Nachkriegszeit

Übergriffe der Sieger

Noch am Abend des Ostersonntags, gegen 23 Uhr, begannen die Russen mit Plünderungen und Vergewaltigungen, nachdem sie sich betrunken hatten. Viele Frauen versteckten sich in Kammern, auch Dachböden, Schüttböden und in Scheunen. Andere zogen sich gewollt abgerissen an, um als alt angesehen zu werden. Andere schmierten sich Marmelade ins Gesicht, um ekelhafte Hautkrankheiten vorzutäuschen. Dennoch fiel eine beträchtliche Anzahl von Frauen in Hornstein Vergewaltigungen zum Opfer.
Bei Plünderungen traf es nicht nur die ehemaligen NSDAP-Funktionäre, sondern in erster Linie jene Familien, bei denen etwas zu holen war. Daher behaupteten viele Hornsteiner hinter vorgehaltener Hand, in den russischen Uniformen der Plünderer mit oft rußgeschwärzten Gesichtern seien nicht immer Russen gesteckt.

Kriegsopfer

In Hornstein fielen im Laufe der Kampfhandlungen zu Kriegsende 12 deutsche und 13 russische Soldaten, die auf den Feldern notdürftig bestattet wurden. 10 Hornsteiner verübten, meist durch Erhängen, Selbstmord. Da die Gemeindeverwaltung nicht funktionierte, mussten die Familienangehörigen ihre Toten selbst und auch ohne kirchliche Einsegnung bestatten.
Am Abend des Ostersonntags wurde bei der Neufelder Kreuzung ein deutsches Sturmgeschütz getroffen, zwei Mann verkohlten und wurden notdürftig verscharrt. Vor dem Haus Nr. 545 auf der Schanz schlug neben einem 8.8 cm Flakgeschütz eine Granate ein und tötet den Soldaten Johann Fröhlich. Das NSDAP-Mitglied Johann Szinovatz fand ihn erst am 14. April und scharrte ihn an der gleichen Stelle ein. Ein unbekannter deutscher Landser wurde im Garten des Hauses Anna Matkovits Nr. 507 im Kurial von einer Panzergranate getötet. Er wurde von Matthias Pinzolits Nr. 318 auf einem Pferdeeinspänner auf den Friedhof gebracht und dort bestattet. An der Meierhofbreite gegenüber dem Haus Franz Palkovits wurde ein deutscher Soldat getötet. Er wurde provisorisch eingescharrt.
Am Ostermontag wurden beim Minibach 6 Rotarmisten durch einen deutschen Bombenabwurf getötet und auf einem Acker neben der Neuen Straße provisorisch eingescharrt. Zwei Tage später wurde im Haus Michael Plattig der im Raum Gaaden gefallene sowjetische Fliegerleutnant Alexander Growinsi-Kuzmitsch aufgebahrt und anschließend mit militärischen Ehren im Fabrikshof neben dem Haupteingang provisorisch bestattet. Der 19-jährige Mlad. Sergeant der Roten Armee Alexander Fedorowitsch wurde standrechtlich erschossen. Der 9-jährige Hornsteiner Stefan Wallentits kam beim Hantieren mit einer Handgranate im Siget um 10:30 Uhr ums Leben. Er wurde von Pfarrer Geza Horvath im Wohnhaus Nr. 125 eingesegnet und von den engsten Familienangehörigen durch den Graben in den Friedhof begleitet.


Bildung einer Gemeindeverwaltung

Die Kommunisten Johann Wimmer und Karl Pollak  hatten schon am Ostersonntag versucht, bei der Mühlgasse mit einem höheren Sowjetoffizier ins Gespräch zu kommen, um die Genehmigung für eine provisorische Gemeindeverwaltung zu erhalten. Doch die Soldaten verstanden ihr Russisch nicht, so dass sie aufgaben und zurück nach Hause gingen. Am Abend des 3. April traf sich im Haus des Karl Pollak Nr. 181 eine Gruppe von Männern (Johann Wimmer, Karl Pollak, Stefan Zsulits und noch 2) zwecks Gedankenaustausch. Pollak und Wimmer gingen zu Fuß nach Eisenstadt und wurden in der Kommandantur von Major Woronzow empfangen. Er betraute daher mit 4. April 1945 Johann Wimmer mit der Funktion des Bürgermeisters. Ursprünglich war Karl Pollak dafür vorgesehen, der aber die Funktion an Johann Wimmer abgab. Wimmer berief den Sozialdemokraten Anton Probst, den Christdemokraten Johann Probst, sowie die Hornsteiner Stefanits, Gruber und Martin Jaitz in sein Team. Erst nach drei Wochen erschien auch der Kommunist Robert Wallentits im Rathaus.


Das Rathaus wurde von der Roten Arme beschlagnahmt und diente als Residenz der Ortskommandantur unter Hauptmann Juzmanow. Neben ihm waren noch die Offiziere Zsukow, Kurkow, Kasacenko und Aksionow Mitglieder der Kommandantur. Ihre Verfügungsgewalt war unbegrenzt, es gab keine Dienstordnung, keine Regeln, sondern reine Willkür.

Erste Verfügungen

Vor dem Konsum wurde eine gemischte Wache aus Russen und Hornsteiner Kommunisten aufgezogen, um die totale Plünderung des Lebensmittellagers zu verhindern. Die polnischen Kriegsgefangenen und die ukrainischen Zwangsverschleppten wurden repatriiert. Die Polen wurden mit Pferdewagen nach Eisenstadt, die Ukrainer nach Kaisersteinbruch gebracht. Dann begann die Jagd nach ehemaligen NSDAP-Mitgliedern. Sie mussten die gefallenen deutschen Soldaten begraben, die Fahrzeugwracks beseitigen und Strafarbeiten ableisten.

Im Raum rechts vom Vorraum des Arzthauses saß der Arbeitsausschuss für Arbeitseinteilung ehemaliger Nazis. Die Kommunisten Josef Nehrer, Franz Stefanits, Anton Stefanits, Martin Jaitz, Gerdenits, Johann und Alexander Heiner teilten ehemalige Nazis zu Arbeiten für die Rote Armee ein. Männer und Burschen mussten für den Stab der Rotarmisten in der Bandfabrik Holz schneiden, Frauen und Mädchen mussten Wäsche waschen und Kartoffeln schälen. Für die in Hornstein einquartierten Besatzungsstäbe wurden später in der Fabriksvilla, im Gasthaus Adolf Riener, im Kindergarten und im Gasthaus Lukas Matkovits Heeresküchen eingerichtet, in denen viele Frauen und Mädchen als Küchengehilfinnen arbeiteten, dort zu Mittag aßen und sich dadurch ihre Zuteilung auf Lebensmittelkarten verbesserten. Eine Gruppe von Männern und Burschen mussten Beute-Kuhherden von Wimpassing nach Wien treiben. Die Treiber erhielten einen Kranz Dürre, die in der Fleischhauerei Stefan Raimann produziert wurde, und wurden mit einem LKW nach Wimpassing geführt. Von dort ging es über Wampersdorf, Weigelsdorf, Ebreichsdorf und Münchendorf nach Wien. Unterwegs wurden die Kühe immer wieder von Frauen gemolken.
Im zweiten Raum rechts saß Bürgermeister Johann Wimmer mit seinen beiden Dolmetschern Richard Schneider und Edward Hrabal, einem polnischen Kriegsgefangenen. Sogar eine Schreibmaschine war  im Austausch für Hasenfutter angeschafft worden. Im ehemaligen Arztzimmer links vom Eingang ordinierte der Medizinstudent Franz Bezemek, soweit das bei den Zuständen überhaupt möglich war. Die erste Gemeindeangestellte war Maria Schobl. Später wurde Maria Grießler eingestellt. Die Gemeindeverwaltung gab mit Hilfe eines geborgten Setzkastens die ersten Lebensmittelkarten heraus, normale Schreibmaschinenbögen, auf denen in 4 Rubriken die Lebensmittel eingeteilt waren: Mehl, Brot, Zucker und Kartoffeln. Die Lebensmittel wurden im Konsum verteilt, die Fleischrationen (pro Person wöchentlich ¼ Kilo Rindfleisch) in der Fleischbank Stefan Raimann Haus Nr. 140. Die Hornsteiner standen jeden Samstag Schlangen vor den Geschäften. Anfangs wurden die Waren kostenlos ausgefolgt, erst einige Wochen später musste bezahlt werden.

Die Hornsteiner Kommunisten

Die Sitzungen der örtlichen kommunistischen Partei fanden im Vordertrakt des Bauernhauses Leopold Hischenhuber Nr. 15 statt, im Geschäftslokal, in dem während des Krieges das Zuckerlgeschäft der Helene Pogats untergebracht gewesen war. Teilnehmer waren Johann Wimmer, Karl Pollak, Franz Stefanits, Johann Gerdenits, Alexander und Mathilde Heiner, Anton Jaitz, Johann Jaitz und Johann Palkovits. Dieser hielt am Geschäftseingang Wache, denn nur Parteimitglieder waren zugelassen. Hier wurde beschlossen, welche Bauern die Rinder für die Schlachtung abliefern mussten, damit die Bevölkerung ernährt werden konnte. Bei der Verteilung der wöchentlichen Fleischrationen am Samstag stand der kommunistische Schuhmacher Johann Jaitz neben dem Fleischhauer Stefan Raimann und traf die Entscheidung, ob ein Antragsteller die Ration bekam oder nicht. Er musste beweisen, dass er in der vergangenen Woche eine Leistung für die Besatzungsmacht oder für die politische Gemeinde erbracht hatte.


Ereignisse 1945

Am 6.4.1945 feierten die Russen in Hornstein ihr Osterfest. Drei Tage später erlebten die Hornsteiner das offizielle Kriegsende. Russische Soldaten schossen vor dem Rathaus Salut mit Leuchtspurmunition.
In den Apriltagen besuchte der damals 24-jährige Hornsteiner Johann Palkovits als Angehöriger der Roten Armee seine Eltern. Er wurde anschließend in der sowjetischen Stadtkommandantur in Wien als Dolmetsch und Koordinator zur Wiener Stadtverwaltung eingesetzt.
Die von Maurermeister Ludwig Wolf neu errichteten Ehrengräber im Friedhof für die 13 russischen Soldaten, die rund um Hornstein gefallen waren, wurden am 27. Mai 1945 feierlich eingeweiht. Der sowjetische Leutnant Kurkow und Bürgermeister Johann Wimmer hielten die Festansprachen. Die Inschrift der schwarzen Marmortafel lautet: "Ehre den Helden, die in den Kämpfen für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Vaterlandes fielen!" Die Namen der Sowjetsoldaten sind: Segrewitsch, Grigorjewitsch, Alexewitsch, Wasilewitsch, Alexandrowitsch, Fedorowitsch, Fedor Fedorowitsch, Scharagit, Osipowitsch, Iwanow, Popow, N. Fedorowitsch und Kuzmitsch.
Die im Mai in Privathäusern einquartierten Jungoffiziere, die sich bereits mit der Bevölkerung angefreundet hatten, wurden teils nach Eisenstadt, teils nach Pottendorf abgezogen.

Um diese Zeit wurden auch die während der Kämpfe zerstörten Häuser wieder instand gesetzt. Das Holz für die Dachstühle wurde von den Holztürmen der Stellung Selma am Sonnenberg verwendet. Viele Familien holten sich vom Sonnenberg auch sogenannte Brandstäbchen zum Unterheizen, die aus zerlegten Flakgranaten stammten. Gleichzeitig holten sich die Hornsteiner Stoffe und Heeresbekleidung aus italienischen Heeresbeständen vom ehemaligen Heereslagen im Meierhof in Landegg.
Das erste Fußballspiel nach dem Krieg fand am 24. Juni statt, ein Freundschaftsspiel des FC Sonnenberg gegen den Nachbarverein Neufeld. Die Hornsteiner gewannen mit 6:5 Toren. Mitte Juli gingen die Hornsteiner Kinder bereits zu Fuß in den Neufelder See baden, und am 15. August machten die Hornsteiner bereits die erste Fußwallfahrt nach dem Krieg nach Loretto.
Am 29.8.1945 wurde eine Gruppe von etwa 120 deutschen Kriegsgefangenen über Hornstein in Richtung Ungarn getrieben, unter ihnen der Hornsteiner Zimmermann Franz Jaitz, geboren 28. Mai 1900. Sie übernachtete im Garten des Hauses Josef Matkovits Nr. 6. Franz Jaitz ließ über einen Passanten seiner Schwester ausrichten, dass er sich in dieser Gruppe befand. Seine Schwester kam sofort mit Bürgermeister Wimmer, dessen beiden Dolmetschern Richard Schneider und Edward Hrabal und Lebensmitteln zu den Russen und versuchte seine Freilassung zu erwirken. Er durfte zwar die Nacht bei seiner Frau im Haus Nr. 253 verbringen, musste aber am nächsten Morgen mit der Gruppe nach Ungarn weiterziehen. Nach 14 Tagen Aufenthalt in der ehemaligen Strafanstalt von Steinambrückl nahe Sopron wurde er jedoch entlassen.
Die ersten Nationalratswahlen nach dem Krieg am 25. November brachten bei 1374 gültigen Stimmen 190 für die KPÖ, 902 für die SPÖ und 282 für die ÖVP. Nach der Stimmenauszählung erschienen Anton Probst und Leopold Vlasits im Saal des Gasthauses Hermann Trapichler, wo ein Theaterabend des Vereins "Froher Sang" stattfand und verkündeten unter Applaus des Publikums das Wahlergebnis.


Diebstähle in den Nachkriegsjahren

Trotz der Lebensmittellieferungen der UNRRA mussten viele Menschen hungern, da durch die rigorosen Lebensmittelabgaben in der NS-Zeit und durch die Plünderungen der Russen in den letzten Kriegstagen die Reserven der Bevölkerung aufgebraucht waren. Kartoffellieferungen der UNRRA wurden vom Bahnhof Müllendorf in den Konsumvereinhof nach Hornstein transportiert und dort an die Bevölkerung verteilt, um die größte Not zu lindern. Die große Hungersnot nach dem Krieg trieb auch in Hornstein Menschen zum Diebstahl. Gegen Ende 1945 wurde den Eheleuten Josef und Helene Hickl Nr. 208 eine Kuh aus dem Stall gestohlen. Am 12.1.1946 wurden aus dem Haus der Kleinlandwirte Ferdinand und Anna Pogats Nr. 191 ein Schwein und 4 Gänse gestohlen, am 27.2.1946 aus dem Haus Matthias und Maria Kopinits Nr. 197 eine Kuh und am 8.3.1946 aus dem Haus August und Maria Kaltzin Nr. 240 zwei Kühe. In der gleichen Nacht wurde auch aus dem Pfarrhof ein Schwein gestohlen, jedoch ersetzte die politischen Gemeinde dem Pfarrer Géza Horvath das Schwein. Diese Serie von fachmännisch organisierten Diebstählen fand im Kurial statt, wo man bei der Hintertüre auf das freie Feld kam, wo man die Tiere schlachtete und das Fleisch abtransportierte. Hinter diesen Diebstählen steckte angeblich eine Bande aus Hornsteinern und Landeggern, sie konnten allerdings nie aufgeklärt werden. Es wird vermutet, dass Schmiergelder im Spiel waren. Diese Bande belieferte angeblich das südliche Niederösterreich und Wien mit Nahrungsmitteln und Wein.
Die Gemeindeverwaltung installierte durch Verordnung vom 8.3.1946 einen Nachtzivildienst getragen durch Freiwillige, um weitere Übergriffe gegen fremdes Eigentum zu verhindern. Am 2. Dezember 1946 wurde der Arbeiter Robert Gerdenits Nr. 118 (Bindosch), der dem Bauern Franz Schobl in der Nacht zuvor ein Schwein gestohlen hatte, dingfest gemacht. Er hatte das Schwein auf einer Schubkarre nach Hause geführt, die Blutspur hatte ihn aber verraten. Er musste das gestohlene Schwein auf der Schubkarre rund um den Unterort führen sowie ein unbefugt gehaltenes Jagdgewehr mitführen. Gendarmerie und der Gemeindetrommler Franz Palkovits begleiteten ihn. Zwischen den Trommelschlägen musste er ausrufen: "Ich habe dieses Schwein gestohlen!" Der Bürgermeister selbst hatte diese Strafe zur Abschreckung angeordnet.

Unterhaltung in den Nachkriegsjahren

Nach dem Beschluss der politischen Gemeinde wurde das Tonkino Emil Hussy am 10.2.1946 mit dem Film "Schrammeln" wieder eröffnet. Da Hussy aber NSDAP-Mitglied gewesen war, wurde von der Gemeinde als öffentlicher Verwalter der Kommunist Alexander Heiner eingesetzt. Seine Frau Mathilde wurde allabendlich an der Kinokasse belagert; der Einheitspreis für die Kinokarten betrug 50 Groschen. Erst nach einem fast fünfjährigen Verwaltungsverfahren erhielt die Tochter des Emil Hussy, Ludmilla Franz, 1951 das Kino zurück.

Im Saal des Gasthauses Hermann Trapichler wurde seitens der politischen Gemeinde ein Plattenspieler aufgestellt, und für die Tanzlustigen wurden jeden Sonntagabend Schelllackplatten abgespielt. Spitzenreiter waren "Luftikus", "Mein Schatz ist ein Gefreiter" und "An der schönen blauen Donau". Die Sperrstunde wurde um Mitternacht jeweils durch den Bürgermeister persönlich verkündet. Es gab zwar nichts zu trinken, aber die Jugend Hornsteins war zahlreich vertreten, auch Soldaten der Roten Armee. Zwischen dem Gemeindediener Rudolf Zeichmann und dem Gemeindetrommler Michael Raimann diente kurzzeitig ein Hornsteiner Original als Gemeindetrommler, der "Zeitungsfranzl". Franz Palkovits, geboren 1910, erwies sich während einer Nachtwache an der Ostfront als wehrunfähig, weil er die Nerven verlor und wild um sich zu schießen begann. Er wurde zurückgeschickt und machte als Gemeindetrommler allerlei Handlangerdienste. Eltern- und mittellos schlief er im Gemeindestierhaus und im Sitzungsaal im Rathaus. Als Begleitperson bei Sauschlachtungen lebte er von den Almosen der Hornsteiner. Auch im ersten Jahr nach Kriegsende wurde er als Trommler verwendet, aber da er der kroatischen Sprache unkundig war, wurde er 1946 durch Michael Raimann ersetzt. Da er die erste österreichische Zeitung nach dem Krieg, "Neues Österreich", persönlich austrug, weil es keine Trafiken gab, erhielt er den Namen "Zeitungsfranzl". Er vertrieb auch die "Volksstimme" und warb Abonnenten für die Zeitschrift "Radio Österreich", wo er es auf 50 Wochenkunden brachte. Im Sommer erzählte er den Kindern am Schwemmteich im Siget Abenteuergeschichten und wurde dafür mit Lebensmitteln und Obst bezahlt. Mit zunehmendem Alter verschwand er aus der Öffentlichkeit und starb im Alter von 65 Jahren an Unterernährung.


Erste Wirtschaftsaufschwünge

Allmählich gelang es 1946, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Auch die Seidenbandfabrik, die zwar ausgeplündert, deren Maschinen aber nicht demontiert worden waren, konnte ihren Betrieb nach einigen Schwierigkeiten wieder aufnehmen. Zwar war ihre Produktion infolge Rohstoffmangels sehr gering, doch konnten 1947 bereits die ersten Exporte die Fabrik verlassen. Die Bandfabrik entwickelte sogar eine eigene Fabrikationsmethode, um Artikel aus Kunstseide herzustellen und so den Engpass an Baumwolle zu überwinden. Anfang der Fünfzigerjahre erreichte die Fabrik wieder ihre Vorkriegsproduktion. Auch die Scheck-Mühle, die 1930 als Roggenmühle begonnen und während des Zweiten Weltkrieges einen weiteren Ausbau erlebt hatte, war 1945 total ausgeplündert, doch konnte auch sie bald ihren Betrieb aufnehmen. Bald wurde sie eine der bedeutendsten Mühlen des Bezirkes.


Ereignisse 1947

Der Feber 1947 brachte starke Schneeverwehungen bei der Neufelder Kreuzung, und Hornsteiner Männer und Burschen mussten kostenlos, gemeinsam mit russischen Soldaten, etwa 900 Meter Schneeplanken aufstellen.
Am 10. April 1947 fanden die Exhumierungen der Leichen deutscher Soldaten auf Hornsteiner Hotter und der Bombenopfer aus Neufeld statt. Die Leichen von 5 Soldaten der Deutschen Wehrmacht wurden in einem Grab im Friedhof beigesetzt: Johann Fröhlich, Günter Gotzen, Herbert Kessler und zwei unbekannte Kameraden.
Vor der Kirche wurde am 4. Mai die Heimkehr des Zügenglöckchens aus 1535 gefeiert. Der Gastwirt Franz Bauer Nr. 33 hatte es auf dem Wiener Glockenfriedhof entdeckt. Am 27.7.1947 fand die Glockenweihe der vom Gastwirt Franz Bauer anonym gespendeten großen Glocke "Denen die nicht wiederkamen" vor der Kirche statt. Der Landwirt Georg Stefanits, der schon 1926 die Glocken durch den Ort geführt hatte, führte auch diese Glocke im Triumphzug durch das Dorf. 1947 konnten allein 32 Heimkehrer, davon 22 aus russischer Kriegsgefangenschaft, zu Hause begrüßt werden.


Ereignisse 1948

Bei der Ausgabe für die Lebensmittelkarten für die 40. Zuteilungsperiode 1948 gab es viele weinende Mütter und Kinder, weil die Gemeinde festgelegt hatte, wer keine Hühnereier abliefere, würde keine Lebensmittelkarten erhalten.
In der Gemeinderatssitzung vom 13.5.1948 gab es Unstimmigkeiten innerhalb der KPÖ Hornsteins. Wimmer war nicht bereit, sich in einen Kampf mit dem Pächter der Esterházyschen Besitzungen einzulassen. Die Mehrheit der kommunistischen Fraktion unter Führung von Robert Wallentits, Johann Gerdenits Nr. 545, Johann Jaitz, Alexander und Mathilde Heiner verlangte daher die Ablöse von Bürgermeister Wimmer durch einen anderen KP-Gemeinderat. Der Bürgermeister argumentierte, er sei nicht von seiner Fraktion gewählt, sondern von der Kommandantur der Roten Armee eingesetzt worden. Dennoch setzte sich die Fraktion durch, und am 9.10.1948 wurde der Kommunist Robert Wallentits von seiner Fraktion zum Bürgermeister bestimmt. Bis zu seiner Bestätigung durch die Kommandantur übernahm die Kommunistin Mathilde Heiner die Bürgermeisteragenden. Wallentits hatte diese Funktion bis zu den Gemeinderatswahlen 1950 inne. Johann Wimmer wurde aus der KPÖ ausgeschlossen und erst 1962 rehabilitiert.

Im Gemeinderat wurde im Mai 1948 gegen die Stimmen der SPÖ der Bau einer Wasserleitung beschlossen. Dieser Beschluss wurde im Rahmen einer öffentlichen Gemeindeversammlung von einer großen Mehrheit der anwesenden Ortsbewohner bestätigt. Im Juli 1949 wurden durch Gemeinderatsbeschluss 12 Joch der Hutweide von der Urbarialgemeinde aufgekauft, parzelliert und für Bauzwecke freigegeben. Auch der Grund für einen neuen Sportplatz östlich des Schuldenviertels wurde gekauft und die Errichtung mit S 4000 subventioniert. Anstelle des schadhaften Wasserbehälters der Gora-Leitung wurde beschlossen, einen neuen großen Behälter um S 10.000 zu bauen, eine neue Quelle zu fassen und die Rohrleitung zu erneuern und zu erweitern. Als Gemeindeinstallateur wurde Franz Danek angestellt.
Am 23. April 1949 verstarb Altbürgermeister Anton Probst. Nach der Ansprache des Bürgermeisters Robert Wallentits legten alle Parteien unter den Klängen eines Trauermarsches Kränze am Grab nieder.


Gemeindepolitik nach 1950

Inzwischen hatte sich auf politischer Ebene ein Wechsel vollzogen, als 1949 bei den ersten Gemeinderatswahlen in der Zweiten Republik die SPÖ mit 1145 Stimmen gegenüber 386 Stimmen der ÖVP und 96 der KPÖ die Mehrheit erhielt. Zum Bürgermeister wurde der Bergarbeiter Gottfried Szinovatz (1950-1967) gewählt. Unter seinem 17 Jahre andauernden Bürgermeisteramt, in dem es gelang, weitgehend die Zusammenarbeit aller Parteien des Dorfes zu erreichen, erlebte Hornstein einen Aufschwung wie nie vorher in seiner Geschichte. Dem allgemeinen Wohlstand dieser Zeitepoche nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 und dem Abzug der Besatzungsmächte folgend, wurden auch in Hornstein große Aufbauleistungen vollbracht. Nachdem man in den ersten Nachkriegsjahren die vom Krieg gerissenen Schäden ausgebessert hatte, begann mit dem Jahr 1949 in Hornstein eine neue Bauwelle.
Es war der Gemeinde gelungen, von der Urbarialgemeinde nördlich des Dorfes eine große Hutweide zu erwerben und diese als Siedlungsland aufzuschließen. In den folgenden Jahren entstand hier ein neuer Ortsteil, der nach den vielen dort wachsenden wilden Rosensträuchern im Volksmund den Namen "Rosenviertel" erhielt. Es entstanden hier im Zeitraum bis 1970 über hundert neue Häuser. Da im Zuge dieser Verbauung auch der alte Sportplatz (heute Semmelweisgasse) verbaut wurde, begann man 1949 auch mit dem Ausbau der heutigen Sportanlage. Endlich konnte auch das neue Spritzenhaus der Feuerwehr errichtet werden. Um die Wasserversorgung zu sichern, wurde Hornstein in den Jahren 1956-1958 an den "Wasserleitungsverband nördliches Burgenland" angeschlossen und fast das gesamte Wasserleitungsnetz erneuert. 1957 bis 1962 wurde die Volksschule und 1966/67 die Leichenhalle am Friedhof gebaut.
Der Aufschwung setzte sich auch nach der Übergabe der Führung in der Gemeinde an Bürgermeister Johann Jaitz (1967-1977) im Jahre 1967 in steigendem Maße fort. Der ganze ausgedehnte Ortsbereich wurde kanalisiert, ein Großteil der Gemeinde mit neuen Straßen versehen, sowie ein neues Arzthaus gebaut. Zur Sicherung künftiger Entwicklungen wurden ein Flächenwidmungsplan und ein Bebauungsplan beschlossen.
Durch einen langjährigen Vertrag mit der Urbarialgemeinde wurde ein Erholungsgebiet mit Tennisplätzen und einem Kinderspielplatz geschaffen. Nach langwierigen Verhandlungen mit landwirtschaftlichen Grundbesitzern wurde das Industriegebiet begründet, das die Voraussetzung für die Betriebsansiedlungen in der Zeit von Bürgermeister Peter Schmitl bildete.

Gemeindepolitik nach 1975

Bürgermeister Schmitl (1977-1987) war äußerst erfolgreich in seiner Politik, bekannte Betriebe im Industriegebiet anzusiedeln, die neue Arbeitplätze und fundierte Gemeindeeinnahmen brachten. Aber auch auf die dörfliche Infrastruktur wurde nicht vergessen.
Im ganzen Dorf erfolgten Stromverkabelungen, Kabelfernsehen wurde eingeleitet, die Wasserleitungen erneuert, Gasleitungen gelegt und das alte Schulhauses wurde als Vereinslokal und Ortsbücherei adaptiert. Die beiden Hornsteiner Musiker Pater Willi Schmid und Josef Hickl erhielten den Ehrenring der Gemeinde. Die erste Wohnhausanlage als Startwohnungen für junge Familien wurde in den Krautgärten gebaut.
Unter Bürgermeister Walter Krenn (1987-2002) wurde trotz einer Konsolidierungsperiode das ehemalige Esterházysche Forsthaus angekauft und für kulturelle Zwecke vorgesehen. 1989 wurde das neue Feuerwehrhaus eröffnet, 1989 das Rathaus generalsaniert. 1990 fand der erste Bauernmarkt in Hornstein statt, 1992 das erste Dorffest.
1996 begannen die Ausgrabungen der Ruine auf dem Schlossberg, 1998 erhielt der Hornsteiner Fotograf und Chronist den Ehrenring der Gemeinde. 1999 schließlich erhielt Karl Stix, der Landeshauptmann des Burgenlandes, die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde.
Landeshauptmann Karl Stix erwarb sich in zwei Legislaturperioden große Verdienste um das Bundesland, aber auch um Hornstein durch die Unterstützung von Betriebsansiedlungen. Nach dem Beitritt Österreichs zu Europäischen Union 1995 sicherte er den wirtschaftlichen Bestand des Burgenlandes durch die Unterstützung der EU als Ziel-1-Gebiet.
Karl Stix wurde am 24. Oktober 1939 in Wr. Neustadt als Sohn eines Lokführers aus Rohrbach geboren. Nach einer Schlosserlehre begann er 1962 seine politische Karriere. SPÖ-Bezirksparteisekretär von 1962 bis 1966, Gemeinderat in Hornstein 1967 bis 1975, Landesparteisekretär 1970-1983, Klubobmann 1977-1982, Finanzlandesrat 1982-1991, Landeshauptmann 1991-1995 und 1996 bis 2000. Der Bank-Burgenland-Skandal führte letztendlich zu seinem Rückzug aus der Politik. Am 5. Juli 2003 starb er nach langer, schwerer Krankheit in Hornstein. Karl Stix hinterlässt seine Frau Erika und seine Tochter Karin.