Herrschaft Esterházy

Die Herrschaft Esterházy

Im Zuge seiner Erwerbspolitik war Graf Paul Esterházy schon 1676 bemüht gewesen, die Herrschaft Hornstein zu erwerben, zunächst freilich vergeblich. Aber 1691 übertrug ihm Kaiser Leopold I., nachdem er ihm 1687 die Fürstenwürde verliehen und die Befugnis erteilt hatte, ein Majorat nach den Grundsätzen der Primogenitur für seine Familie zu gründen, sein königliches Besitzrecht auf Hornstein wegen seiner Ergebenheit und großer Verdienste als Palatin. Die laufende Verpfändung von Hornstein wurde dadurch vorerst nicht berührt. 1696 gab Paul Esterházy auf ständiges Drängen des Hofkanzlers Graf Julius Friedrich Buccelini, der seine Ansprüche auf Hornstein infolge seiner Heirat mit einer Stotzingen-Tochter herleitete, das Eigentumsrecht auf Hornstein wieder zurück, bat aber dabei den Kaiser, bei einer eventuellen späteren Verpfändung oder einem späteren Verkauf der Herrschaft Hornstein bevorzugt berücksichtigt zu werden, was der Kaiser auch 1697 zusagte.
Nach drei Jahren war es bereits soweit. 1700 verpfändete Kaiser Leopold I. die Herrschaft Hornstein auf 10 Jahre dem Paul Esterházy. Die vorgeschriebene Inventur weist in Hornstein 121 Lehenhäuser und 40 Hofstätten, zusammen 161 Häuser aus. Besonders vermerkte man wieder das öde Schloß, das Herrschaftshaus mit Garten, außerhalb des Marktes das herrschaftliche Wirtshaus samt einem Backhaus sowie den Meierhof mit dem Hofstadel und der Schäferei. 1702 erwarb Fürst Paul Esterházy die Herrschaft Hornstein endgültig für seine Familie, die damals zur bedeutendsten und mächtigsten Familie Ungarns aufgestiegen war.
Der Markt Hornstein war als Herrschaftsvorort Sitz des fürstlichen Verwalters, der im Herrschaftshaus, heute Rechte Hauptzeile 22, wohnte und für alle grundherrlichen Belange in der Herrschaft Sorge tragen musste. Die Herrschaft bezog ihre Einkünfte am Beginn des 18. Jahrhunderts zum geringeren Teil aus den Meiereiwirtschaften in Hornstein und Loretto und zum größeren Teil aus den Abgaben und Diensten der Untertanen. Diese leisteten ihre Abgaben überwiegend in Naturalien, die aber auch in Geld abgezahlt werden konnten. Die Geldabgaben wurden in das Rentamt - die herrschaftliche Kassa - von Hornstein gezahlt, die Naturalabgaben teils in den Hornsteiner, teils in den Lorettaner Hofstadel gebracht.

Wirtschaftslage im 18. Jahrhundert

Die wichtigsten Aktivposten der Wirtschaft jener Zeit waren Getreideanbau, Weinbau, Waldnutzung und Viehzucht, während Ziegelöfen und Kalköfen noch nicht die spätere Bedeutung erlangt hatten. Auf Grund von Aufzeichnungen können wir feststellen, dass diese wirtschaftlichen Zustände in der Herrschaft das ganze 18. Jahrhundert hindurch erhalten blieben. Auf den Herrschaftsbreiten wurde in Hornstein zumeist Weizen und Gerste gebaut, während die Bauern überwiegend Korn und Hafer anbauten. Eine große Rolle beim Weinabsatz spielten damals die nur von der Herrschaft betriebenen Wirtshäuser. Der Gemeinde selbst stand das Recht des Weinschenkens nur eine bestimmte Zeit des Jahres zu. Die Viehzucht der Herrschaft beschränkte sich auf die Schafzucht, die in der Herrschaft in den Schäfereien von Hornstein und Loretto intensiv betrieben wurde, wobei in Hornstein 1000 Stück Schafe gehalten wurden. Auch bestand in Hornstein vorübergehend ein Geflügelhof mit Gänsen, Truthühnern und Hühnern.
Entlang des Grenzflusses Leitha waren bis 1848 Zollstationen in Betrieb, die früher von "Kayserlichen Dreißigern" geleitet wurden. So geht der Landegger Riedname Gerwatz-Au auf den gebürtigen Hornsteiner Brückenwächter Franz Gervaucz zurück, der 1825 in den seinerzeit zweisprachigen Nachbarort heiratete. Bereits 1692 schrieb der Dreißiger Elias Sebastian Pfofferth einen Klagebrief an die Wiener Hofkammer über Schmuggler aus Ungarn: "Weillen Ich über eine starcke Meill Weges von meinen Ambts Gräntzen wohnen thue, undt bey Erbauten 6 Prugken wegen der Kalte in der Nacht nicht jeder Zeit Wacht bestellen kann ... undt waß sonderlich bey nachts / derer sich die Krobothen am mehresten gebrauchend aus Hungarn eingeführt wirdt ... dieweillen aber diese Ordnung den Krobathen nicht in Kopf gehen will, sondern solche sich verlautten lasen, dass sie dreyßiger- Ambts Bedienten bey der Visitation auf der strasse mit gewaffneter Handt abtreiben wollen... die krobathen auch für der Kayserlichen Straff sich nichts fürchten ... in ansehung vieler Verschwärtzungen undt strafbahren widersetziingen ... Veith Scarobits mit einem falschen Passbrieff 12 Eimber Wein nachher Wienn abgeführt hat."

Kuruzzenkriege

Als Paul Esterházy die Herrschaft Hornstein übernommen hatte, war gerade wieder eine unruhige Zeit angebrochen. Ungarische Adlige inszenierten einen Aufruhr, der unter der Leitung des Fürsten Franz II. Rákóczy gegen die kaiserliche Regierung geführt wurde und als Kuruzzenkriege in die Geschichte eingegangen ist. Sie brachten der Bevölkerung unseres Gebietes, die sich eben von den Türkeneinfällen des Jahres 1683 erholt hatte, neuerlich eine arge Heimsuchung. Die 1703 begonnenen Einfälle, die bis 1709 andauerten, zogen das gesamte Gebiet des heutigen Burgenlandes in Mitleidenschaft, umso mehr, weil Esterházy ein Anhänger des Herrscherhauses blieb. Einquartierungen und Requirierungen lösten einander ab und nicht selten waren es die kaiserlichen Söldner, die das Volk ärger bedrängten als die Kuruzzen. So geschah es auch am 13. März 1704 in Hornstein, als Truppen des kaiserlichen Generals Graf Siegbert Heister plündernd einfielen und den Ortspfarrer misshandelten Am 9. September 1704 holten sich die Kuruzzen ein Lösegeld, am 20. September plünderten sie abermals den Ort. 1705 flüchteten die Ortsbewohner in den Wald bzw. in die Klöster, deren Asylrecht beide Parteien respektierten. 1706 herrschte vorübergehend Ruhe, 1707 tauchten wieder Kuruzzen in der Umgebung auf. 1709 erschien eine größere Kuruzzenstreitmacht und plünderte ausgiebig. Der Aufstand in Westungarn wurde endgültig erst 1711 niedergeschlagen. In diese Zeit fällt auch die Errichtung bzw. Wiederverwendung des kleinen Schanzwerkes am Südende des Dorfes westlich von der Straße nach Eisenstadt, wo ein Wachtposten das Herannahen des Feindes zu melden und dessen Vordringen in den Ort aufzuhalten hatte, bis die Dorfbewohner ihr Vieh in Sicherheit, das heißt hinter die größeren Verschanzungen am Fuße der Burgruine gebracht hätten.

Ebenfalls in dieser Zeit ist ein für das Wirtschaftsleben von Hornstein unangenehmes Ereignis zu registrieren, die Einstellung der Märkte. 1703 wurde vorläufig der letzte Markttag abgehalten. Der Hauptgrund lag in der Anordnung Esterházys, die unter Nádasdy von allen Mauten befreiten Bürger von Wr. Neustadt wieder mit Gebühren zu belasten - diese verloren damit ihr Interesse am Hornsteiner Markt. Die unruhigen Zeiten taten noch ein Übriges, um die Hornsteiner Märkte einschlummern zu lassen. Das Pestjahr 1713 forderte auch in Hornstein seinen Tribut: 31 Personen starben an der Pest. Die folgenden Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts erlebte die Bevölkerung dieses Gebietes bis dahin kaum gekannte ruhige Zeiten. Im Jahre 1715 verzeichnet die offizielle Statistik der Steuerpflichtigen für den Ort Hornstein 76 Bauern, davon 60 Kroaten und 16 Deutsche, im Jahre 1720 77 Bauern, 57 Kroaten und 20 Deutsche, doch lassen diese Zahlen keinen brauchbaren Schluss auf die Gesamtzahl der Häuser und Dorfbewohner zu, weil einige Häuser steuerbefreit waren und die Söllnerhäuser hier gar nicht verzeichnet wurden.


Jagdrecht

Nach der Hinrichtung des Grafen Franz Nádasdy hatte Kaiser Leopold die Waldjagd für sich in Beschlag genommen und in Hornstein, Wimpassing und Loretto kaiserliche Jäger eingesetzt. Diese zwangen die Bauern zu verschiedenen Robotleistungen, woraus zahlreiche Zwischenfälle resultierten. Daher war bereits 1706 Paul Esterházy bemüht, die kaiserliche Jägerei aus der Herrschaft zu entfernen. Dabei spielten aber nicht nur die Klagen der Untertanen, sondern auch der Ertrag der Jagd eine wichtige Rolle. 1741 griff Paul Anton Esterházy wieder das Jagdproblem auf und bat Maria Theresia, allerdings ergebnislos, um Übertragung des Wildbanns. 1758 beschwerten sich die Gemeinden, dass die Untertanen durch Robotfuhren nach Wien und Wiener Neustadt und das Bereitstellen von Treibern in unzumutbarer Weise belastet und bei der Schweinemast, Waldnutzung und Viehweide ständig behindert werden. Ruhiger wurde es erst, als die Robotfuhren seit 1769 bezahlt werden mussten. Ihre endgültige Lösung erfuhr die Hornsteiner Jagdangelegenheit Ende 1791, als die kaiserlichen Reviere Hornstein, Wimpassing und Loretto den Esterházy überlassen wurden.
Im Jahr 1734 wurde auf Initiative des damaligen Schulmeisters und Marktnotärs Jakob Zurits eine Lindenallee gesetzt, die zur Kirche und zum Friedhof führte und deren riesige Restbestände noch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts emporragten. Die Esterházysche Lindenallee, die die Straße Hornstein-Eisenstadt über das Leithagebirge säumte und deren knorrige Reste heute noch stehen, ist weit jüngeren Datums (1830-1845).

Salitterhof

Im Jahr 1734 hatten die Esterházy einen ihnen bis dato nicht gehörigen befreiten Hof mit allen Zugehörungen erworben, das heutige Meierhof-Verwaltungsgebäude, Linke Hauptzeile Nr. 29, das 1650 dem herrschaftlichen Beamten Johann Piffreiter gehört hatte. 1704 erwarb es der Reichsgraf Ferdinand Karl Caraffa von der Witwe Katharina Piffreiter. Dieser Graf Caraffa baute es in der Zeit zwischen 1711 und 1717 in der Form auf, wie es sich uns heute noch darstellt. Dabei hatte er mit dem damaligen Nachbarn Georg Jaitz einen Vertrag geschlossen, dass er über dessen Getreidekammer, Keller und Presshaus sein Haus erweitern dürfe, sodass noch heute der Keller des Hauses Linke Hauptzeile Nr. 28 unter dem Verwaltungshaus liegt. Für Fürst Paul II. Esterházy bedeutete der Erwerb dieses Hauses samt Wirtschaftsgebäude und Garten eine durchaus bemerkenswerte Vergrößerung seines Meierhofbetriebes, was auch in der relativ hohen Kaufsumme von 4000 Gulden deutlich zum Ausdruck kam, die Esterházy dem Sohn des vorhergenannten Caraffa Graf Karl Otto Caraffa für das, wie es in einem Gutachten heißt, in sehr schlechtem Zustand befindliche Objekt zahlte.
1766 ist dann im Hintertrakt des Hauses Linke Hauptzeile 29 die Salpetersiederei des Salpetermachers Josef Höffinger nachweisbar. Der Salpeter, im Volksmund Salitter genannt, diente zur Schießpulvererzeugung. Im 18. Jahrhundert war man nach französischem Vorbild zur Anlegung von Salpeter-Rayons geschritten, um den Bedarf des Staates an Schießpulver zu decken. Der Rayon Hornstein umfasste damals 24 Ortschaften und reichte von Wimpassing bis St. Margarethen und von Leithaprodersdorf bis Walbersdorf, also weit über die Herrschaftsgrenzen hinaus.
1753 verzeichnete der Ort 161 behauste Familien und 44 Inwohnerfamilien. Die Konskription gibt uns auch über den Viehbestand in der Ortschaft Aufschluss: 381 Zugochsen und Zugpferde, 165 Melkkühe, 188 übriges Rind- und Pferdevieh, 475 Schafe und Ziegen, 115 Schweine, 22 Bienenstöcke.

Hinrichtungen

In den Fürstlich Esterházyschen Amtsprotokollen von 1747 wird berichtet, dass nach einer Sitzung des Hochfürstlich Esterházyschen Landgerichts Hornstein, abgehalten von den Ödenburger Komitatsherren und fürstlichen Offizieren, am 27. März zwei Räuber namens Ferdinand Hueber aus Wien und Robert Fux aus Zwettl durch den Strang hingerichtet wurden. Die Hinrichtung fand in Gegenwart einer großen Zuschauermenge aus Österreich und Ungarn auf dem Richtplatz an der Straße nach Neufeld statt. Je 10 Reiter begleiteten den Zug vor und hinter den Delinquenten, 100 Mann, bewaffnet mit Gewehren, standen Spalier und bildeten den Kreis um die Richtstatt. Nach dem Hängen wurden die Leichen der Räuber auf dem Scheiterhaufen verbrannt, die Asche wurde in die Leitha gestreut. Hueber und Fux hatten gemeinsam mit einem Komplizen namens Johann Wöber, der nicht erwischt worden war, die Kirche in Biedermannsdorf ausgeraubt und nach dem Verkauf der Beute (Monstranz, Kelch, Paramente) im Wert von 1480 Reichstalern in Saus und Braus gelebt. Ihre Wiener Komplizinnen, mit denen sie in wilder Ehe gelebt hatten, wurden weniger hart bestraft. Cordula Pfeifferin wurde auf dem Pranger ordentlich ausgepeitscht, Franziska Kellnerin vom Gerichtsdiener mit 70 Prügeln bestraft. Weiters wurden sie auf ewige Zeiten aus dem Komitat Ödenburg ausgewiesen und unterschrieben einen Revers, sich weder an jemandem wegen des Urteils zu rächen, noch wieder straffällig zu werden.

Walthersche Karte

Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt die erste Kartendarstellung, die wir von Hornstein kennen. Die sogenannte Walthersche Karte zeigt uns die Dorfanlage in den Jahren 1754/1755. Deutlich sichtbar sind die heutige Rechte und Linke Hauptzeile, der Großteil der Meierhofgasse, zwei Drittel des Ortsteiles Siget sowie der Graben. Namentlich eingetragen sind die Pfarrkirche, zu der die schon erwähnte Lindenallee führt, das öde Schloss, das Herrschaftshaus und der Schafhof. Weingärten sind eingezeichnet in der Ried Goldberg und vom Graben weg oberhalb der Sigetgasse, weiter entlang der Straße bis zur Neufelder Kreuzung. Deutlich zu sehen ist auch das mit einer Wehrmauer umgebene Gasthaus mit der kleinen Rundbastei. Vereinzelt stehen einige Gebäude inmitten des Breitangers, vermutlich Schmiede, Schule und Kapelle, wo später Rathaus, Schule und Kirche gebaut worden sind. An der Neufelder Kreuzung stand der Hornsteiner Gerichtsgalgen. Wo in einer späteren Kartendarstellung ein "Alter Thurm" (Kleine Schanze) verzeichnet ist, ist das "Gerichts-Kreuz" eingetragen.


Dorfgemeinschaft

Das Jahr 1767 bedeutete für die grundherrlichen Untertanen einen Einschnitt. Die Urbarialverordnung Maria Theresias war der erste große Eingriff in die grundherrlich-bäuerlichen Verhältnisse. Sie regelte zwar nur einen Teil der persönlichen Abhängigkeit der Untertanen, unterzog aber die Leistungen gegenüber dem Grundherrn einer einheitlichen Regulierung. Es wurden die Größe der Lehen, die Rechte der Dorfgemeinschaft wie Weinschank und Weidenutzung, die Robot sowie die dinglichen Leistungen wie Hauszins, Grundzins, Lebensmittelabgaben geregelt. Die Tabelle verzeichnete in Hornstein für das Jahr 1767 110 Bauernhäuser und 59 Söllnerhäuser, zusammen 169 Häuser, sowie 42 Inwohner.
1777 wurde die alte Annakirche am Fuße des Burgberges abgebrochen und mit dem Bau der neuen Kirche inmitten des Ortes begonnen. Baufälligkeit, beschwerliche Erreichbarkeit und zu geringer Raum waren die maßgeblichen Gründe, die zum Neubau schreiten ließen. Zu den Kosten steuerte Fürst Nikolaus Esterházy als Patronatsherr 2400 Gulden in bar, das erforderliche Bauholz sowie Mauerziegel bei. Von der Kirchenkassa wurden 1324 Gulden, von der Gemeindekassa 2709 Gulden beigestellt. Die Ortsbewohner verrichteten alle Fuhren und Handlangerdienste kostenlos. Auch für die Innenausgestaltung fanden sich namhafte Spenden. 1782 war der Bau vollendet, 1803 wurde die Kirche konsekriert.
Die für militärische Zwecke durchgeführte Josephinische Landesaufnahme zeigt uns die Siedlung im Zeitraum 1784/1785. Die dazugehörige Beschreibung führt an, dass in Hornstein Kirche, Meierhof und ungefähr 12 Häuser sehr solid gebaut waren, die übrigen aber sich in mittelmäßigem Zustand befanden.



Ungarische Volkszählung

Die erste ungarische Volkszählung der Jahre 1784-1787 bietet uns folgendes Bild: 1308 Einwohner, 190 Häuser, 258 Familien, davon 97 Bauern und 146 Söllner. Aus dem Jahr 1787 besitzen wir eine ausführliche Beschreibung der Ortschaft, die auf dieser Volkszählung basiert und erstmals die 1785 eingeführte Gebäudenummerierung aufweist. Die Nummerierung begann mit der Linken Hauptzeile, schloss die Meierhofgasse ein, setzte dann weiter die Linke Hauptzeile fort, ging über die Berggasse auf der Rechten Hauptzeile weiter, entgegengesetzt der heutigen Zählung, schloss die Sigetgasse und einen Teil der Oberen Gasse mit ein, beschrieb noch 4 weitere Objekte, die außerhalb der Zeilen standen und endete mit den im Graben liegenden Häusern Nr. 151-190. Die erwähnenswertesten Objekte sind: das "Gemeinhaus Nr. 13" (heute Linke Hauptzeile 12), das die Gemeinde 1752 von einem Bauer erworben, 1762 renoviert hatte, das Einquartierungszwecken und dem der Gemeinde halbjährig zustehenden Weinschank diente und seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Gemeindegasthaus Verwendung fand. In dessen hinterer Gartenecke wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Gemeindeschlachtbrücke errichtet, deren Reste noch um 1950 zu sehen waren und die der heutigen Schlachtbrückengasse den Namen gegeben hat; das "Herrschaftliche Haus Nr. 30" (heute Linke Hauptzeile 29), das Esterházy 1734 erworben hatte und als Sitz des herrschaftlichen Kastners bis 1848 verwendete; die "Herrschaftliche Salniterey Nr. 31" im Hintertrakt des vorigen; der "Herrschaftliche Mayerhof Nr. 32"; das Haus Nr. 33 (heute Reitschule 2) des Oberförsters Johann Krecht, das vorher einem Amtsschreiber Johann Adorian gehört hatte; das Haus Nr. 34 des Baders Josef Postel, dessen volkstümlicher Name "Puslova hiža" noch heute an den früheren Besitzer erinnert; das "Herrschaftliche Wirtshaus Nr. 35" (heute Wohnpark Reitschule), das unter Graf Nádasdy und bis 1679 als Spital diente, dann als herrschaftliches Wirtshaus verwendet und 1890 an Johann Bauer verkauft wurde; der Pfarrhof Nr. 49; das Haus Nr. 74 des Johann Oberhofer (heute Rechte Hauptzeile 34), das 1683-1782 als Pfarrhof gedient haben soll und eine Hauskapelle enthielt; das Haus Nr. 76, das die Gemeinde 1840 erwarb (heute Rechte Hauptzeile 32); das "Herrschaftliche Haus Nr. 85" (heute Rechte Hauptzeile 22), das unter Nádasdy als Wirtshaus diente, später Sitz des Verwaltungs- und Rentamtes war und dann als Forsthaus diente; das Haus Nr. 86 des Johann Strauß (heute Rechte Hauptzeile 21), das einst dem kaiserlichen Forstknecht Georg Miller gehörte; das Haus Nr. 104 des Georg Dick, das 1838 abgetragen und in der "Gmajna" neu aufgebaut wurde (Eisenstädter Straße Nr. 14), und an dessen Stelle heute der Dickberg an den einstigen Besitzer erinnert; zwei "Gemeindehalterhäuser", Nr. 125 und 130 in der Sigetgasse; ein "Fabrique Hausz", 1806 errichtet als Manufakturbetrieb des Georg Zurits, das 1818 abbrannte und daneben wieder neu aufgebaut wurde. Nach örtlicher Überlieferung dürfte es sich dabei um eine Seifensiederei gehandelt haben - mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es das heutige Haus Eisenstädterstraße Nr. 3; die "Gmein Schmitten Nr. 149", die auf dem Platz des heutigen Rathauses stand; das Schulhaus Nr. 150, das der Beschreibung nach inmitten des Ortes gestanden sein muss, auf demselben Platz wie das 1852 errichtete Schulhaus, das 1961 durch einen Neubau auf der ehemaligen Hutweide abgelöst wurde. Ferner sind noch innerhalb des Ortsriedes mehrere Gärten oberhalb des Marktes am "Schloßbründlbach" verzeichnet, die "Gemeinde Gansz Waid, Raunitza", eine zweite "Gemeinde Gansz Waid, Siegeter Raunitza", weiters Gärten, die an die "Straßen", das heißt an die heutige Bundesstraße 16, grenzten, die Gemeinde-Viehweide, die vom Steinbruch (gegen Wimpassing) bis zum Meierhof und von dort die Bundesstraße entlang bis zum "gespitzten Kreutz" sich erstreckte. Im Jahre 1802 zählte man in Hornstein 1494 Einwohner.


Wolfsjagd

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Wolf noch häufig in unseren Gebieten vertreten. 1804 wurde dem Hornsteiner Schafwirtschafter Paul Thurner die Schadenersatzleistung für einen von Wölfen im Jahre 1800 gerissenen Widder in der Höhe von 15 Gulden erlassen. Als Reaktion darauf wurden 1806 am Sonnenberg Wolfsjagden abgehalten. Um vom Auftauchen von Wölfen in den Wäldern möglichst rasch informiert zu sein, wurden neben anderen Maßnahmen 1806 die Hornsteiner Untertanen Paul Worschitz und Johann Pollak als „Wolfsbesucher“ aufgenommen. Bei Einsetzen von Schneefall sollten sie nach Spuren von Wölfen Ausschau halten und die Hornsteiner Herrschaftsverwaltung verständigen. Für ihre Mühewaltung wurde ihnen ein jährliches Entgelt von je 5 Gulden bewilligt und die Zeit der „Wolfsbesuche“ von ihrer Handrobotverpflichtung abgezogen. Später wurde diese Remuneration sogar auf fast das Doppelte erhöht. 1809 wurden ihnen auf ihr Ersuchen aus der Forchtensteiner Gewehrkammer sogar zwei eingezogene Wilderergewehre zu ihrem Schutz zur Verfügung gestellt. Die Genannten dürften aber ihre Aufgabe nur in den ersten Jahren einigermaßen wahrgenommen haben, später, als kaum noch Wölfe in den Wäldern des Leithagebirges gesichtet wurden, diente ihnen ihre Funktion eher dazu, selber zu wildern und Holzdiebstähle zu verüben. Daher wurden sie 1827 entlassen, nachdem sie bei Holzdiebstählen ertappt worden waren. Die Beobachtung der Wölfe wurde dem Forstpersonal der Herrschaften Eisenstadt und Hornstein übertragen. In den Jahren nach 1806 wurde die Wolfspopulation durch planmäßige Wolfsjagden allmählich verringert. So werden allein für das Jahr 1807 im Bereich der Herrschaft Hornstein 6 Abschüsse gemeldet. Die letzte Abschussmeldung für den Bereich des nördlichen Burgenlandes liegt für das Jahr 1828 vor, als im Revier zu Loretto ein Wolf erlegt wurde. Als Folge der verschärften Maßnahmen wurde 1825 auch das Schussgeld für jeden erlegten Wolf beträchtlich erhöht. Dieses betrug bis 1825 für einen im Sommer erlegten Wolf 1 fl, für einen im Winter erlegten aber 2 fl. 1825 wurden unabhängig von der Jahreszeit 5 fl Wiener Währung für einen ausgewachsenen Wolf und 2 fl 30 kr für einen jungen Wolf bezahlt.



Katastrophen

Aus dem Jahre 1813 werden große Überschwemmungen aus der Umgebung von Hornstein gemeldet, sodass Leute, die in den Fabriken von Pottendorf und Ebergassing arbeiteten, nur unter Lebensgefahr von und zu ihren Arbeitsstätten gelangen konnten. Diese Überschwemmungen bildeten auch den unmittelbaren Anlaß, die in vielen Windungen dahinfließende Leitha in ein engeres Flussbett zu zwingen. 1817 wurde mit der Regulierung bei Ebenfurth begonnen und 1826 wurde sie im Herrschaftsbereich Hornstein abgeschlossen.
In den Franzosenkriegen der Jahre 1805 und 1809 ist Hornstein nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Wohl wurden Männer zu Schanzarbeiten herangezogen und das Gebiet von Truppen durchquert, allein der Ort blieb verschont.
Im Jahre 1821 wurde die Ortschaft von einer Brandkatastrophe betroffen. Das Feuer, das seinen Ausgang vom herrschaftlichen Meierhof nahm, griff rasch um sich und legte, begünstigt von einem heftigen Sturm, in kurzer Zeit die Häuser Nr. 33 bis Nr. 85 in Asche. Auch die Kirche war sehr gefährdet und es war nur dem geistesgegenwärtigen Eingreifen des Schulmeisters Matthias Sinowatz zu danken, dass mit Hilfe anderer Ortsbewohner das Feuer, das bereits Turm und Chorgewölbe angegriffen hatte, gelöscht werden konnte. Im Jahre 1838 war wieder ein verheerendes Feuer ausgebrochen und hatte 59 Bauernhäuser und 9 Söllnerhäuser zerstört.
Die Steuerkonskription von 1828 verzeichnete 577 Steuerpflichtige im Alter von 18 bis 60 Jahren, darunter 108 Bauernfamilien, 74 Söllner- und 91 Inwohnerfamilien.
1831 wurde ein neuer Friedhof angelegt, der im anschließenden Jahr 1832 durch ca. 70 Choleratote eine makabre "Einweihung" erhielt.


Perspektivkarte

Die Perspektivkarte des Erzherzogtums Österreich unter der Enns beschert uns eine Kartendarstellung von Hornstein in den Jahren 1830-1838. Die dazugehörige Beschreibung führt an, dass der Markt 190 Häuser und 1642 Einwohner besitzt, welche sich vom Feld- und Weinbau ernähren, jedoch bereits ganze Familien, insgesamt an die 600 Menschen, ihr Brot in der Pottendorfer Spinnerei, die damals ca. 1500-1700 Personen beschäftigte und die größte ihrer Art in der Monarchie war, verdienten. Als markanteste Objekte werden bezeichnet: die inmitten des Marktes stehende Pfarrkirche, der Pfarrhof, die Schule, die Dreifaltigkeitssäule, zwei Gasthäuser, ein herrschaftlicher Schüttkasten, eine bedeutende Schäferei, der Friedhof mit einer kleinen Kapelle, unfern davon die Ruine des alten Schlosses, und eine reichhaltige Quelle, die bei der vormaligen Schießstätte entspringt und mittels Wasserleitung den ganzen Markt mit gutem Trinkwasser versorgt. 1840 hatte Hornstein 192 Häuser, davon 132 Bauernhäuser, 60 Söllnerhäuser und 109 Inwohnerfamilien. 1841 wurden die sogenannten Kurialhäuser, heute Eisenstädterstraße Nr. 44 bis Nr. 98, gebaut, die in ihrer ursprünglichen Form noch bis in die Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts dieser Straßenzeile an der Bundesstraße 16 ihr Gepräge gaben und nach denen dieser Ortsteil als Kurial seinen Namen bis heute behalten hat. Auf einer Fläche, die kurz vorher Fürst Paul III. Anton Esterházy aus der gemeinschaftlichen Hutweide ausgelöst hatte, wurden 25 Häuser auf einem je 150 m² umfassenden Bauplatz, der Esterházysches Eigentum war, als Kurialsöllnerhäuser gebaut.



Neuerlangung des Marktrechts

In die Jahre vor 1848 fällt auch die Wiedererlangung des Marktrechtes von Hornstein. Zunächst fuhr im Oktober 1840 Richter Johann Milkowitsch nach Wien zum k. k. Hofagenten Matthias von Jurkowitsch und erkundigte sich nach der Art des erfolgversprechenden Vorgehens. Dieser Jurkowitsch, der aus unserer Umgebung stammte, hatte sich bereit erklärt, das Privileg der Gemeinde zu verschaffen. Vorerst war jedoch ein Bittgesuch beim Grundherrn Fürst Paul III. Anton Esterházy einzubringen, dessen schriftliches Einverständnis 1842 vorlag und das der damalige Richter Michael Matkowitsch in Wien bei Jurkowitsch abgab. Diesem Michael Matkowitsch wird bezüglich seines Nichtbemühens um die Marktverleihung kein gutes Zeugnis ausgestellt: "Dieser hatte sogar auf allen Seiten Einwendungen und Verhinderungen gesucht. Er hat die Jahrmärkte gar nicht haben wollen und sich kräftig dagegen gesetzt". Die Mehrheit der Gemeinderäte hat ihn aber zum Handeln gezwungen und auch Jurkowitsch hatte sein Wort gehalten. Im Jahre 1844 hatte der neue Richter Simon Matkowitsch nichts anderes mehr zu tun gehabt, als die Präsente nach Wien hinauf zu tragen, um die Erledigung des Marktprivilegs rascher und sicherer voranzutreiben. Eine achtmalige Fahrt nach Wien war dazu notwendig geworden, ehe das neue Privileg am 21. Dezember 1844 nach Hause gebracht werden konnte. Dieses Ereignis musste daher auch gebührend gefeiert werden. Das Festprogramm umfasste einen Gottesdienst als Danksagung an den Grundherrn sowie eine Art Festprolog auf die Marktrichter, die sich um die Sache verdient gemacht hatten; das Festmahl, zu dem der Gemeinderat, die herrschaftlichen Beamten und die örtlichen Honoratioren eingeladen waren, wurde im Gemeindegasthaus eingenommen. Ein allgemeiner Umtrunk durfte natürlich nicht fehlen; er fand vor dem damaligen Kirchenkeller statt: 31/2 Eimer (190 Liter) Wein wurden von der Gemeinde zum freien Ausschank an die Einwohner bereitgestellt. Das Programm wurde noch durch eine zehn Mann starke Musikkapelle aus Weigelsdorf feierlich umrahmt. Auch der gebührende Krach, der bei solch einem "Volksfest" oft noch heute üblich ist, durfte nicht fehlen, wovon die Verwendung von Schießpulver Zeugnis gibt. Am 7. April 1845 wurde in Hornstein nach 141 Jahren Unterbrechung wieder ein Jahrmarkt abgehalten.
Die für militärische Zwecke durchgeführte Landesaufnahme der Jahre 1844-1845 zeigt uns ein schönes Bild von Hornstein. Erstmals ist hier auch die Esterházysche Lindenallee entlang der Straße über das Leithagebirge nach Eisenstadt eingezeichnet, deren knorrige Reste noch heute stehen. Ebenso ist das Schanzwerk am Südende des Werkes als "Alter Thurm" bezeichnet. Der Ort hat laut Militärbericht 214 Häuser und 200 Stallungen, sodass eine bequeme Unterkunft für 60 Mann und 30 Pferde möglich war. 1847 ließ Bäckermeister Josef Waldhütter die neben dem Pottendorfer Weg stehende Marienkapelle neu aufbauen.

Reformen nach der Revolution 1848

Die gesetzlichen Reformen des Jahres 1848 führten zu einer neuen staatlichen Ordnung. Bevor diese Reformen jedoch in die Tat umgesetzt werden konnten, brachen auch in Ungarn Unruhen aus. Dabei wurde unser Ort nicht verschont, aufständische und reguläre Truppen kreuzten wiederholt das Gebiet. Aus den Eisenstädter Ratsprotokollen entnehmen wir, dass am 10. November 1848 die Stadt 100 Mann zur Schanzarbeit nach Hornstein stellen sollte, tatsächlich aber nur 20 Mann hinschicken konnte. Nach der Niederschlagung des Aufstandes 1849 wurde Ungarn unter militärische, dann zivile, jedoch gleichmäßig absolutistische Verwaltung gestellt. Die ungarische Verfassung wurde aufgehoben und Ungarn als Provinz des Kaiserreiches behandelt. Einige prinzipielle Verfügungen der Gesetze von 1848 erkannte man aber an und schritt an ihre Durchführung.


Die Aufhebung des Untertanen- oder Urbarialverbandes sowie der grundherrlichen Rechtsprechung änderte tiefgreifend die Lebensverhältnisse des Dorfes. Der frühere Untertan war nicht mehr zur Leistung von Abgaben und von Robot an den früheren Grundherrn verpflichtet. Der Lehen- oder Urbarialgrund ging in sein Eigentum über, die Entschädigung der Grundherren übernahm zur Gänze der Staat. Der übrige Grund, der unter verschiedenen Besitztiteln in der Hand der Landbevölkerung war, konnte gegen eine gerichtlich festgesetzte Entschädigung abgelöst werden. Die Ablösung erfolgte in Hornstein 1863. Eine Regelung wurde auch bezüglich der gemeinsamen Acker-, Weide- und Waldanteile getroffen. Es kam zur Bildung der Urbarialgemeinde, die noch heute besteht und deren Bezeichnung an das frühere Untertanenverhältnis erinnert. Änderte diese sogenannte Bauernbefreiung die rechtliche und soziale Lage der Bauern, so brachte die gleichzeitig durchgeführte Kommassierung einen Umschwung im wirtschaftlichen Betrieb: der Flurzwang der Dreifelderwirtschaft, schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts etwas gelockert, fiel weg und an seine Stelle trat nach und nach die ungebundene Fruchtwechselfolge, wie sie jetzt noch üblich ist. Es gelangten verschiedene Nutzpflanzen zum Anbau, die früher wenig oder gar nicht gebaut wurden: Erdäpfel, Kukuruz, Klee, Futter- und Zuckerrüben.
Die bis 1848 dem Grundherrn obliegenden öffentlichen Belange, wie Verwaltung und Gerichtsbarkeit, Steuern und anderes mehr, gingen an den Staat über, dessen Grundfeste die sich selbst verwaltende Gemeinde wurde. Auch in der Verwaltung höherer Instanz wurden 1854 neue Verwaltungsgebiete geschaffen, die in Komitatsbehörden und diese wieder in Stuhlbezirke unterteilt waren. Hornstein wurde dem Stuhlbezirk Eisenstadt-Land zugewiesen. 1860 wurde vorübergehend eine neue Bezirkseinteilung getroffen, die sich an die frühere Herrschaftseinteilung anlehnte, sodass ein Stuhlrichteramt Hornstein, jedoch mit dem Sitz in Eisenstadt, geschaffen wurde, das für die Gemeinden des früheren Herrschaftsgebietes zuständig war. Die letzte Stuhlbezirkseinteilung, an die dann die österreichische Gesetzgebung nach 1921 anknüpfte, erfolgte 1869/71, als Hornstein dem Bezirk Eisenstadt zugeteilt wurde. Weiters wurde die direkte Besteuerung der Staatsbürger durch den Staat eingeführt, wobei die Steuerverteilung vorläufig in den Wirkungskreis der politischen Behörden fiel, die zugleich deren rechtzeitige Einbringung übernahmen. In den Gemeinden geschah dies durch die Vorsteher.
Einige prinzipielle Verfügungen der Gesetze von 1848 war jene des Jahres 1871 über die Regelung der Gemeinden. Organe waren die Gemeinderepräsentanz (der heutige Gemeinderat), welche aus dem Richter (der heutige Bürgermeister), seinem Stellvertreter und einigen Räten (den heutigen Gemeindevorständen) bestand. Der Gemeinde- bzw. Kreisnotär (der heutige Amtmann) wurde öffentlicher Beamter im Gemeindedienst. Durch das Matrikelgesetz von 1894 wurde der Notär auch Standesbeamter. Vor 1871 hatte die Notärsgeschäfte in Hornstein der Schulmeister miterledigt. Eine sehr wichtige und notwendige Einrichtung im Zuge der Neuordnung war die Anlegung des öffentlichen Grundbuches, die in Hornstein 1855-1856 erfolgte. Die 1856 aufgelegte Grundbuchsmappe weist in Hornstein 227 Häuser aus. Darinnen heißt die heutige Linke und Rechte Hauptzeile Hauptgasse, die Meierhofgasse Wirtshausgasse, die Schneckengasse Schweinsgasse und die Friedhofsgasse Kirchengasse. 1856-57 wurde auch die für die Steuerbemessung erforderliche Katastralvermessung durchgeführt.

Industrialisierung und Kinderarbeit

Eine wesentliche Änderung vollzog sich in Hornstein seit dem Beginn der Industrialisierungswelle um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, als im angrenzenden österreichischen Gebiet die Fabriken aus dem Boden schossen und ihre Arbeitskräfte auch aus dem benachbarten Westungarn bezogen. Die Spinnfabrik in Ebenfurth zum Beispiel beschäftigte an die zwei Drittel (300 Arbeiter) aus westungarischen Dörfern wie Neufeld, Hornstein, Steinbrunn, Müllendorf und Großhöflein. In die Spinnfabrik in Pottendorf pendelten viele Arbeiter aus Hornstein und Wimpassing. In Pottendorf entstand einer der größten Textilbetriebe Europas. Nach einigen Jahren kam es zu einem spürbaren Mangel an Arbeitskräften. Da die Rohbaumwolle händisch geklopft und geputzt werden musste, wurden in Hornstein und Steinbrunn zwei Putzhäuser für je 150 Arbeiterinnen gebaut. Den Arbeitskräftemangel versuchte man auch bald durch Kinderarbeit zu beheben. Und tatsächlich stieg die Zahl der Kinder in der Fabrik ständig an. Diese waren beim Wollauflegen, Fadenknüpfen und Wollzupfen beschäftigt. Zur Aufnahme ortsfremder Kinder aus weit entfernten Dörfern baute man ein eigenes Haus und eine eigene Schule. Die Namen der dortigen Hornsteiner Schüler lassen sich erst ab 1849 feststellen. Fabriksschullehrer Josef Gröger legte damals nämlich einen alphabetischen Schülerkatalog an. Mit dem Ende der Kinderarbeit wurde auch die Fabriksschule 1888 aufgelöst.
Seither tauchten Hornsteiner Schüler in der Volksschule Landegg auf, später einige auch in Pottendorf. Erster Hornsteiner Schüler an der Knaben-Volksschule Pottendorf war der Arztsohn Anton Hicka, geb. 1863. An der Mädchen-Volksschule waren weniger Schülerinnen aus Hornstein: 1905 nur mehr Maria Franta, Elisabeth König und Katharina Palkowitsch. Der erste Hornsteiner Schüler an der Volksschule Landegg war 1886 Johann Kutschenitsch, geb. am 20. 10. 1877 als Sohn des Zimmermannes Kosmas Kutschenitsch, die erste Hornsteiner Schülerin 1890 Theresia Matkowitsch, geboren am 13. 10. 1880 als Tochter des Fabriksarbeiters Markus Matkowitsch, wohnhaft in Hornstein, Graben. Gegen Ende des Jahrhunderts nahm die Zahl der Hornsteiner Schüler in der Volksschule Landegg auch deswegen zu, weil die Magyarisierungsbestrebungen in Ungarn stark zunahmen und die kroatische Sprache im Unterricht stark zurückgedrängt wurde. Im ursprünglich kroatischsprachigen Landegg konnten die Hornsteiner Schüler Deutsch und Kroatisch ungestört weiter lernen. Laut Schülerkatalog 1890-1912 wurden hier 414 Kinder unterrichtet, darunter 129 Hornsteiner Schüler.

Infrastrukturelle Entwicklungen


1873 wurde in Hornstein ein Postamt eröffnet. Die Post wurde zunächst durch Hornsteiner Fuhrleute bis Neufeld befördert, von wo sie weitergeleitet wurde. 1911 bekam Hornstein das Telefonamt. 1875/76 ließ die Familie Stefanits eine neue Kapelle an Stelle der 1847 von der Familie Waldhütter erbauten Marienkapelle neben der Pottendorfer Straße errichten, die noch heute dort steht.

Aus den Jahren 1855, 1856 und 1857 haben wir Nachricht von kleineren und größeren Bränden im Ort. So verheerte ein Feuer, das am 7. Mai 1855 im Haus Nr. 7 ausbrach, 10 Häuser und eines am 24. Mai 4 Häuser in der Sigetgasse, am 4. Mai 1856 im Graben 8 Häuser und in der Sigetgasse 5 Häuser, am 25. Mai 1857 12 Häuser vom Pfarrhof abwärts, wobei beim Löschen 200 Infanteriesoldaten geholfen haben. Diese Häufung von Bränden lässt Brandstiftung vermuten, wenn auch bedacht werden muss, dass die meisten Häuser damals noch mit Holzschindeln gedeckt waren und leicht Feuer fingen. Diese wiederholt ausbrechenden Brände in den Dörfern bewogen die staatliche Obrigkeit entscheidend einzugreifen. Ein Ministererlass ordnete die Schaffung von Feuerwehren an. Primär ging es darum, freiwillige Feuerwehren in jeder Gemeinde zu gründen, und nur wo solche nicht zustande kamen, war eine anbefohlene Feuerwehr vorgesehen. So fand auch in Hornstein am 9. Dezember 1888 die Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hornstein mit 41 ausübenden Mitgliedern statt; zum Präses wurde Verwalter Karl Bergmann, zum Oberkommandanten Martin Strauss gewählt.
1891-1897 erfolgte die Ablösung der Kurialhäuser, die damit in das freie Eigentum ihrer Bewohner übergingen. 1912 erhielten diese Häuser (Nr. 190-214) und weitere inzwischen neu hinzugebaute, heute Eisenstädter Straße Nr. 22 - Nr. 42, ein Grundstück in der Größe ihres bisherigen Hofes dazu. Der Weinbau in Hornstein, der sich im 19. Jahrhundert in relativ bescheidenen Grenzen bewegte und in einer Publikation aus 1847 nach Bodengüte und Ertrag in der vierten und damit letzten Qualitätsklasse eingeteilt wurde, dennoch aber den Weinbautreibenden einen kleinen Nebenerwerb bot, wurde durch die verheerende Reblauskatastrophe im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts beinahe völlig vernichtet. Die Regenerierung der Weingärten erfolgte im Jahre 1900, wobei sich Franz von Bolgár, seit 1887 Abgeordneter zum Reichstag des Bezirkes Eisenstadt, besonders dafür einsetzte, dass eine Studienkommission des Ackerbauministeriums in unser Gebiet geschickt wurde, die dann amerikanischen Reben und Spritzmittel empfohlen und so Restbestände gerettet hatte. Bolgár wurde für dieses sein Bemühen die Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Hornstein zuteil.
Am 13. Mai 1900 wurde in Hornstein der Pfarrkindergarten feierlich eröffnet, der auf Initiative vom Pfarrer Matthias Pavitsits (1873-1907) gegründet wurde. Der Propst von Eisenstadt-Oberberg Karl Varits hatte ihn dabei nach Kräften unterstützt. Darüber hinaus hatte sich Varits auch für die Schule sehr verdient gemacht. Deshalb wurde Varits im Jänner 1906 das Ehrenbürgerdiplom überreicht. Im gleichen Jahr erhielt Fürst Nikolaus IV. Esterházy infolge seines Eintretens für die schulischen Belange die Ehrenbürgerschaft von Hornstein zuerkannt. 1900 wurde die Hornsteiner Apotheke als Filiale der Neufelder "Schutzengel-Apotheke" gegründet; ein Jahr später wurde sie jedoch schon selbstständig.
In den Jahren 1904-1906 errichtete die aus Schlesien stammende Familie Schwarz den ersten und bislang einzigen größeren Industriebetrieb in Hornstein, die Seidenbandfabrik, von den Arbeiterinnen „Loapa“ (Laube) genannt. Der erste Sitz des Unternehmens war Wien gewesen, dann war Unterwaltersdorf gefolgt, wo schon in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts hauptsächlich Frauen und Mädchen aus Hornstein arbeiteten. Für diese wurden im Werksgelände Unterkünfte geschaffen, in denen sie vom Montag bis Samstag wohnten. Als es zunehmend schwieriger wurde, die Frauen aus Hornstein als Wochengängerinnen zu gewinnen und der Betrieb in Unterwaltersdorf zu klein geworden war, fasste die Unternehmensführung 1904 den Entschluss, in Hornstein ein Fabriksgebäude zu errichten, wohin bald ein wesentlicher Teil der Fertigung verlegt wurde. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erreichte die damals fast nur Hutbänder erzeugende Fabrik den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Zusammen mit angrenzenden niederösterreichischen Industriebetrieben bot sie den Hornsteinern in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts einen gesicherten Arbeitsplatz und nicht von ungefähr konnte die kanonische Visitation aus dem Jahre 1912, die für Hornstein 2445 Einwohner, davon ca. 250 dauernd auswärts auf Arbeit, angab, vermerken, dass es in Hornstein nur wenig arme Leute gibt.
1912 wurde in Hornstein eines der ersten Kinos im heutigen Burgenland gegründet. Die für die Wirtschaft günstige Entwicklung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des ersten Jahrzehntes des 20. Jahrhunderts fand auch in der Ausweitung der Dorfsiedlung Hornstein ihren Niederschlag- gegenüber den 227 Häusern und rund 1900 Einwohnern des Jahres 1856 wurden im Jahre 1910 338 Häuser und 2549 Einwohner gezählt.