Zweiter Weltkrieg

Kriegsalltag

Zu Kriegsbeginn September 1939 wurden die ersten Hornsteiner zur Wehrmacht eingezogen, doch der Krieg war noch nicht ins Bewusstsein der Hornsteiner Bevölkerung eingedrungen. Er sollte bis 1945 Hornstein 108 Gefallene und 67 Vermisste kosten. Vom Mai 1940 an wurden jeweils im Sommer in der Volksschule Seidenraupen für die deutsche Kriegsindustrie gezüchtet. Die Buben der 5. ? 8. Klasse mussten Maulbeerbaumzweige von der Neuen Straße für die Fütterung der Raupen holen. Immer mehr Männer und Burschen mussten einrücken. Im Juni 1941 wurde die hinter den Kurialhäusern gelegene Hutweide der Urbarialgemeinde umgeackert, um landwirtschaftlich genutzt zu werden, da jedes Stück Ackerland als Bereicherung des Ertrages für die Kampftruppen und die Rüstungsindustrie angesehen wurde. Die Ablieferungsquoten des Pächters wurden strengstens kontrolliert. Anfang April 1941 blieben Kolonnen der Wehrmacht auf ihrem Weg ins Kampfgebiet in Jugoslawien wegen Schneeverwehungen bei der Neufelder Kreuzung stecken. Die NS-Frauenschaft bewirtete die Soldaten mit heißem Tee und Glühwein beim Minibach. Am 14. April wurde Bürgermeister Matkovits der Fund polnischer Gewehrmunition im Straßengraben an der Reichsstraße gemeldet. Daraufhin wurde das Lager im 1. Stock des Forsthauses untersucht, in dem polnische Kriegsgefangene, die bei den Hornsteiner Bauern als Feldarbeiter eingesetzt waren, untersucht.

Dorfleben in der Kriegszeit

Am 20. November 1941 feierten die Eheleute Roman (88) und Ursula Palkovits die Diamantene Hochzeit mit einer Festmesse und bei der anschließenden Feier im Kreis ihrer Familie. Am 12. Feber 1942 wurden die Hornsteiner Kirchenglocken für die deutsche Rüstungsindustrie abgenommen und heimlich weggeschafft. Neben der St. Anna Glocke und der Florianiglocke aus dem Jahr 1926 wurde auch das Zügenglöckchen aus dem Jahr 1535 abgeliefert. Obwohl sogar NSDAP-Mitglieder dagegen protestierten, bestand Kreisliter Brauner darauf. Am nächsten Tag wurde die alte Eisenglocke aus dem 1. Weltkrieg aufgezogen, die den Hornsteinern bis 1947 läutete. Jeden Sonntag gab es eine Filmvorstellung im Tonkino Hussy und ein Fußballspiel, wobei ab 1942 nur mehr eine HJ-Ersatzmannschaft notdürftig aufrechterhalten wurde, weil alle Männer bereits eingezogen waren. Der Sommer 1942 war regenreich, und die Bauern hatte Probleme damit, die Ernte trocken einzubringen. Es wurde mit der Hand gemäht und an der Dreschmaschine saß eine Frau, die im Auftrag der Gemeinde die Abwaage vornahm und in eine Liste eintrug. Beim Reichssportwettkampf der HJ wurden von den Hornsteiner Teilnehmern gute Erfolge erzielt. Zum Abschluss wurde von der Jugend am Kriegerdenkmal ein Kranz für die Gefallenen niedergelegt. Die Blockleiter der NSDAP erreichten mit Hilfe der HJ gute Ergebnisse bei der Spinnstoffsammlung. Dabei wurden in allen Haushalten textile Abfälle gesammelt und ins Rathaus gebracht. In den Kriegsjahren mussten alle nicht kriegswichtigen Projekte der Gemeinde ausnahmslos zurückgestellt werden. Wegen der Lebensmittelknappheit wurden Abgaben für fast alles vorgeschrieben. Bei Hausschlachtungen musste ein bestimmter Anteil abgeliefert werden; dies wurde von Gemeindeangestellten vor Ort kontrolliert. 1945 tagte allabendlich das Ortsdreieck Franz Payrich, Karl Sauer und Josef Stefanits im Alten Arzthaus, besprachen die Ablieferungsquoten von Getreide und Kartoffeln, erfassten die Wehrfähigen und meldeten sie zur Einberufung.
Da immer mehr wehrfähige Männer eingezogen wurden, übernahmen die Frauen deren Arbeiten. Nicht nur im Gemeindeamt gab es nur weibliche Angestellte, auch in den Fabriken und in der Landwirtschaft waren die Frauen in der Überzahl. Dennoch genoss man auch die Freuden des Alltags: Kinokarten für die Filme im Hornsteiner Lichtspieltheater waren sehr begehrt. Da es viele Hornsteiner gab, die für die Sonn- und Feiertage ihre Plätze für das ganze Jahr reserviert hatten, und da auch eine Anzahl von Plätzen für die Militärs der in Hornstein stationierten Stäbe bereitgestellt werden musste, blieben nicht viele Plätze übrig. daher wurden nach der Deutschen Wochenschau Seitenbänke aufgestellt, Jugendliche mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen.
Immer öfter mussten die NSDAP-Funktionäre (Bürgermeister Payrich, Ortsgruppenleiter Sauer, Propagandaleiter Matkovits und Ortsbauernführer Josef Stefanits) Todesnachrichten über gefallene Soldaten an ihre Familien überbringen, keine leichte Aufgabe, da sie sich oft böse Worte von den Angehörigen sagen lassen mussten, vor allem in der Richtung, dass sie selbst Drückeberger seien. Der Ausspruch " Wer ist nicht eingerückt? - Pauri, Hauri i Kaučaci" wurde in ganz Hornstein unter der Hand bekannt. Am 7. November 1943 wurde im Rahmen einer KDF (Kraft durch Freude) Veranstaltung im Gasthaus Hermann Trapichler ein Theaterstück beim Eintrittspreis von 1 RM aufgeführt. Unter den zahlreichen Jägern bei der Treibjagd am 28. November 1943 befand sich auch der Schauspieler Wolf Albach-Retty, der sich als guter Schütze entpuppte.


Selma

Zunächst war auf dem Zimmermannberg ein Stützpunkt der Luftnachrichtentruppe gebaut worden, der dem internen Funkverkehr diente und nur mit einigen Soldaten besetzt war; er wurde allerdings nach Beendigung des Ausbaues auf dem Sonnenberg aufgelassen. Eine der wichtigsten Ortungsanlagen im Südosten des Deutschen Reiches befand sich auf dem Gipfel des "Sonnenberges" im Leithagebirge, betreut von der 10. Jägerleitkompanie des II/LnRgt 218, das in Ebenfurth stationiert war, und gehörte der 8. Jagd-Division Wien-Cobenzl an. Zur Kompanie gehörten 3 Jägerleitstellungen, nämlich Selma in Hornstein, Kirsche in Kirchschlag bei Linz und Gladiole in Graz. Sie waren mit Funk und Fernsprechverbindung untereinander verbunden. Die Kabelverbindungen von Selma endeten bergab im Postnetz, direkte Schaltungen gab es zwischen dem Bataillon in Ebenfurth und Wien-Cobenzl zur direkten Jägerleitstelle. Kompaniechef war Oberleutnant Vogt, Batallionskommandeur mit Sitz in Ebenfurth war Hauptmann Gattung und Divisionskommandeur Oberst Handrik mit Sitz Wien-Cobenzl.
Die Station "Selma" bestand aus 3 Egon-Ortungsgeräten der Typen FuMG 401A-LZ "Freya" (Bild) und 4 "Y - Peilern" (Über 20 Meter hohe Türme zum Anpeilen von Flugzeugen ohne die Möglichkeit einer Entfernungsmessung). Damit konnten Flugzeuge in einer Höhe von 50m auf eine Entfernung von 20km geortet werden, bei einer Flughöhe von 8.000 Metern bereits aus 120km Entfernung. Die Besatzung der Station bestand aus etwa 150 Luftwaffenhelferinnen und gleich vielen Soldaten der Luftwaffe. Für sie wurde auf einem Plateau unterhalb des Gipfels ein Barackenlager errichtet. Schon 1939 wurde mit dem Bau einer Straße von Hornstein bis zum Gipfel des Berges begonnen. Diese Arbeit wurden von dienstverpflichteten Roma verrichtet, die zu diesem Zeitpunkt in einer Sonderbaracke untergebracht waren. Eine "Volksküche" stand in Form einer Holzbaracke vom Ort kommend am Beginn des Waldesrandes rechter Hand knapp neben dem Weg. Der einarmige Rudolf Zeichmann war als Einkäufer tätig und das Fleisch wurde beim Fleischhauer Michael Pröstl ausgefasst.
Die Baustelle und das Gelände auf dem Sonnenberg konnte in jener Zeit von den Einheimischen ohne weiteres eingesehen werden, erst ab etwa 1942 wurde das Gelände zum militärischen Speergebiet erklärt, und das Betreten strengstens verboten. Warntafeln mit der Aufschrift: "Betreten und Fotografieren streng verboten" wurden im Umkreis von 150 - 200 m an Bäumen angebracht. Die Radaranlagen selbst wurden erst ab Mai 1943 errichtet. Die Anlage diente auch dazu, Nachtjäger (z. B. aus Wr. Neustadt) an ihre Ziele heranzuführen. Laut Augenzeugen wurden in der näheren Umgebung noch zusätzliche (mobile) Radargeräte eingesetzt ("Würzburg D"). Mit Hilfe all dieser Anlagen kam es im Laufe des Krieges zu 150 Abschüssen (vor allem US Bomber), an denen "Selma" beteiligt war. Trotz gezielter Luftaufklärung wurde die Leitstelle von den Alliierten nicht entdeckt.
Im Jänner 1945 wurden in der Nähe der Station bei der Judenbuche noch Fundamente für einen riesigen UKW-Peiler Type Bernhard errichtet, zur Installation kam es aber wegen des Kriegsendes nicht mehr.

Verfolgung und Widerstand

Alle wichtigen Funktionäre der politischen Parteien wurden überwacht. Der Wille zum Widerstand war zunächst gebrochen. Doch bald gab es auch in Hornstein Gruppen, die Widerstand leisteten und sich gegen das unmenschliche Regime auflehnten. Diese Gegnerschaft äußerte sich in kritischen Anmerkungen zum Hitlerstaat, Flugblattaktionen, im Abhören von ausländischen Sendern, in passivem Streik oder in Kleinsabotage.
Die 12-und 15-jährigen Jugendlichen Karl Dragschitz und Ferdinand Jaitz wurden 1939 wegen Anbringung kommunistischer Symbole verhaftet und in Wien 3 Monate lang eingesperrt, anschließend an die Front geschickt.
Der Hilfsarbeiter Franz Matkovits wurde wegen Heimtücke 10 Monate inhaftiert. August Selinger verbrachte 2 Jahre in den KZ Dachau und Mauthausen. Der Hilfsarbeiter Anton Stefanits wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat inhaftiert und anschließend zum Strafbataillon 999 eingezogen. Johann Kralits und Alexander Heiner wurden als Kommunisten für 6 bzw. 5 Jahre ins KZ Dachau bzw. Lager Rodgau gesteckt.
Ernst und Anna Jaitz wurden 4 Monate eingekerkert, weil sie Widerstandskämpfern Unterschlupf gewährt hatten. Matthias Lavender desertierte 1943 in Athen nach Entlassung aus der Haft, die wegen Sabotage gegen ihn verhängt worden war. Viele Hornsteiner gingen in den inneren Widerstand. Trotz Androhung der Todesstrafe wurden die deutschsprachigen Sendungen der alliierten Sender abgehört, wurde familienintern Kritik am Regime geübt.
Die Fabriksarbeiterin Maria Pogats, eine einfache Frau aus dem Haus Nr. 456, führte ein Tagebuch in kroatischer Sprache mit ungarischer Rechtschreibung, in welchem sie in einer Mischung von Zorn, Spott, Religiosität und Ohnmacht die Aktivitäten des Regimes anprangerte. So machte sie sich über den in vorauseilendem Gehorsam agierenden Bürgermeister lustig, beklagte den Maulkorberlass für die Bevölkerung, kritisierte Hitler als Deutschen Gott, durchschaute die Zeitungspropaganda und spottete über die Ablieferungsmodalitäten für landwirtschaftliche Produkte. Das Tagebuch blieb der Familie erhalten.
Die jüdische Geschäftsfrau Hilda Herz, geborene Tieger, trat zum katholischen Glauben über und heiratete in zweiter Ehe den Pottendorfer Josef Sarang, deshalb konnte sie nach 1938 das Geschäft auch offiziell weiterführen, geriet aber in Liefer- und Verkaufsschwierigkeiten. Ihr Mann wurde als Heizer in die Brauerei Schwechat zwangsverpflichtet. Frau Sarang wurde 1943 trotz schwerer Krankheit aus rassistischen Gründen im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder nicht behandelt, so dass sich ihr Zustand 1947 noch immer nicht gebessert hatte.

Luftkrieg über Hornstein

Am 24. Mai 1943 wurden 29 Kinder aus luftkriegsgefährdeten Gebieten im Altreich bei Hornsteiner Familien untergebracht. Kurz darauf lernten auch die Hornsteiner die Schrecken des Luftkriegs kennen. Am Freitag, dem 13. August 1943, erlebte Hornstein den ersten Fliegeralarm, gefolgt vom 2. Alarm am 1. Oktober. In drei Wellen überflogen 25 U.S.-Bomber Hornstein und stießen dabei auf einen deutschen Jagdverband vom Flugplatz Vöslau. In 6000 Meter Höhe kam es zu einem heftigen Luftkampf, der von der Hornsteiner Bevölkerung beobachtet werden konnte. Ein Splitterregen ging über dem Dorf herab. Die Bauern auf den Feldern suchten Schutz unter Bäumen. Am 24. Oktober überflogen drei mal 21 viermotorige Bomber den Süden des Ortsgebiets. Das erste Mal fielen Bomben in der Nähe des Dorfs, Flugblätter wurden abgeworfen und die Bevölkerung suchte unaufgefordert die Luftschutzkeller auf. Beim 4. Bombenalarm überflogen am 2. November 1943 in der ersten Welle 30 Flugzeuge, in der zweiten 17 Maschinen das Dorf. Im November wurden in Hornstein Horch- und Scheinwerferbatterien aufgestellt. Eine Scheinwerferbatterie befand sich im Wald südlich des Sonnenbergs und etwa 1500 Meter westlich vom "Juden", einer mächtigen Buche. Die Besatzung war dort in Baracken untergebracht. Eine zweite Scheinwerferbatterie befand sich auf den Äckern an der Reichsstraße in Richtung Müllendorf unweit der Schanz, die Besatzungen waren in den Häusern Nr. 376 und Nr. 192 untergebracht.
Mit dem Einsetzen des Luftkrieges aus dem Süden begann der Nachttelefondienst des Ortsluftschutzes am Gemeindeamt. Männer über 760 und Burschen ab dem 16. Lebensjahr wurden zwischen 20:00 Uhr und 5:00 eingesetzt, zwischen 5:00 und 8:00 Uhr wurden Frauen eingesetzt. Telefonanschlüsse waren damals in nur wenigen Häusern Hornsteins vorhanden: Nr. 1 – Gutsverwaltung, Nr. 2 – Gemeindeamt, Nr. 3 – Konsumverein, Nr. 4 – Seidenbandfabrik, Nr. 5 – Gendarmerieposten, Nr. 6 – Gemüsegroßverteilerin Angela Gerbautz, Nr. 7 – Gemeindearzt Dr. Max Huber, Nr. 8 – Walzmühle Hans Scheck, Nr. 9 – Apotheke Stephan Nyulasy.
Am 19. März 1944 stürzte im Wald oberhalb der Neusatzäcker ein deutsches Schulungsflugzeug der Fliegerschule Wiener Neustadt vom Typ Ju 88 ab. Das Flugzeug zerschellte in den Bäumen, die 4 Flugschüler fanden den Tod. Ihre Körperteile wurden von Suchmannschaften im Umkreis von 50 Metern zusammengesammelt. Zivile Wachen sperrten das Gebiet auch über Nacht ab.
Am 3. Mai 1944 stürzte um 17:45 Uhr wieder eine Ju 88 der Fliegerschule Wiener Neustadt auf den Mekota-Äckern ab, nachdem sie eine Stromleitung gestreift hatte. Das Flugzeugwrack und die 4 Toten wurden noch am selben Abend abtransportiert.
Auf der Schanz wurde im Mai 1944 intensiv an einem Luftschutzstollen im dortigen Steinbruch gegraben. Frauen und Jugendliche gruben in einer Tiefe von 10 Metern gleichzeitig von 2 Seiten aus etwa 20 Meter in den Berg, erreichte aber bis zum Kriegsende keinen Zusammenschluss. Die Grabungsarbeiten wurden Ende September aufgegeben. Dennoch diente dieser Stollen vielen Familien aus dem Kurial als Schutz gegen die Luftangriffe.

Am 10. Mai erfolgte der 12. Fliegeralarm, wobei die Maschinen über dem Sonnenberg eine große Menge von Stanniolstreifen abwarfen, um die Funkwellen der Jägerleitstation zu stören. Ein Kampfverband warf ihre 5 kg Splitterbomben im Hornsteiner Gemeindegebiet ab. Etwa 70 fielen auf den Südrücken des Schusterbergs. Der Zimmermann Lukas Matkovits und die Rentnerin Maria Szinovatz wurden am Waldrand der Weingartenried Weißenlaim von Splittern getroffen, wobei die Frau an der Hand verletzt, dem Mann jedoch die Lunge zerfetzt wurde. 50 Bomben fielen auf den Südteil des Dorfs, den Siget. Das Haus Nr. 304 erhielt einen Volltreffer, der es abdeckte. Im Holzschuppen des Hauses Nr. 278 fanden die Eheleute Franziska und Nikolaus Höcher sowie Josefine und Franz Zsulits den Bombentod. Wie durch ein Wunder kam die Tochter Margarethe Zsulits mit Splitterwunden in den Beinen davon, da sie auf einem Holzblock saß.
Die Gemischtwarenhandlung der Familie Zsulits wurde gesperrt, die Markenkunden an das Kaufhaus Anton Matkovits verwiesen, das die Betreuung für 5 Wochen übernahm. Anschließend führte die Tochter Ida das Geschäft weiter bis zum 31. März 1945, wo es bei Kampfhandlungen total abbrannte.
Am Freitag, dem 12. Mai 1944, um 15 Uhr, wurden die Särge der Bombenopfer, die im Rathaussaal aufgebahrt gewesen war, auf der Westseite des Rathauses hinter dem Schubertdenkmal mit militärischen Ehren verabschiedet. Eine große Trauergemeinde, angeführt vom Kreisleiter Edmund Brauner, Bürgermeister Franz Payrich in Vertretung des zu Jahresbeginn freiwillig eingerückten Matthias Matkovits, Ortsgruppenleiter Karl Sauer und die Funktionäre der NSDAP. Nach der Trauerrede des Kreisleiters feuerte die Ehrenkompanie der Stellung Selma drei Gewehrsalven ab. Mit einem LKW der Luftwaffe wurden die Särge in den Friedhof geführt, wo sie in Ehrengräbern der Gemeinde beigesetzt wurden. Während der Trauerfeier kam es zu einem Zwischenfall, als am Rande der Trauergemeinde nahe dem Gasthaus Kruesz der in Wien lebende Bruder des Bombenopfers Franz Zsulits laut zu verstehen gab, dass die Nazis den Krieg zu unrecht führten und schon genug unschuldiges Blut vergossen hätten. Doch die Verwandten hielten ihm sofort den Mund zu, so dass der Zwischenfall fast unbemerkt blieb.

Nahe dem Hartwald wurde im Mai ein B-17-Bomber abgeschossen. Der abgesprungene amerikanische Pilot wurde von den Pg. Franz Matkovits und Martin Bauer zur Reichsstraße eskortiert und einem Wehrmachtsauto übergeben.
Beim Fliegeralarm am 24. Mai war Hornstein zwar nicht betroffen, der 14-jährige Schüler Walter Gerdenits aus Hornstein Haus Nr. 545 kam durch Bombensplitter auf der Piestingbrücke bei Ebreichsdorf auf dem Heimweg von der Hauptschule ums Leben und wurde in Hornstein nach neuapostolischem Ritus zu Grabe getragen. Am Begräbnis nahmen unwahrscheinlich viele Menschen teil, darunter viele Schulkinder.
Der nächste Fliegeralarm erfolgte am 30. Mai 1944. Mehrere Wellen amerikanischer Bomber überflogen Hornstein und bombardierten Landegg und Pottendorf. Auch auf die Hornsteiner Felder bei der Leitha waren 10 schwere Bomben gefallen. In jenen Tagen wurden die ersten Wehrmachtsstäbe in Hornstein einquartiert: der Stab "Stockhausen" im Vorderzimmer des Sodawassererzeugers Josef Gassner im Haus 137 im Siget, der Stab 546 im Haus Paula Schmitl Nr 54 im Oberort und der Stab "Versorgungsabschnitt Leitha" in einer Wohnung im 2. Stock des Rathauses. Der Stab hatte die Telefonnummer 6, die der Gemüsegroßverteilerin Angela Gerbautz aberkannt worden war. Auch im Haus Nr. 237 im Siget war eine motorisierte Einheit einquartiert.

Seit 1. September 1944 gab es den Kuckuckruf als Warnung vor feindlichen Luftangriffen im Reichssender Wien. In Hornstein war eine Planquadratkarte des Luftschutzsenders Wien in Umlauf, auf welcher der Standort der Kampfverbände verfolgt werden konnte. Der Fliegeralarm am 11. Oktober 1944 brachte ein schreckliches, 74 Minuten dauerndes Dröhnen über Hornstein. 10 schwere Bomben fielen auf die Äcker unterhalb der Pflanzsteigen. Alle Fensterscheiben der umgebenden Häuser zersplitterten, Personen kamen nicht zu Schaden. Während Gendarmerie und Bürgermeister die Schäden besichtigten, wurde wieder Fliegeralarm gegeben, diesmal ohne Folgen.



Der Hornsteiner Ritterkreuzträger Karl Selinger

Der 1920 geborene Hornsteiner Karl Selinger trat im Sommer 1940 als Schütze der 8. Kompanie des Gebirgsjägerregiments 85 in die Deutsche Wehrmacht ein. Seine Feuertaufe erhielt er in der 5. Gebirgsjägerdivision, genannt "Gams", im Frühjahr 1941 im Balkanfeldzug. Aus bulgarischen Bereitstellungsräumen zum Angriff angetreten, überwand das Regiment die schwer befestigte Metaxas-Linie, schlug die Gegenangriffe der griecischen Nordarmee zurück und zwang sie zur Kapitulation. Im Mai 1941 landeten umfangreiche Fallschirmjägerverbände in kleinen Transportbooten auf der Nordküste der Insel Kreta. Die eingesetzten Gebirgsjägerverbände erlitten hohe Verluste, verstärkten die geschwächten Fallschirmjäger jedoch entscheidend und kämpften die Verteidigungsan lagen der Alliierten nieder. Karl Selinger erhielt für seinen gezeigten Mut das Eiserne Kreuz II. Klasse und das "Ärmelband Kreta". Zur Offiziersausbildung wurde er nicht zugelassen, weil er als politisch zuverlässig eingestuft wurde. Sein Onkel August Selinger war als politischer KZ-Häftling das Hindernis für die Offizierslaufbahn. Als Gefreiter erlebte der erst Zweiundzwanzigjährige die harten Schlachten im Nordabschnitt der Russlandfront. Im Juni 1942 wurde er ins Gebirgsjägerregiment 144 der 3. Gebirgsjägerdivision versetzt. Die Narvik-Division bestand zum Großteil aus Österreichern und war soeben aus Nordfinnland in den Großraum Leningrad verlegt worden. Hier stoppten die Gebirgsjäger wiederholt Großangriffe der Roten Armee und nahmen im Gegenangriff feindliche Stellungen ein. Selinger trug inzwischen das Verwundetenabzeichen, das Infanteriesturmabzeichen und die Nahkampfspange in Bronze. Anfang 1943 wurde er als Führer einer MG-Truppe schwer verwundet; im Lazarett erhielt er das Verwundetenabzeichen in Silber. Insgesamt wurde er fünfmal verwundet. Im Oktober wieder zur 8. Kompanie zurückgekehrt, wurde er zum Oberjäger befördert und erhielt im Juni 1944 das lang verdiente E.K.I.
Im August als Feldwebel zum Bataillonsstab versetzt, übernahm Karl Selinger während der Stellungsschlachten in Ungarn die Führung eines Zuges im II. Bataillon. Am Westufer der Theiß lag die Hauptmacht der Division unter heftigem Artilleriefeuer, als umfassende russische Infanterieverbände mit Panzerunterstützung zum Angriff antraten. Ohne Befehl trat Selinger mit seinem Zug und Teilen der Stabskompanie zu einem schnellen Gegenangriff an, und warf die russischen Verbände genau in der verwundbaren Phase zwischen Sturmlandung und Eintreffen der ersten Verstärkungen vom Ostufer wieder über die Theiß zurück. Für diesen entscheidenden Waffengang erhielt Karl Selinger am 12. Dezember 1944 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Als politisch Unzuverlässiger erhielt er jedoch nicht die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde, obwohl dies üblich war. Im Mai 1945 geriet er nach vierjährigem Fronteinsatz auf tschechischem Boden in russische Kriegsgefangenschaft, wurde in ein Lager bei Stalingrad gebracht und dort zum Wiederaufbau der zerstörten Stadt eingesetzt. Ende 1947 entlassen, trat Karl Selinger 1956 in das Unteroffizierskorps des neuen Österreichischen Bundesheeres ein und holte im Alter von 32 Jahren die Matura nach. 1960 musterte er als Leutnant der Theresianischen Militärakademie aus und übernahm nach Dienst in verschiedensten Truppen- und Stabsstellen 1973 als Oberstleutnant das Kommando der Luftschutztruppenschule. 1981 beendete Oberst Selinger seine Karriere als Abteilungsleiter im Heeres-Materialamt und lebte bis zu seinem Tode 31.01.2011 in Hornstein. Von 320 österreichischen und 3 burgenländischen Ritterkreuzträgern schaffte er als einziger den Sprung vom Feldwebel zum Oberst.


Erste Anzeichen des Kriegsendes

Die ersten Gefallenen wurden noch in die Heimat überführt und auch hier beerdigt, wie Johann Hickl, Josef Schmitl und Franz Pinzolitsch. Die Begräbnisfeierlichkeiten wurden propagandistisch missbraucht, um den Kriegswillen der Bevölkerung aufrecht zu erhalten.
Als ab 1943 die Zahl der Gefallenen sprunghaft anstieg und sich auch die wirtschaftliche Situation in der Heimat spürbar verschlechterte, glaubten nur mehr wenige an den versprochenen Endsieg. Die Heldenehrungen vor dem Kriegerdenkmal nahmen ab, um von den steigenden Zahlen abzulenken.
Am 18. Oktober 1944 kam es zur Mobilisierung des Volkssturms. Alle Männer über 60 versammelten sich vor dem Gasthaus Kruesz. Hier kam es zu einer offenen Revolte gegen die Kriegsführung Hitlers. Ortsvolkssturmkommandant Karl Schuster in der Uniform eines Volkssturmmannes wurde dabei von einem Zivilisten zu Boden geworfen, dürfte aber diesen Vorfall nicht weiter gemeldet haben, da keiner der rebellierenden Männer zur Anzeige gebracht wurde. Mit Pferdewagen wurden die Männer zunächst nach Eisenstadt, anschließend in die Nähe des Südostwalles bei Gols oder nach St. Margarethen gebracht.
Am 19. Oktober 1944 wurden 100 Flüchtlinge aus Bessarabien und der Dobrudscha in der Volksschule und in der Meierhofscheune von Bürgermeister Franz Payrich und Ortsgruppenleiter Karl Sauer betreut, ehe sie am 22. Oktober nach Ebenfurth weiterzogen.
Bei der Feldkreisjagd am 7. Dezember war der Volksschauspieler Hans Moser einer der Jagdgäste und verbrachte am Abend auch etwa 2 Stunden im Dorfgasthaus August Kruesz bei einem saftigen Hasengulasch, das natürlich ohne Lebensmittelmarken verabreicht wurde. Am 25. Dezember 1944 fand im Saal des Gemeindekindergartens ein Bunter Abend der Kleinkunstbühne Sonnenberg statt. Diese Kleinkunstbühne bestand aus musischen Soldaten und Luftwaffenhelferinnen der Stellung Selma.
 

Im Jänner 1945 gab es bei der Neufelder Kreuzung so starke Schneeverwehungen, dass der Reichspostautobus nach Eisenstadt umkehren musste. Der 100. Fliegeralarm erfolgte am 4. März 1945.
Am 5. März wurde vom Revierjäger Klamm und seinen 2 Adjunkten ein russischer Kriegsgefangener auf dem Minibachberg gestellt, der von einem Transport von Ungarn nach Wien geflohen war. Er wurde von der Gendarmerie abgeführt.
Ab dem 25. März mussten Frauen, Mädchen und Burschen Schanzarbeiten am Südrand des Dorfes leisten. Im Kurial und bei der Apotheke wurden Panzersperren errichtet, jedoch nicht geschlossen.
Am 28. März 1945 wurde die Volksschule zu einem Feldlazarett umgestaltet. Bereits am Abend wurden verwundete Soldaten aus den Kampfgebieten in Ungarn eingeliefert. Ein Klassenraum am ersten Stock wurde für den Volkssturm geräumt, der von hier aus vom Volkssturmkommandanten Oberlehrer Karl Schuster zu Einsätzen kommandiert wurden. Später wurde die Volkssturmwachstube im Nebenzimmer des Gendarmeriepostens im Haus Nr. 7 des Markus Bauer eingerichtet.

Der 120. Fliegeralarm wurde am 29. März ausgelöst. Um etwa 22:30 Uhr wurde bei einem Bombenangriff russischer Iljuschin Kampfbomber auf deutsche Truppenansammlungen oberhalb der Pfarrkirche die 45-jährige Maria Palkovits durch Splitter getötet, einige deutsche Soldaten wurden verwundet. Etwa 65 Splitterbomben wurden abgeworfen.
Der 121. Fliegeralarm erfolgte am 30. März. Russische Flugzeuge beschossen Kolonnen der Deutschen Wehrmacht bei der Neufelder Kreuzung und Flüchtlingstrecks beim Hartlwald mit Bordwaffen.
Den vorletzten Fliegeralarm gab es am Karsamstag, dem 31. März, den letzten und 123. Alarm am selben Tag von 12:00 bis 13:43 Uhr. Dies war das letzte Mal, dass der Ortsluftschutzwart Rudolf Zeichmann die kleine Handsirene auf dem Dreifuß bediente.
Der Stab Stockhausen hatte Hornstein schon vor einigen Tagen verlassen, ebenso die Luftwaffenhelferinnen. Der Stab Versorgungsabschnitt Leitha setzte sich nach Westen ab, ebenso die Mannschaft der Stellung Selma. Bürgermeister, Ortsgruppenleiter und Volkssturmkommandant hielten sich im Rathaus in Bereitschaft. Im Kurial bezogen SS-Einheiten vom Plattensee Quartier. Die Bevölkerung Hornsteins versteckte Hab und Gut oder brachte es bei Verwandten abseits der Durchzugsstraße in Sicherheit.


Der Einmarsch der Russen

Am Ostersonntag, dem 1. April 1945, gegen 2 Uhr früh zog der Stab der deutschen Ortskommandantur, der im Haus Nr. 109 des Josef Scheck im Siget untergebracht war, ab. Gegen 9 Uhr verließen die SS-Einheiten ihre Quartiere im Kurial. Gegen 9:30 sprengte die Nachhut der Besatzung der Station die Stellung Selma. Um 12 Uhr bezog bei der Neufelder Kreuzung eine deutsche Heeresflak 8.8. cm Stellung, um die Sowjetpanzer unter direkten Beschuss zu nehmen. Um 15 Uhr eröffnete eine Granatwerferbatterie auf den Sandäckern das Feuer.
Am Ostersonntag, dem 1. April 1945, gegen 2 Uhr früh zog der Stab der deutschen Ortskommandantur, der im Haus Nr. 109 des Josef Scheck im Siget untergebracht war, ab. Gegen 9 Uhr verließen die SS-Einheiten ihre Quartiere im Kurial. Gegen 9:30 sprengte die Nachhut der Besatzung der Station die Stellung Selma. Um 12 Uhr bezog bei der Neufelder Kreuzung eine deutsche Heeresflak 8.8. cm Stellung, um die Sowjetpanzer unter direkten Beschuss zu nehmen. Um 15 Uhr eröffnete eine Granatwerferbatterie auf den Sandäckern das Feuer. Um 18:30 erreichten die russischen T 34 die Kreuzung, ein Panzer wurde vernichtet, aber auch ein deutsches Sturmgeschütz erhielt einen Volltreffer. Ein zweites Sturmgeschütz entging dem Direktbeschuss, die Besatzung flüchtete querfeldein in Richtung Schanz, vernichtete den Sturmpanzer und fuhr auf Fahrrädern Richtung Wien. Hinter dem Haus Nr. 253 in der Mühlgasse wurde ein leichtes Flakgeschütz 6.5 cm aufgegeben und vernichtet. In dieser Nacht gingen die Häuser Zsulits Nr. 243, Grießler Nr. 291 und Meth Nr. 248 in Flammen auf; auch das Haus Matkovits Nr. 335 in der Schneckengasse brannte nach einem Granattreffer ab. Neben einigen Häusern an der Durchzugsstraße bekam auch der Kirchturm drei Granattreffer ab, wohl weil die Russen einen deutschen Beobachter im Turm vermuteten.
Um etwa 20 Uhr erreichte die T 34 Kolonne die Ortstafel, ein Soldat leuchtete mit seiner Taschenlampe nach dem Ortsnamen. Auf Höhe des Hauses Stefanits Nr. 376 im Kurial wurden die Russen von 3 Hornsteinern mit weißen Fahnen erwartet. Die Rotarmisten befahlen den Männern aufzusteigen, und mit ihnen auf dem Geschützrohr passierte der erste Panzer die offene Panzersperre. In Höhe des Hauses Mattias Tasch Nr. 315 durften die 3 Männer absteigen, und die Panzer setzten ihre Fahrt bis zur heutigen Seegasse fort.
Vor dem Haus des Michael Pichler Nr. 390 stoppte der Führungspanzer, die Mannschaft stieg aus und begab sich ins Haus. Unter ihnen war der Kommandant des 1. mechanischen Korps der IV. Sowjetischen Gardearmee der 3. Ukrainischen Heeresgruppe, Hauptmann Nikolai Zacharov. Beim von den Russen mitgebrachten Abendessen versuchten die Soldaten, auf einer cyrillisch beschrifteten Landkarte ihren genauen Standort festzustellen und mehr über den Ort Wimpassing zu erfahren. Gegen 21 Uhr fuhr die Kolonne weiter in Richtung Wimpassing.
Da die Deutschen alle Leithabrücken gesprengt hatten und sich hier ihr Widerstand etwas versteifte, stockte der Vormarsch der Roten Armee mehrere Tage. Gegen die massierten russischen Truppen in Hornstein flogen deutsche Kampfflieger in den folgenden Tagen mehrere Einsätze und fügten den Sowjets noch einige Verluste zu. Doch zeigt die Zahl der im Hornsteiner Bereich gefallenen Soldaten, 9 Russen (später wurden noch 4 Mann aus unbekannten Ursachen von ihren eigenen Leuten erschossen) und 5 Deutsche, von den an und für sich geringen Kampfhandlungen um das Dorf. Umso grauenvoller waren die folgenden Tage voll Plünderungen und Vergewaltigungen. Insgesamt 12 Ortsbewohner, darunter hochrangige NSDAP-Funktionäre, begingen aus Verzweiflung oder aus Angst vor Racheakten Selbstmord.