organisation, die sich um 1890 in Hornstein selbst bildete, gehörte anfangs noch der niederösterreichischen Parteiorganisation an. Als sich dann auch in Westungarn um die Jahrhundertwende die Sozialdemokratische Partei zu formieren begann, war Hornstein einer ihrer ersten Stützpunkte und in den folgenden Jahren hören wir immer wieder vom Auftreten Hornsteiner Arbeiter innerhalb der westungarischen Arbeiterbewegung.

Um die Jahrhundertwende fanden auch die Ideen der christlichsozialen Bewegung in Hornstein Eingang. Ihr herausragender Propagandist war Pfarrer Matthias Pavitsich, der im November 1900 eine Ortsgruppe der "Christlichen Volkspartei" gründen konnte. Ihr gehörten in erster Linie jüngere Bauern an. Sie erreichte schon auf Grund der Dorfstruktur, die bereits damals ein Überwiegen der Arbeiterschaft aufwies, nie die Stärke der "Sozialdemokratischen Arbeiterpartei".

Rätediktatur

Ohne Schwierigkeiten wurden so im Herbst 1918 die Sozialdemokraten in der Gemeinde die entscheidende Macht, die bald noch dadurch verstärkt wurde, als im Frühjahr 1919 in Ungarn die Räterepublik ausgerufen wurde. An Stelle der bisherigen Gemeinderepräsentanz trat der Gemeinderat und an Stelle des Gemeindevorstands das Gemeindeverwaltungskomitee, ein Direktorium. Am 10.4.1919 übernahm das Direktorium die Gemeindeangelegenheiten. 1. Vorsitzender wurde Antal Probst, 2. Vorsitzender Ferenc Stefanits, Kassier János Gervautz, Mitglieder Mátyás Bauer und József Matkovits; Notär: Ferenc Marlovic. Es wurden Komitees zur Lebensmittelbeschaffung, Wohnungsrequirierung, Produktionsüberwachung und zur Liquidation des Pfarrvermögens gegründet.
Im Zuge dieses Hintergrundes gründete Anton Probst im Mai 1919 die Hornsteiner Sozialdemokratische Parteiorganisation und warb in kürzester Zeit 700 Parteimitglieder, die so gut wie allen Bevölkerungsschichten angehörten. Die höchste Zahl, 245, stellten die Fabriksarbeiterinnen, gefolgt von landwirtschaftlichen Arbeitern und Industriearbeitern mit 213. 19 Zimmerer führen die Liste von Facharbeitern anderen Berufen (nur mehr in einstelliger Zahl) an. Die Männer waren mit 428 Mitgliedern gegenüber den Frauen mit 272 in der Mehrheit. Die meisten Mitglieder wurden von Frauen und Männern im Alter zwischen 17 und 31 Jahren gestellt. Außer im Pfarrhof, im Gemeindeamt und im Schulhaus gab es im Ortskern in jenen Bauernhäusern keine Parteimitglieder, die im Familienbetrieb geführt wurden und daher keine landwirtschaftlichen Arbeiter beschäftigten. Die Herrschaft der Rätediktatur brachte eine Kette von neuerlichen Aufregungen und Schwierigkeiten für die Bevölkerung, obwohl sich die örtlichen Organe bemühten, die radikalen und oft unter Todesstrafe angeordneten "Reformen" der zentralen Sowjets in Budapest und Ödenburg abzuschwächen oder gar nicht durchzuführen.

Horthy-Regime

In den ersten Augusttagen 1919 wurde die nur 133 Tage dauernde Kommunistenherrschaft in Ungarn durch die "weiße Gegenrevolution" beendet. Eine neue Verfolgungswelle setzte ein. Man suchte nicht nur Personen, die das gestürzte Räteregime unterstützt hatten, also in erster Linie Kommunisten und Sozialisten, sondern wandte sich auch mit aller Schärfe gegen jeden, der einen Anschluss des Burgenlandes an Österreich angestrebt hatte. Viele der Hornsteiner waren schon vor der Ankunft der "Weißen" nach Österreich, meist nach Pottendorf, geflohen, doch jetzt setzte eine wahre Massenflucht ein. Manche der Flüchtlinge konnten erst 1921 endgültig nach Hause zurückkehren. Die neu eingesetzte Gemeindeverwaltung wurde gezwungen, ihre Loyalität gegenüber Ungarn zu beschwören und ein Telegramm nach Budapest zu schicken, in der sie den Verbleib bei Ungarn erbat. Am 10.8.1919 war Matthias Bauer wieder Bürgermeister, allerdings mit einem neuen Gemeinderat. Am 1.12.1919 wurde Deutsch als offizielle Sprache der Gemeinde festgelegt, Parteienverkehr sollte kroatisch oder deutsch stattfinden, nur staatliche Verordnungen und sonstige offizielle Schreiben blieben ungarisch.
Die erste deutschsprachige Sitzung des Gemeinderats wurde am 5.2.1920 abgehalten. Dort beschloss die Gemeindevorstehung ihre Demission, weil sie keine Garantie abgeben konnte, die "Unversorgten", für die jährlich bei den landwirtschaftlichen Produzenten Lebensmittel gesammelt wurden, versorgen zu können. Die Gemeinderepräsentanten nahmen die Demission zur Kenntnis, und wollten den Oberstuhlrichter ersuchen, der Gemeinde Mahlzeiten auszufolgen, da alle Lebensmittel ausgegangen waren. 1920 begannen die Ansuchen um Ortszuständigkeit, eine Art Staatsbürgerschaftsnachweis, der mit Alters- und Krankheitsversorgungsanrecht gekoppelt war. Die meisten Anträge wurden mit dem Hinweis "unbekannt" abgewiesen. Es befand sich noch immer Militär im Kindergartengebäude, der r. k. Kindergarten konnte daher nicht wiedereröffnet werden. Am 18.11.1920 wurde mit 11 gegen 5 Stimmen die Wiedererrichtung des Kinotheaters wegen nächtlicher Ruhestörung abgelehnt. Die von der Regierung geforderte Ablöse der Wasserrohre im Barackenlager im Wert von 52.000 Kronen sollte nur dann entrichtet werden, wenn der Gemeinde der Waldschaden im Ausmaß von 3 Millionen Kronen ersetzt würde. Für Kriegsinvaliden, Kriegerwitwen und -waisen wurden 19 Bauplätze bewilligt. 1921 wütete die Maul- und Klauenseuche im Dorf. Der Pfarrer ersuchte um Wiedereinführung des Ave-Maria-Gebetläutens wie in Friedenszeiten üblich, sowie als Schuldirektor um Gebäudereparatur der Schule.


Freischärler

Unter der Deckung eines Panzerzuges besetzten gegenrevolutionäre Lehár-Truppen,600 Mann, meist Kadetten der Budapester Ludovika-Militärakademie, 1921 auch unser Gebiet; einer ihrer Hauptstützpunkte wurde der Neumeierhof beim heutigen Neufelder See. In Hornstein glaubte man aufatmen zu können, doch schon wenige Tage später mussten die in Westungarn eingerückten Österreicher den überlegenen Angriffen ungarischer Freischärler, die als letzter Trumpf Ungarns im Kampf um das Burgenland ausgespielt wurden, weichen. Als die ersten Nachrichten über Kämpfe im Raum südlich Eisenstadt zwischen Gendarmerie und Freischärlern in Hornstein eintrafen, bewaffnete sich eine Gruppe von Männern, die eben nach fast zwei Jahren Emigration in Österreich nach Hause gekommen war, mit Karabinern und Jagdgewehren und wollte unter Führung von Anton Probst der hart bedrängten Gendarmerie zu Hilfe eilen. Das tollkühne Unternehmen wurde jedoch von österreichischer Seite verhindert, da man befürchtete, dadurch den Ungarn einen Vorwand zu liefern, reguläre Verbände in den Kampf schicken zu können. Gegen die überlegenen Kräfte der Freischärler konnte sich die Gendarmerie nicht halten und ging nach blutigen Gefechten am 10. September 1921 hinter die Leitha zurück. Wenige Tage später tauchten die ersten Freischärlerpatrouillen in Hornstein auf. Sie besetzten in erster Linie den strategisch wichtigen Neumeierhof und schickten nur gelegentlich Patrouillen nach Hornstein. Erst am 21. Oktober quartierte sich eine größere Gruppe, 24 Mann in schäbigen Uniformen und desolaten Zivilkleidern, bewaffnet mit Gewehren und Handgranaten unter dem Kommando eines Leutnants, der sich Kálmán nannte, in der Hornsteiner Schule ein. Die Gastwirte des Dorfes wurden angewiesen, sie zu verpflegen, doch schon am nächsten Tag wurden die Freischärler alarmiert und Hals über Kopf abgezogen. Über Nacht hatte ein Ereignis von größter Tragweite die Situation in Westungarn geändert: König Karl IV. war überraschend am 20. Oktober 1921 bei Ödenburg gelandet und das monarchistische 5. Freischärlerkorps, das im Raum Eisenstadt-Hornstein-Mattersburg lag, zog mit ihm gegen Budapest. Der Restaurationsversuch misslang, bewirkte aber, dass die Freischärlerherrschaft in unserem Raum zusammenbrach. Am 13. November besetzte schließlich österreichisches Bundesheer unser Gebiet und machte der seit über zwei Jahren herrschenden Unruhe ein Ende.


Über Nacht hatte ein Ereignis von größter Tragweite die Situation in Westungarn geändert: König Karl IV. war überraschend am 20. Oktober 1921 bei Ödenburg gelandet und das monarchistische 5. Freischärlerkorps, das im Raum Eisenstadt-Hornstein-Mattersburg lag, zog mit ihm gegen Budapest. Der Restaurationsversuch misslang, bewirkte aber, dass die Freischärlerherrschaft in unserem Raum zusammenbrach. Am 13. November besetzte schließlich österreichisches Bundesheer unser Gebiet und machte der seit über zwei Jahren herrschenden Unruhe ein Ende.


Gemeindepolitik ab 1922

Die außerordentliche Gemeinderatssitzung am 8.7.1922 wurde bereits von Anton Probst, Gemeindeverwaltungs-Kommissär, unterzeichnet. Im August 1922 wurde die Gemeindekanzlei in das Sekretärhaus verlegt - die ungarischen Gesetzbücher wurden verkauft. Am 31.12.1922 sprach sich der Gemeinderat dafür aus, Mattersburg zur Landeshauptstadt zu wählen, im Interesse der Südburgenländer. 1923 wurde das Kriegerdenkmal gegenüber dem alten Gemeindeamt eingeweiht; ein privater Verein hatte den Großteil des Geldes dafür aufgebracht. Anton Probst war von 1923 bis 1927 sozialdemokratischer Abgeordneter im burgenländischen Landtag. Am 30.1.1923 wurde er als Gemeindeverwaltungskommissär von seinem Amt enthoben; Ludwig Wolf übernahm diese Funktion. Bei den darauffolgenden ersten demokratischen Gemeinderatswahlen am 25. März 1923 erreichten die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit, die sie bis 1934 halten konnten. Daniel Palkovits wurde zum Bürgermeister gewählt, Gottfried Szinovatz wurde Vizebürgermeister. Nach Abdankung von Palkovits wurde Karl Gruber II vom Gemeinderat zum Bürgermeister gewählt und gleichzeitig die Auflösung des Gemeinderats beschlossen. Von der BH Eisenstadt wurde mit 13.10.1923 Anton Probst übergangsweise wieder als Gemeindeverwaltungskommissär eingesetzt. Am 13.4.1924 nach der Gemeinderatswahl wurde Anton Probst unter Beisein des Bezirkshauptmanns zum Bürgermeister gewählt.

Trotz Inflation und steigender Arbeitslosigkeit waren die nächsten Jahre gekennzeichnet von einem beachtlichen Aufbau, der allein schon dadurch dokumentiert wurde, dass in der Zeit von 1921 bis 1934 168 neue Wohnhäuser errichtet wurden. Nach 1927 entstand nördlich des Dorfes an der Straße nach Loretto eine neue Siedlung, die im Volksmund den Namen "Schuldenviertel" erhielt. Außerdem galt es die durch den Ersten Weltkrieg und die Jahre danach entstandenen Versäumnisse und Schäden  an den Brücken über den Ortsbach, an der Volksschule und an den Wasserleitungen zu beseitigen.
Auch die Zahl der öffentlichen Bauten, die in diesem Zeitraum errichtet wurden, war imponierend. Das Haus Nr. 74 wurde für den Kindergarten angekauft, die Errichtung einer Brückenwaage folgte. Die Sozialdemokraten forderten die Umwandlung der konfessionellen Schule in eine Gemeindeschule, es solle ein Eigentumsfeststellungsprozess geführt werden. Bei der Gemeinderatssitzung vom 16.11.24 legten die christlich-sozialen Gemeinderäte ihre Funktionen zurück, da sie sich missbraucht vorkamen, sie nahmen an den folgenden Sitzungen nur als Zuhörer teil, bis der Bürgermeister bei der Sitzung vom 15.2.1925 die Öffentlichkeit und damit die christlich-sozialen Gemeinderäte ausschloss: Am 23.4.1925 waren wieder alle Gemeinderäte anwesend. Die Übernahme der Stierwirtschaft durch die politische Gemeinde erfolgte 1925, im selben Jahr wurde von der Milchgenossenschaft eine Milchhalle errichtet. 1925 erfolgten auch die Sperre der gemeindeeigenen Schlachtbrücke aus sanitären Gründen sowie die Anschaffung eines Dienstfahrrads für die Gemeindepolizei.
Für die beiden Kriegsinvaliden Dragschitz und Tasch wurden Plätze für Trafiken genehmigt bzw. zur Verfügung gestellt; die sogenannte Villa wurde vom Gastwirt Hermann Trabichler am Goldberg errichtet. Die Einleitung der Wasserleitung in Privathäuser wurde häufiger, es wurden Anschlussgebühren festgelegt. 1926 wurde ein Hausier- und Bettelverbot in der Gemeinde ausgesprochen. Der Gemeinderat beschäftigte sich häufig mit Kostenzuschüssen zur Unterstützung oder Heilstättenunterbringung von Gemeindebürgern. Am 30.5.1926 fand die Weihe neu angeschaffter Kirchenglocken statt. Es erfolgte ein Beschluss des Gemeinderats, in der 1. Klasse Volksschule Wechselunterricht in deutscher und kroatischer Sprache festzusetzen, umso mehr, als auch im Kindergarten deutsch gesprochen wurde. Das Marktrecht wurde zwar nicht ausgeübt, der Bezirkshauptmannschaft solle aber in Kürze eine Marktordnung vorgelegt werden. 1927 wurde der Hochstand des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen am Sonnenberg um S 500.- als Aussichtswarte angekauft. Die Zahl der Ansuchen von bedürftigen Ortsbürgern um Unterstützung durch die Gemeinde stieg (monatl. S 20). Der Ankauf einer neuen Kirchturmuhr wurde von der Gemeinde unterstützt. 1928 übernahm Dr. Leopold Happisch die Ordination von Dr. Desiderius Patthy, 1929 folgte die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Dr. Patthy.
Das bedeutendste Bauvorhaben wurde 1927 in Angriff genommen. An der Stelle der alten, schon baufälligen Gemeindeschmiede wurde ein neues Rathaus gebaut. Der Bau wurde von den beiden Wiener Architekten Scharinger und Fischer entworfen und vom Hornsteiner Baumeister Ludwig Wolf durchgeführt; die Kosten beliefen sich auf die für die damalige Zeit imponierende Summe von über 77.000 Schilling, die zum Teil aus Landesmitteln, zum Teil aus Krediten der Gemeinde Wien aufgebracht wurde. Am 29.7.1928, von 10 bis 11 Uhr wurde auf dem Platz der alten Gemeindeschmiede das neue Rathaus mit Wohnungen und der Post im Rahmen einer Festsitzung mit den Ehrengästen Landeshautpmann-Stellvertreter Dr. Ludwig Leser, Landesrat Ignaz Till und Bezirkshauptmann Dr. Karecker eingeweiht. Das Essen im Gasthaus Bauer nach der Eröffnung wurde bis zu S 500.- aus dem Gemeindebudget bezahlt, den Rest musste Baumeister Wolf übernehmen. Die Aufstellung und Einweihung des Schubert-Denkmals erfolgte am 25.1.1928 durch den I. Hornsteiner Sing- und Musikverein und die Arbeiterjugendkapelle. Regelmäßige Anschotterungen von Gemeindestraßen und Wildbachregulierungen wechselten sich mit Ausbau des Wasserleitungsnetzes und der Ortsbachregulierung ab. Kraft eines Vertrags über die Elektrifizierung der Gemeinde durch die Eisenstädter Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft wurden 35 Lampen für die Ortsbeleuchtung errichtet, die Kosten betrugen S 11.680.-
1929 wurde die Pfarrkirche renoviert und am Ortsrand die Scheck-Mühle erbaut. Eine Mutterberatungsstelle wurde eingerichtet. Im selben Jahr kam Pfarrprovisor Fixl nach Hornstein. Bald gab es Beschwerden, dass er Kinder schlage und ihnen androhe, sie nicht zur Kommunion oder Firmung zuzulassen. Es folgten Verhöre der Eltern im Pfarrhof. Die Gemeinde reagierte mit Androhung von Anzeigen. Der Bauer-Keller vor der Kirche wurde um S 3.000.- angekauft; in einer Hamster- und Zieselaktion zahlte die Gemeinde pro abgeliefertem Schwanz 20 Groschen. 1930 legten die 2 kommunistischen Gemeinderäte ihr Mandat zurück, ihre Ersatzmänner nahmen auch nicht an. Der Alltag der einfachen Dorfbewohner wurde immer schwieriger. Nur die unbezahlte Eigenarbeit sicherte das Überleben. Das Gemeindearmenhaus wurde geräumt, die beiden Familien wegen Vandalismus delogiert. Die Bandfabrik musste wegen der bundesweiten Textilschwierigkeiten ihre Produktion drosseln, das Braunkohlenbergwerk Neufeld wurde gesperrt. Im Winter 1930/31 gab es in Hornstein über 1.500 Arbeitslose.

Weltwirtschaftskrise

Trotz diesem beachtenswerten Aufbau hatte sich die wirtschaftliche Situation in Hornstein an der Schwelle der Dreißigerjahre rapide verschlechtert. Die infolge der Weltwirtschaftskrise auch in Österreich zurückgehende Konjunktur und die rasch ansteigende Arbeitslosigkeit traf das Dorf mit seiner großen Zahl an Wanderarbeitern besonders schwer. Von Jahr zu Jahr wurde die Schar der Fabriks- und Bauarbeiter größer, die an ihren alten Arbeitsplätzen in Wien und Niederösterreich entlassen wurden und von einer mageren Arbeitslosenunterstützung leben mussten, ja bald als "Ausgesteuerte" nur mehr Notstandshilfen bekamen, die manche Familie an den Rand ihrer Existenz brachten. Dazu kam noch, dass zwei Ereignisse mehr lokaler Natur die Situation in Hornstein besonders verschärften. Die Seidenfabrik war durch den Zerfall der Donaumonarchie und durch die Errichtung hoher Zollschranken ihrer Hauptabsatzländer Ungarn und der Balkanstaaten in eine schwere Krise geraten. Trotz Umbaus auf eine breitere Erzeugungsbasis musste die Firma Schwarz Anfang der Zwanzigerjahre ihre Produktion immer mehr drosseln, ja ihre Zweigbetriebe in Unterwaltersdorf und Wimpassing gänzlich schließen. Als um 1930 die österreichische Textilindustrie, wie so viele andere, in Schwierigkeiten geriet, traf dies die Hornsteiner Seidenbandfabrik, die damals immerhin noch 128 Beschäftigte hatte, so schwer, dass sie ihren Betrieb vorübergehend schließen musste. Als 1930 auch das Braunkohlenbergwerk von Neufeld, das schon lange defizitär gewesen war, geschlossen wurde, brachte es, da ein großer Teil des Tagbaues auf Hornsteiner Hotter lag, die Gemeinde nicht nur um Steuereinnahmen, sondern setzte auch wieder eine empfindlich hohe Zahl von Arbeitern vor die Tür. Im Winter 1930/31 gab es in Hornstein fast 1600 Arbeitslose. Ein Großteil der Dorfbevölkerung lebte von intensivster Bewirtschaftung oft kleinster Grundstücke - so erreichte der Obst- und Weinbau von Hornstein wieder einen Höhepunkt und 1933 wurde sogar ein Weinbauverein gegründet. Viele versuchten sich mit Gelegenheitsarbeiten durchzuschlagen und so manche - wie bald ein geflügeltes Wort über die Hornsteiner bewies - verlegten sich auf das Wildern.
Am 26.1.1931 löste sich der Gemeinderat auf, da er laut Bürgermeister Probst die wirtschaftliche Not nicht mehr im Griff hatte und sich die politische Situation durch verantwortungslose Hetzereien verändert habe. Im Gemeinde-Kostenvoranschlag für 1931 standen Einnahmen von S 61.950.- Ausgaben von S 114.270.- gegenüber, der Abgang betrug also S 52.320.- Vizebürgermeister Franz Pinzolits übernahm auf Weisung der Bezirkshauptmannschaft die Geschäfte; die Neuwahl des Bürgermeisters erfolgte in der Gemeinderatssitzung am 21.2.31: bei 14 abgegebenen Stimmen waren 5 leer, 9 für Anton Probst. Probst nahm jedoch das Amt nicht an, auch der Vizebürgermeister legte seine Funktion zurück, das führte wieder zur Auflösung des Gemeinderats. Die Burgenländische Landesregierung nahm allerdings die Auflösung nicht zur Kenntnis, da ohnehin im Mai 1931 die nächsten Gemeinderatswahlen stattfinden sollten. Es wurde eine geheime Wahl des Bürgermeisters durchgeführt: bei 12 abgegebenen Stimmen waren 2 leer, 10 für Franz Pinzolits. Er nahm die Wahl an. Als Vize wurde per Akklamation Anton Probst mit 10:2 gewählt, er nahm ebenfalls an. In der konstituierenden Sitzung am 18.5.31 nach der Gemeinderatswahl wurden abermals Bürgermeister und Stellvertreter gewählt: bei 16 abgegebenen Stimmen waren 6 leer, 10 für Anton Probst; 1.Bürgermeister-Stellvertreter wurde Josef Scheck mit 5 von 6 Stimmen; 2. Stellvertreter wurde der Sozialdemokrat Franz Matkovits mit 10 von 10 Stimmen. Am 8.9.1931 um 16 Uhr fuhr Bundespräsident Wilhelm Miklas aus Anlass des Burgenland-Jubiläums durch Hornstein und wurde von einem Empfangskomitee des Gemeinderats und der Bevölkerung begrüßt. Immer mehr Anträge auf Heimatrecht, Unterstützung, Unterhaltsbeitrag, Bestattungsbeitrag, oder Unterbringung und Bekleidung im Armenheim Neudörfl langten ein. Die Gemeinde verwendete einen erklecklichen Teil ihres Budgets für die Unterstützung der armen Gemeindebürger. Gleichzeitig mit der wachsenden Arbeitslosigkeit und Armut schritt die politische Polarisierung zwischen den Sozialdemokraten und den Christlich-sozialen vereint mit der Wirtschaftspartei und unterstützt von der römisch-katholischen Kirche voran. Immer mehr Menschen schlossen sich den beiden radikalen Parteien, den Kommunisten, die bei den Wahlen von 1927 bereits 241 Stimmen erhielten, und den Nationalsozialisten, die 1932 in Hornstein Fuß fassten, an. Bald kam es auch zu den ersten Zusammenstößen und politischen Krawallen, wenn auch Hornsteins politisches Klima weit weniger gespannt und turbulent war, als die vergiftete und verfahrene allgemeine Situation in Österreich.

Ständestaat

 Der 12. Februar 1934, der in seiner bürgerkriegsähnlichen Entladung schließlich das Ende der Demokratie in Österreich brachte, ging in Hornstein ohne Kämpfe vorbei. Der relativ starke Republikanische Schutzbund, der hier schon 1926 aufgestellt worden war und 1934 zwei Züge mit fast 70 Mann umfasste, löste sich ohne Widerstand auf und vernichtete den Großteil der im Konsumbrunnen versteckten Waffen, bevor noch die staatliche Exekutive und die zu ihrer Verstärkung eingesetzten "Burgenländischen Heimatschützen" eingriffen. Die Führer der Sozialdemokraten, allen voran Bürgermeister Probst, wurden verhaftet und einige Zeit eingekerkert. Laut Register Z des Bezirksgerichts Eisenstadt 1933-1935 wurde wegen Flugschriftenverbreitung in Neufeld/Leitha, §§ 58, 60, 61, 73 StG auch Anton Probst am 2.3.1934 um 15 Uhr verhaftet und am 30.3.1934 um 9 Uhr entlassen, da keine Haftgründe mehr vorlagen. Aus Hornstein wurden außerdem Ludwig Petö, Franz Palkovits, Johann Jaitz und Anton Trabichler am 8.3.34 um 17 Uhr lt. §§ 58 und 73 StG verhaftet und am 10.3.34 um 18 Uhr entlassen, da ebenfalls keine Haftgründe mehr vorlagen. 1937 wurden die Akten unter dem Titel "Feberrevolte" ans LG II in Wien abgegeben, am 14.3.1938 von der Gestapo Wien ohne Zahl beschlagnahmt. Die Partei selbst wurde verboten und alle ihre Nebenorganisationen, wie ARBÖ, Kinderfreunde, Sozialistische Arbeiterjugend, ASKÖ "Sonnenberg-Hornstein" aufgelöst. Ein Großteil der Mitglieder und Anhänger der SdP ging resignierend in die "innere Emigration", während sich viele, vor allem jüngere Leute, der ebenfalls verbotenen NSDAP zuwandten und diese in Hornstein zu einer ansehnlichen Kraft werden ließen, die der staatlichen Exekutive zunehmend Schwierigkeiten zu machen begann.
Im April 1934 wurde eine neue Gemeindevertretung, die den Namen "Gemeindetag" erhielt, aus den Reihen der "Vaterländischen Front", die nun als Einheitspartei des Ständestaates der alleinige Träger der politischen Willensbildung wurde, gebildet. Zum neuen Bürgermeister wurde 1934 der Kaufmann Josef Scheck gewählt. Natürlich bemühte sich auch die neue Gemeindevertretung in erster Linie der drückenden Arbeitslosigkeit abzuhelfen und tatsächlich konnte mit Hilfe staatlicher Unterstützung eine neue Phase von Aufbauarbeit eingeleitet werden, von der nur die beiden größeren Unternehmungen genannt seien. Die mangelhafte Wasserversorgung, die durch das starke Anwachsen des Dorfes in den vergangenen zehn Jahren entstanden und seit 1930 im Sommer oft in eine richtige Wassernot ausgeartet war, konnte durch den Bau neuer Leitungen und die Erschließung neuer Quellgebiete im Minibachgraben und bei den "Sieben Bründln" in den Jahren 1934 und 1935 endgültig beseitigt werden. 1934 wurde auch der Friedhof, der zu klein geworden war und sich in einem desolaten Zustand befand, erweitert und mit einer festen Mauer umgeben.
1936 wurde Josef Scheck vom Textilarbeiter und ehemaligen christlichsozialen Abgeordneten zum Landtag Johann Probst abgelöst. Auch er versuchte, gegen die steigende Arbeitslosigkeit anzukämpfen. Bachregulierungen in den landwirtschaftlichen Flächen, Kurse für Frauen und Hilfsprojekte für Männer wurden angeboten. Doch diese und ähnliche Arbeiten waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein und konnten kaum die Arbeitslosigkeit lindern. Die Unzufriedenheit wuchs und immer mehr Menschen begannen nach dem Aufsehen erregenden wirtschaftlichen Aufschwung zu schielen, den das benachbarte Hitler-Deutschland nahm und den "Volksgenossen" in Österreich propagandistisch geschickt vor Augen hielt. Trotz aller möglichen Maßnahmen der Regierung Schuschnigg erfasste die "Anschlusspropaganda" immer weitere Kreise der Bevölkerung.

Nationalsozialistische Ära

Am Sonntag, dem 13. März 1938, erfolgte die Proklamation der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich. Beim Aufmarsch rund um das geschmückte Rathaus wurde der Gauredner PG Edmund Brauner mit Heil Hitler begrüßt. Hakenkreuzfahnen wurden auf allen wichtigen Gebäuden gehisst, wie Kirche, Tonkino Hussy, Meierhof, Seidenbandfabrik und auf allen Häusern der Reichsstraße. Die Feuerwehr, die milizähnlich organisiert und geführt wurde, war bereits im Ständestaat ein Vorläufer der nationalsozialistischen Ideen gewesen.

Die Illegalen gaben sich zu erkennen. PG Matthias Matkovits wurde vom Kaufmann zum Bürgermeister, sein Bruder, der Gärtner Franz Matkovits, übernahm die Stelle des Ortspropagandaleiters. Weitere Illegale bzw. Angehörige der Österreichischen Legion waren Hans Scheck, Jakob Breser, Karl Dragschitz, Gustav Stanzl, Alfred Schlag, Paul Mühlgassner, Johann Nährer, Franz Feschar, Franz Großmann, Hermann Schleischitz, Ferdinand Jernits, Stefan Kaltzin, Josef Krenn, Anton Kutsenits, Josef Lohr, Willy Metzl, Michael Pogats, Johann Probst, Paul Szinovatz, Karl Gruber, Matthias Pinter, Karl Sauer, Johann Pollak, Martin Bauer, Josef Vitorelli, Franz und Robert Mesgolits, Andreas Gerdinich, Paul Gerdinich, Emil Hussy, Franz Hischenhuber, Karl Jesenko, Matthias Kopinits, Ludwig, Kutsenits, Josef Gassner, Matthias Gerdinich, Franz Vitorelli, Johann Stefanits, Franz Payrich und Mag. Stephan Nyulasy. Sie kamen aus allen Berufsschichten und Bildungsgruppen: Kriegsveteranen aus dem Ersten Weltkrieg, von ihrer Führung enttäuschte Sozialdemokraten, Arbeitslose, wirtschaftlich enttäuschte Selbstständige und Landwirte, antiklerikale Intellektuelle, aber auch politische Abenteurer.

Volksabstimmung

Die Volksabstimmung über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich am 10. April 1938 erfolgte öffentlich, es gab 100% Ja-Stimmen. Der nationalsozialistische Funktionär Martin Bauer zeigte mit seinem rechten Zeigefinger jedem Stimmberechtigten, wo er das Kreuz über das "Ja" zu machen hatte. Ab 15. Oktober 1938 gehörte Hornstein zu Niederösterreich, das später Gau Niederdonau genannt wurde. Das Burgenland wurde als Bundesland aufgelöst.


NS-Organisationen

Hitlerjugend und Deutsches Jungvolk wurden gegründet, die Mädchen wurden im Deutschen Mädchenvolk und im Bund Deutscher Mädel zusammengefasst, die Frauen in der NSV-Frauenschaft, die Kraftfahrer unter dem Begriff NSKK; anstelle der Gewerkschaft gab es die Deutsche Arbeiter Front.
Im Nu gabt es auch keine 1600 Arbeitslosen mehr in Hornstein. Die Männer wurden mit Omnibussen nach Kaisersteinbruch zur Arbeit geführt, später fanden sie Arbeit in den Flugzeugwerken in Wr. Neustadt, was zu Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft führte. Der Wirtschaftsaufschwung machte sich auch in den Beschäftigungszahlen der Seidenbandfabrik bemerkbar: Es wurde von 60 auf 150 Arbeiterinnen aufgestockt, 60.000 Meter Band pro Woche wurden produziert. Am Sonntag, dem 21. Mai 1939, fand im Saal des Gemeindekindergartens eine Feierstunde der NSDAP statt, in welcher Frau Maria Wallentits die erste Stufe des Ehrenkreuzes der Deutschen Mutter überreicht wurde.