Pfarr- und Kirchengeschichte

König Stephan der Heilige

Man kann davon ausgehen, dass nach dem Einbruch der Magyaren in Pannonien um 890 - sie kommen aus der Gegend zwischen Ural und Wolga - auch die wenigen bestehenden Kirchengebäude dieser Region gänzlich zerstört sind. Der Neubeginn, Pfarren und Gotteshäuser hier im ländlichen Gebiet zu errichten, kommt erst mit König Stephan dem Heiligen. Er verfügt 1010 in einem Dekret: „Je 10 Ortschaften haben eine Kirche zu bauen, die mit 2 Mansen (Bauernwirtschaften) und zwei Sklavenfamilien sowie mit einem Pferd, einem Lasttier, sechs Ochsen, zwei Kühen und 30 Stück Kleinvieh ausgestattet wird. Der König wird für die kirchlichen Gewänder und Geräte sorgen, der Bischof für die Bücher und die Beistellung eines Priesters.“ Beim Kirchenbau und bei der Erhaltung müsse der mit dem Patronatsrecht ausgestattete Grundherr mithelfen, ebenso das Kirchenvolk, welches zusätzlich noch zur Robotleistung für Pfarre und Pfarrer verpflichtet sei.

Teil einer Stephanspfarre

Eine solche „Stephanspfarre“ soll im 11.Jahrhundert auch in Leithaprodersdorf entstanden sein. Schon bald nach dem Bau der Burg in Hornstein im Jahre 1340 wird eine Tochterpfarre gegründet und von der Leithaprodersdorfer Pfarre ab 1362 betreut. Nach Aufzeichnungen von Adolf Mohl, der wieder aus den alten Chroniken schöpft, ist schon im Jahre 1363 in der Nähe der Burg eine Annakirche gestanden. In einem Visitationsbericht des Jahres 1557 ist in Hornstein von einer Anna-Zeche die Rede. Dies lässt den Schluss zu, dass diese erste Kirche am Berghang der Burg von Beginn an der hl. Anna geweiht ist.
Beim ersten Türkeneinfall 1529 wird mit dem Ort wahrscheinlich auch die Kirche geplündert. Möglicherweise auch das Geläut. Das etwa 70 kg schwere Zügenglöcklein, welches heute noch in Verwendung steht, dürfte aller Wahrscheinlichkeit noch aus dieser ersten Pfarrkirche stammen (Die Dorfkapelle wird erst 1599 erstmals erwähnt). Es trägt die Jahreszahl 1535 und die Aufschrift: AVE MARIA, GRATIA PLENA MDXXXV.

Pfarrer und Bauer

Nach der Kanonischen Visitation von 1544 lebt hier ein Pfarrer namens Nuerschi (Gregor Nierschicz) in einem Bauernhaus und hat für den lutherischen Grundherrn Moritz von Fürst ebenso wie die anderen Untertanen zu roboten. Die nach Mohl unter dem Grundherrn Moritz von Fürst um 1536 in Hornstein neu angesiedelten Kroaten lehnen jedoch die „deutsche Lehre“ Luthers ab und behindern deren Verbreitung. Die mit ihnen gekommenen Priester feiern die Gottesdienste nach slawischem Ritus (Gebetbücher sind in zyrillischer Schrift verfasst). Da mit Hans Konrad Fürst das Geschlecht ausstirbt und 1561 Leonhard Püchler von Weitenegg, ein Katholik, die Herrschaft übernimmt, kann sich der Protestantismus in Hornstein nicht entfalten. Es wird aber untersagt, die Gottesdienste in kroatischer Sprache und nach altem Brauch zu abzuhalten. Kaiser Maximilian II. entsendet 1569 Kommissare nach Eisenstadt. Diese heben das Verbot jedoch nicht auf, weil sie dafür nicht legitmiert sind. Von den damals 64 Häusern in Hornstein sind 46 von Kroaten bewohnt.
Im Todesjahr Leonhard Püchlers (1567) tritt Mathias Gaplitsch (Kaplicz) sein Amt als Pfarrer an. Er nimmt 1579 an der Diözesansynode in Steinamanger teil. Im Visitationspapier 1597 ist festgehalten: Mit Pfarrer Gaplitsch sind die Pfarrkinder zufrieden. Er besitzt 16 Joch Grund und erhält von den 60 bestifteten Häusern je einen Metzen Korn, Hafer und Gerste, zu Ostern von jedem Haus je einen Laib Käse, am Dreikönigstag ein Beugel und Wurst, zu Allerheiligen einen „Pogatschon", außerdem von jedem Lehenshaus jährlich ein „Fuder Holz". Ferner hat er einen Weingarten im Ausmaß von 8 Tagewerk. Die Anna-Zeche besitzt 5 Joch Grund, 7 Weingärten, 3 vergoldete Kelche und 10 Messkleider.

Kapelle als Schüttkasten

Wegen der Bestellung eines Nachfolgers für Gaplitsch, der 32 Jahre im Ort gewirkt hat, kommt es zwischen den Hornsteiner Kroaten und Georg Gabelhofer, dem Verwalter des Grundherrn Ruprecht von Stotzingen, zu gröberen Auseinandersetzungen. Entgegen dem kaiserlichen Befehl, dass auch in kroatischen Gemeinden neue Pfarrer nur auf Vorschlag des Grundherrn eingesetzt werden dürfen, setzt die Gemeinde auf Grund alter Befugnisse Johann Laurakowitz als Pfarrer ein. Der Verwalter verbietet anfänglich den Bewohnern, Messen und Predigten des neuen Pfarrers zu besuchen und nimmt ihm sogar den Kirchenschlüssel ab. Er rechtfertigt sich 1599 in einem Brief an Erzherzog Matthias, dies auf Befehl des Grundherrn veranlasst zu haben. In die Kapelle, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, habe nicht er Hirschprein aufschütten lassen, sondern das Getreide bereits im Gotteshaus vorgefunden und mittlerweile bis auf wenig Metzen entfernt. Der Verwalter beschuldigt allerdings Pfarrer Laurakowitz, der vorher in Siegendorf amtiert hat, ein Messgewand zerschnitten, einen Kelch entheiligt und bei einem Juden in Eisenstadt versetzt zu haben. Zudem habe dieser sich einen „pallasch“ (Säbel) umgehängt und sei mit einem „geyger“ im Markt auf und ab spaziert, wobei er verlautet hat, auf sein Kirchenamt zu bestehen. Obgleich sich Grundherr von Stotzingen und Erzherzog Friedrich gegen Laurakowitz aussprechen, behauptet er seine Stelle als Pfarrer.
Nach Berichten aus dem Hofkammerarchiv besteht auf dem Josephberg eine Josephikapelle. Sie dient anfangs den dort stationierten Söldnern. Später kommen am Josephitag Pro-zessionen mit Pilgern aus Eisenstadt, Großhöflein, Müllendorf, Stinkenbrunn, Ebenfurth und Pottendorf. Diese Kapelle soll unter dem Freiherrn von Stotzingen um 1625 geweiht worden sein.

Annakirche und Dorfkapelle

Die ersten ausführlichen Beschreibungen über die Annakirche und die von Gabelhofer 1599 erstmals erwähnte Dorfkapelle erhalten wir aus den kanonischen Visitationen des 17. Jh.s.
Die Visitation 1641 findet Martin Widovich (Vidovics) als Pfarrer von Hornstein vor. Die Studien hat der Kroate in Wien und Graz absolviert. Seine Lebensgefährtin, Mutter eines 7- oder 8-jährigen Buben, ist während des Aufenthaltes der Visitatoren mit Kind und Hausrat ausgezogen. Für eine Taufe erhält der Pfarrer 6 Kreuzer, für eine Eheschließung 3, für ein Begräbnis ohne Ansprache mit Einsegnung 60 Denare, mit Ansprache 1 Gulden.
Genaueres ist in diesem Bericht über die Pfarrkirche im Friedhof, die der hl. Anna geweiht ist, zu erfahren. Sie ist mit Schindeln gedeckt. Über dem Altarraum (Sanktuarium) befindet sich ein Gewölbe, während der übrige Teil des Baukörpers mit einer Holzdecke versehen ist. Statt eines Turmes überragt das Sanktuarium eine Mauer, in der zwei Glocken hängen. Den Hauptaltar schmücken Bilder der Gottesmutter Maria und der hl. Anna. Ein zweiter Altar mit Auferstehungsbild und ein dritter mit einem Tafelbild der Krönung Marias werden angeführt. Für das Sakrament steht eine Mauernische mit Eisengitter zur Verfügung, doch wird das Allerheiligste in der bereits erwähnten Dorfkapelle aufbewahrt. Diese könnte errichtet worden sein, weil die Kirche vom Ortszentrum zu weit entfernt ist. Im Vorraum des Sanktuariums befindet sich eine hölzerne Säule, darauf eine vergoldete Marienstatue. Diese Mariensäule stellt eine lokale Besonderheit in unserem engeren Kulturraum, dar. Wir finden diese Art der Aufstellung inmitten des Gotteshauses auch in Müllendorf, Schützen und Trausdorf. Diese Säulen müssen bald nach der großen Rekatholisierungsaktion von 1638 in größerem Ausmaß in der Region errichtet worden sein.

Genau zehn Jahre später 1651 visitieren der Domherr von Raab Johann Magnouith und der Ödenburger Vizearchidiakon Cornelius Erelmon die Pfarre Hornstein. Sie berichten, dass an die Kirche nun eine Sakristei angebaut ist. Weiters finden sie Kanzel und Chor aus Holz vor. Das Kirchweihfest werde am Ostermontag begangen. Sie erwähnen ebenso, dass sich im Friedhof, welcher mit einer Mauer eingefasst ist, ein Karner (Beinhaus) befindet. Die drei Altäre der Annakirche seien nicht konsekriert. Gottesdienste werden laut Bericht außer an Festtagen nicht mehr in der Annakirche abgehalten, sondern in der Kapelle der seligen Jungfrau Maria inmitten des Ortes. Noch ist diese nicht konsekriert. Der Raum reicht für hl. Messen und Andachten. Der Kirchenraum trägt zur Gänze ein Gewölbe. Unter dem kleinen Turm mit zwei Glocken und einer Uhr auf der Epistelseite ist eine Sakristei untergebracht. Das Pfarrvermögen ist ansehnlich: 200 Gulden Außenstände bei diversen Schuldnern, 15 Behälter Wein sind gelagert und neun Weingärten werden bewirtschaftet. Der noch nicht fertige Neubau des Pfarrhofes hat zwei Trakte, einen gewölbten Keller, eine Unterkunft für den Kellermeister, Stall, Speicher und Garten.
Über den genauen Standort der Kapelle findet sich im Visitationsbericht 1663 ein Hinweis. Diese sei auf einem Keller errichtet (supra cellam) worden – damit kann wohl nur der 1952 abgerissene Pfarrkeller am heutigen Kirchenplatz gemeint sein. Über Pfarrer Martin Widovics beschweren sich Gläubige bei dieser Visitation: Er ist schlampig und die Paramente sind verschmutzt.

1671 wird Georg Stipschitz, ein Kroate aus Landegg/Niederösterreich, vorher Pfarrer in Müllendorf, Seelsorger in Hornstein. Ihm wird der 16. Teil des Zehents nicht gegeben, wie dies fast in allen Pfarren der Raaber Diözese der Fall ist. Dies hängt mit dem laufenden Zehentstreit zwischen Herrschaft und Diözese zusammen. Rupert von Stotzingen behauptet 1570, dass auch seine Vorgänger, die Püchler, dem Raaber Bischof keinen Zehent abgeliefert haben. Sie hätten den Zehent lediglich als Geschenk betrachtet, ohne jede Verpflichtung, denselben dem Bischof auszufolgen. Dieser Streit hat bereits unter Konrad Fürst 1555/56 begonnen, wird zwar 1638 durch einen Vergleich geschlichtet. Dennoch bekommt der Pfarrer erst am 16. Oktober 1671 den Zehentanteil, den ihm nun Patronatsherr Nadasdy zuspricht. Zusätzlich erhält er das Weinschenkrecht zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten sowie die Holzbeistellung in natura.
Drei Jahre später folgt ihm der 32 jährige Kroate Martin Hitzinger als Pfarrer nach. Ihn loben zwar die Hornsteiner bei der Visitation 1674, kritisieren allerdings, dass er in der Winterzeit im Pfarrhaus tauft, obwohl in der sehr nahe gelegenen Kapelle ein Taufbrunnen vorhanden ist. Der Visitator fordert außerdem Pfarrer Hitzinger auf, die junge Köchin vom Pfarrhof zu entfernen. Den guten Rat dürfte dieser jedoch nicht befolgt haben, da er während der Visitation 1680 eine „verdächtige Weibsperson“ vom Pfarrhof wegschickt. Mit Ortspfarrer Martin Hitzinger – er kommt auch unter dem Namen Martin Vrucskovicz vor: das kroatische Wort vrućina heißt nämlich Hitze, was die Namensänderung des Kroaten erklären könnte – beginnen 1684 die ersten Taufeintragungen in einem Matrikenbuch von Neugeborenen aus Hornstein, aber auch aus Neufeld.

Filialpfarre Neufeld

In diese Zeit fällt auch die Entstehung der katholischen Pfarre in Neufeld. Grundherr Graf Franz III. Nadasdy konvertiert vom Protestantismus zum Katholizismus. Er ist mit der Tochter des Palatins Paul Esterhazy, Julia, vermählt und treibt selbst die Gegenreformation voran. Im Kleinkastell Neufeld befindet sich eine St.Rochus-Kapelle. Hornsteiner Geistliche übernehmen von den dort niedergelassenen mit der Mission betrauten Minoriten nach und nach die seelsorgerische Betreuung und feiern dort und ab 1674 in der über der jüdischen Synagoge errichteten Kirche mit den Gläubigen die Gottesdienste. Im Protokoll der Kanonischen Visitation von 1680 steht über die Michaelskirche, es sei aus einem Götzenhaus ein Haus des Herrn gemacht worden (ex domo Belial facta domus Domini). Die beiden Glocken für den Kirchturm übergibt der kaiserliche Verwalter Christoph Seiwiz der Filialpfarre. Sie stammen von der Josephikapelle auf dem Hornsteiner Burgberg, weil für deren Renovierung infolge des Baues der Wallfahrtskirche in Loretto ohnedies kein Geld da ist. 1679 wird Andreas Posch aus Mattersburg zum Vikar in Neufeld bestellt. 1715 wird Neufeld selbständige Pfarre und Vikar Mathias Kausicz erster Pfarrer.
Weil Grundherr Nadasdy in Loretto eine große Wallfahrtskirche bauen lässt, verfällt die Josephikapelle auf Hornsteins Burgberg immer mehr und gleicht nach den Berichten der Kommission von 1676 einer Ruine. Nachdem aber die Herstellungskosten sich auf etwa 600 bis 800 Gulden belaufen, und zudem der Verwalter Seiwiz die Glocken dem neuen Gotteshaus in Neufeld gespendet hat, schlägt die Kommission vor, die Kapelle im Dorf zu restaurieren und dort eine Josephikapelle anzubauen. Der Kaiser hat zwar zur Renovierung der Josephikapelle 300 Gulden zugesagt, doch unterbleibt die Zahlung, da inzwischen die Herrschaft Hornstein nach der Enthauptung des Grafen Nadasdy wegen Hochverrats an die Grafen Windischgrätz verpfändet wird.

Türken und Kuruzzen

Im Sommer 1683 brechen die Türken ins Land ein. Die Pfarrkirche zur hl. Anna und die Kapelle im Dorf fallen den Brandschatzungen zum Opfer. Es heißt im Visitationsbericht von 1685, die alte Pfarrkirche sei ausgebrannt, die Altäre seien verfallen und das Gewölbe drohe über den Menschen, die unter Lebensgefahr ihre Gottesdienste dort abhalten, täglich einzustürzen. Pfarrer Martin Hitzinger (1671-1696) muss sich sogar die Kirchenparamente von der Filialgemeinde Neufeld entlehnen. Das Zügenglöcklein von 1535 kann damals gerettet werden, man hat es wahrscheinlich in einem Brunnenschacht versteckt.
Die Kapelle im Dorf wird ebenso gänzlich zerstört. Es können keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Die beiden Glocken verpfändet Pfarrer Hitzinger einem Kaufmann in Ebenfurth, namens Leopold, der vom jüdischen zum christlichen Glauben konvertiert ist, für 50 Gulden. 1685 beklagt sich der Pfarrer auch, dass er von der Gemeinde keine Gebühren bekommt, was wohl der Verarmung der Bevölkerung zuzuschreiben ist.
1686 bittet der Pfarrer um Bereitstellung der versprochenen 300 Gulden für den Wiederaufbau der Kirche und im gleichen Jahre sucht der Zechmeister der Marienzeche von Hornstein um Unterstützung für die Renovierung des Gotteshauses zu Ehren Mariä Empfängnis.
Tatsächlich sind 1696 Annakirche und Dorfkapelle neu errichtet. In der Friedhofskirche dürfte zwar keine Josefikapelle angebaut worden sein. Einer der beiden Seitenaltäre ist allerdings mit einem Bild des hl. Joseph versehen. Möglicherweise stammt es aus der Burgkapelle. Da wieder ein Turm fehlt, dürften die zwei angeführten Glocken wieder in einer Mauer hängen. Die neuerbaute Dorfkapelle ist wahrscheinlich größer und besser ausgestattet. In ihrem Türmchen befinden sich ein Uhrwerk und eine Glocke.

Heimsuchung durch die Pest

Kaum dass man sich vom Türkeneinfall erholt hat, wird Hornstein über sechs Jahre ein Opfer des Aufstandes ungarischer Magnaten, den sogenannten Kuruzzen, gegen den Kaiser. Eigentlich hat der Ort sogar mehr unter den kaiserlichen Truppen des General Heister, die zur Niederwerfung der Rebellion eingesetzt sind, zu leiden. Diese beschlagnahmen, was ihnen so passt. Am 13. März 1704 fallen Heisters Soldaten in Hornstein ein, plündern das Volk aus und misshandeln Pfarrer Georg Grubich, da er sich für die Pfarrkinder einsetzt. Als letzte Heimsuchung dieser Katastrophenjahre der Ortsbewohner folgt 1713 noch dazu die Pest. Es gibt 31 Seuchentote zu beklagen. Sie sind im Totenbuch der Pfarre namentlich angeführt.
Nach Erlöschen der Seuche wird in Loretto ein den Pestheiligen geweihter Seitenaltar (1714) errichtet, der für Hornstein insoferne von Interesse ist, als auf dem Altarbild neben der Kirche und dem Kloster von Loretto auch die Ruine der Burg Hornstein mit der St.-Annen-Kirche dargestellt ist.

Marienstatue wieder Willen

Die kanonische Visitation von 1713 berichtet: „Die Kirche ist der hl. Anna geweiht, das Patrozinium (Kirtag) wird am Annatag mit Prozessionen aus der Nachbarschaft gefeiert. Es gibt vier Glocken." Gegen den Willen des mittlerweile verstorbenen Pfarrers Grubich sei ferner vor dem Sanktuarium eine steinerne Marienstatue aufgestellt worden, die wegen ihrer Größe den Blick auf Altar und Zelebranten stört. Hingegen wird auf die „untere Kapelle“, die dem hl. Martinus geweiht und mit Glocken und Paramenten ausgestattet ist, hingewiesen. Da sowohl eine Martinsreliquie als auch eine dem Hl. Martin geweihte Glocke angeführt sind, scheint die neu errichtete Dorfkapelle nicht mehr der Gottesmutter Maria geweiht zu sein.
Im Gegensatz zu 1597 besitzt die Pfarre 1713 nur mehr 3 Joch Grund und 5 Weingärten. Der Pfarrer hat wie jeder Bauer eine halbe Session mit 18 Joch Grund und 4 Joch Wiesen. Die Leistungen an Käse, Beugel, Wurst usw. sind gleichgeblieben. Die Zahl der Gläubigen beträgt insgesamt 1112, hievon 712 Erwachsene. Der Rest sind Kinder. Um diese Zeit dürfte die Vereinbarung getroffen worden sein, dass der Pfarrer jeden Samstag eine hl.Messe für die lebenden und verstorbenen Mitglieder der Familie Esterhazy – den Grundherren ab 1703 - zu lesen hat, wofür er 5¼ Eimer Wein und zusätzlich 3 Halbe Wein erhält.

Bau einer neuen Pfarrkirche

Im Herbst 1779 ist die Dachgleiche erreicht und 1782 wird über dem Westportal der Schlussstein gesetzt. Nun folgt die Ausstattung der neuen Kirche. Und die geht mühsam vor sich. Die Kirchenkasse ist leer. Patronatsherr Esterházy richtet sein Hauptinteresse auf Loretto. Nur vereinzelt tröpfelt es Spendengelder für Altäre und Ornate. 1794 wird die neue Orgel gebaut. Auf die alte Orgel werden 365 Gulden aufgezahlt. Vier Jahre später wird die Pfarrkirche ausgemalt, Altar und Kanzel werden vergoldet. 1803 hält man die Ausstattung der neuen Annakirche für eine feierliche Kirchenweihe ansehnlich genug (Der Kreuzweg wird erst 1869 geweiht und die Deckenbilder folgen überhaupt erst im Jahr 1929). Konsekriert wird die Kirche erst am 12. September 1803 von Weihbischof und Großpropst Josef Pierer de Hodos unter Pfarrer Vitus Fister. 1818 ersucht der Pfarrer den Patronatsherrn um einen neuen Pfarrhof, da der alte gesundheitsschädlich sei, die Decken einzustürzen drohen und in ihm die Mäuse und Ratten frei herumlaufen. Ob Abhilfe geschaffen worden ist, ist unbekannt.

Kirchenweihe mit Verzögerung

Über das weitere Schicksal der beiden Gotteshäuser bis zum Bau der heutigen Pfarrkirche bestehen noch große Lücken. Die Annakirche am Fuße des Schlossberges muss noch in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in Verwendung gewesen sein, denn wir wissen, dass die 1734 gepflanzte Lindenallee auch zur Annakirche führt. Das pfarrliche Geschehen wickelt sich jedoch großteils in der Kapelle im Dorf ab.
1774 wendet sich die Gemeinde an Patronatsherrn Nikolaus Esterhazy, sowohl eine Vergrößerung der Kapelle im Ort als auch die Renovierung ihres Turmes zu genehmigen. Die Glocken seien bereits aus Sicherheitsgründen vom Turm entfernt worden. Sie bittet, Geld und Baumaterial zur Verfügung zu stellen. Der Grundherr beauftragt den Verwalter der Herrschaft Hornstein, Jakob Glatz, die Sache in die Hand zu nehmen.
Der erste Entwurf des fürstlichen Baumeisters Joseph Ringer sieht vor, das erst 35 Jahre alte Sanktuarium baulich zu belassen und lediglich das übrige Kirchenschiff abzureißen und mit einem Turm neu zu errichten.
Dieser Plan befriedigt nicht. Zudem würde sich die Feuergefahr durch den geringeren Abstand zur Häuserzeile erhöhen. Glatz kommt mit dem Vorschlag, die Kirche auf dem Platz der Salniterhütten (Reitschule) zu errichten, nicht durch. Man entschließt sich zum Neubau entlang des rechten Bachufers gleich hinter der Dorfkapelle, dem Wunsch der Hornsteiner auch entsprechend.
Die Grundsteinlegung für die neue Kirche findet am 20. März 1776 statt. Im April 1777 werden die Grundfesten ausgehoben. Mit dem Abbruch der Friedhofskirche hat man bereits im Mai 1776 begonnen. Die dort gewonnenen Steine so wie jene der Ortskapelle sollten beim Neubau Verwendung finden.
An den Kosten beteiligen sich Patronatsherr Esterházy mit 2.400 Gulden, Bauholz und Mauerziegeln und die Gemeinde mit 2.709 Gulden aus der Marktkasse. Die Dorfpfarre steuert 1.324 Gulden bei, wobei der Großteil aus dem Verkaufserlös von Grundstücken stammt. Die Ortsbewohner verrichten alle Fuhr- und Handlangerdienste kostenlos. Die Mauersteine werden aus Loretto bezogen.

Mit Kaspar Glavanich erhält Hornstein 1868 eine kulturell herausragende Persönlichkeit als Pfarrer. Er ist ein Erneuerer und Reformer der kroatischen Sprache. Ein für die westungarischen Kroaten zeitgemäßes Gebetbuch bleibt leider unveröffentlicht. Von ihm stammen auch 13 Kirchenlieder. Er verstirbt jung (39jährig) als Opfer seiner Jagdleidenschaft.
1821 wäre die Pfarrkirche bei einem Großbrand beinahe in Flammen gestanden. Schulmeister Matthias Szinovatz verhindert mit einigen Ortsbewohnern das Ärgste. Chorgewölbe und Turm sind bereits angegriffen. Das Feuer legt die Häuser Nr.33 bis Nr.85 in Asche.

Jahre des Kulturkampfs

Erst 1874 wird unter Pfarrer Matthias Pavitsich der Pfarrhof teilweise restauriert, teilweise neu gebaut. 1902 wird die Kirche renoviert und innen wahrscheinlich mit blauer Farbe ausgemalt. Pavitsich hebt in Hornstein die Christliche Volkspartei aus der Taufe und errichtet einen Pfarrkindergarten.
Pfarrer Johann Thüringer und Gemeindenotär György Eördögh sind es, die voll stolz beim Abliefern der Kirchenglocken im Herbst 1916 vor der Fotokamera posieren, als diese im Ersten Weltkrieg für die Waffenherstellung weggeschafft und eingeschmolzen werden. Unter Pfarrer Thüringer kommt es in den Jahren nach der Geburtsstunde des Burgenlandes 1921 zu Auseinandersetzungen zwischen dem sozialistischen Bürgermeister Anton Probst und dem politisch engagierten Pfarrherrn. Der Kulturkampf zwischen beiden wird öffentlich und sogar über die Zeitungen ausgetragen. Dieser setzt sich in den Folgejahren zwischen der roten Gemeindevertretung und den Repräsentanten der konfessionellen Schule, die im Schulstuhl das Sagen haben, fort.
Unter Pfarrer Franz Fixl startet 1929 eine gründliche Überholung der Pfarrkirche. Er bringt durch Sammlungen und den Erlös von Theatervorstellungen der Hornsteiner Schuljugend 20.000 S zusammen. Er schafft zwei kleinere und zwei große Kirchenfenster an. Das Kircheninnere wird ausgemalt und Wandgemälde (Secci) mit den vier Evangelisten, zwei Bibelszenen und ein weißbärtiger Gottvater über dem Altarbild sollten die relativ schmucklose Kirche verschönern.

Kriegsjahre und Neubeginn

Harte Zeiten hat dann Pfarrer Géza Horvath ab 1941 in der Nazizeit durchzustehen. In den Kriegsjahren werden die Turmglocken wie 25 Jahre davor für die Rüstungsindustrie requiriert. Diesmal jedoch mit dem Zügenglöcklein. 1946 lässt Pfarrer Horvath die Schäden aus den Granateinschüssen in der Pfarrkirche beheben. Das alte Zügenglöcklein aus 1535 übersteht auch den Zweiten Weltkrieg. Es wird im Wiener „Glockenfriedhof“ entdeckt und mit der vom Gastwirt Franz Bauer gestifteten „Heimkehrerglocke“ 1947 in einer Prozession durch den Ort gefahren und seinem Zweck als Sterbeglocke wieder zugeführt.
Unter Amon Strommer (1956 bis 1961 Pfarrer in Hornstein) wird das Kirchendach repariert und neu gedeckt. Der Errichtung eines neuen Pfarrhofes muss nun der alte „Kaplantrakt“ weichen. Auch der Keller darunter, der im Krieg als Schutzraum bei Bombenangriffen gedient hat, wird zugeschüttet. Ihm folgt Josef Perusich nach.
Eine gründliche Außen- und Innenrenovierung der Kirche wird schließlich unter Pfarrer Karl Gregorich im Zeitraum von 1964 bis 1967 durchgeführt. Er unterstützt die 700-Jahr-Feier der Gemeinde, setzt sich für den Ausbau des Industriegebietes tatkräftig ein und wird für seine Verdienste um die Gemeinde auch als Ehrenbürger ausgezeichnet.
Nach Langzeitpfarrer Gregorich (1963 bis 1995) bekommt die Pfarre mit dem 32jährigen Valentin Zsifkovits einen jungen und dynamischen Seelsorger. Diesem gelingt nach der aufwendigen Orgelrestaurierung ein großer Wurf mit dem Bau eines großzügig konzipierten Pfarrheimes. Dieses ist mittlerweile zum geistigen, kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungszentrum in Hornstein geworden. Seinen weiteren Plänen, das Gotteshaus außen zu restaurieren, macht der neue Bischof Ägidius Zsifkovics einen Strich durch die Rechnung. Trotz erheblichen Widerstands versetzt der Bischof den beliebten Ortspfarrer nach Kittsee. Die Hornsteiner reagieren mit 91 Kirchenaustritten.
Am 4. September 2011 übernimmt der gebürtige Siegendorfer Stefan Raimann die Pfarre und wird ein Jahr später zusätzlich mit der geistlichen Betreuung von Neufeld und Wimpassing beauftragt. Er bringt die Kirchenrenovierung trotz Schwierigkeiten auf Schiene.