Dorfentwicklung

Friede von Pressburg

Auf die Augustiner Chorherren folgten Georg von Pottendorf und Ulrich von Grafeneck als Pfandherren von Hornstein. Auch ihre Herrschaft war gezeichnet von schweren Kämpfen. Der Friede von Pressburg 1491 konnte nur mit Mühe die durch Krieg und Not aufgerissenen Lücken in der Bevölkerung und Wirtschaft schließen. Der Friede von Pressburg bestimmte, dass Hornstein neben anderen westungarischen Herrschaften an die Habsburger kam. Diese verwalteten die Herrschaft jedoch nicht selbst, sondern verpfändeten sie an verschiedene Herren und Familien, die sich bei Hof Verdienste erworben hatten, wie an die Familie Fürst (1504-1561)und an Leonhard Pichler von Weitenegg bzw. dessen Witwe und Sohn.
 

Türkenfeldzüge

Das Land war ausgeplündert und ausgepresst, da auch nach Beendigung der Kämpfe die Grundherren zahlreiche Sondersteuern auf ihre Untertanen abwälzten. Die Bauern verarmten, viele Höfe verfielen. Da trat ein Ereignis ein, das auch für Hornstein eine Wende seiner Geschichte bringen sollte. Am 29. August 1526 überrannten die Türken bei Mohács das kleine ungarische Heer König Ludwigs II., der selbst dabei den Tod fand. Drei Jahre später griffen sie abermals an und stießen mit großer Heeresmacht gegen Österreich. Eine ungarische Festung nach der anderen musste kapitulieren. Die Türken plünderten und verwüsteten das Land in einer bisher noch nicht da gewesenen Form. Während türkische Streifscharen das flache Land verwüsteten, plünderten und auf Menschen Jagd machten, um sie in Sklaverei zu verschleppen, umschloss das Hauptheer Wien. Doch Wien hielt stand, und als Anfang Oktober schlechtes Wetter einsetzte und Belagerung und Nachschub immer schwieriger machte, mussten die Türken den Rückzug antreten. 1532 griffen die Türken wieder das Habsburgerreich an. Die türkische Reiterei unter Kasim Beg verwüstete wieder unsere Gegend. Wenig später folgte dann doch auch das Hauptheer nach. Am 6. September lagerten die Türken bei Hornstein und überschritten bei Pottendorf die Leitha, um an Wr. Neustadt vorbei in die Steiermark abzuziehen. Diese beiden türkischen Feldzüge, 1529 und 1532, trafen Hornstein besonders schwer. Nur wenige Bewohner des Dorfes hatten sich rechtzeitig nach Wr. Neustadt oder Eisenstadt geflüchtet. Die meisten von ihnen glaubten im Leithagebirge genug geschützt zu sein, doch wurden sie von feindlichen Streifscharen entdeckt und getötet oder verschleppt. Das Dorf wurde bis auf die Grundmauern verwüstet.


Kroatenansiedlung

Der damalige Grundherr, Moritz von Fürst, sah sich genötigt, nach dem endgültigen Abzug der Türken für das verlassene Dorf neue Ansiedler aus Kroatien zu holen. Wie wenige von den alten, also deutschen Bewohnern Hornsteins nach 1532 übrig geblieben waren, lässt das Urbar von 1555 schließen, das hier 64 Familien nennt, von denen 46 einen kroatischen Namen haben. Man kann also feststellen, dass über 80 % der Dorfbevölkerung Hornsteins in den Türkenkriegen und den davor liegenden wirtschaftlichen Notzeiten zugrunde gegangen waren. Das genaue Jahr, in dem Hornstein durch Kroaten besiedelt wurde, lässt sich nicht feststellen, doch kann man mit großer Sicherheit annehmen, dass die Kroaten schon vor 1540 nach Hornstein kamen. Dies trifft sich auch mit den übrigen kroatischen Gemeinden unseres Bezirkes, von denen wir schriftliche Quellen über die Kroatenansiedlung haben. Die Neuansiedler Hornsteins kamen vermutlich aus dem damaligen Slawonien, dem heutigen Innerkroatien und Bosnien, wie auch die čakavische Mundart, die sowohl dort als auch in Hornstein gesprochen wird, heute noch deutlich zeigt. Die Kroaten hatten in ihre neue Heimat aber nicht nur ihre Sprache, ihre Sitten und Bräuche gebracht, sondern auch ihre Gottesdienste in altslawischer Liturgie. Durch letztere gerieten die Hornsteiner bald in schweren Konflikt mit ihrem Grundherrn.

Ortsteile und Gassennamen

Aus dieser Zeit dürften auch die ältesten kroatischen Ortsteilbezeichnungen und Gassennamen stammen, wobei nicht sicher ist, wie viele aus dem Deutschen übernommen und übersetzt wurden, beziehungsweise welche neu geprägt wurden.
Gorinji kraj (Oberort), Dolinji kraj (Unterort), Maklj (Marktplätzchen) für den Platz vor dem ehemaligen Gasthof Bauer, Figura (Steinbruch) für den Beginn der heutigen Lorettostraße, Zavrti (Gartengasse), Požarina (Schneckengasse – richtig Brandrodung), Sakramenski brig (Berggasse), Na vrhi(Am Kreuzberg), Pod lipic (Lindenallee), Draga (Graben, Grabengasse), Ravnica (Pflanzsteig, Hutweide bei der heutigen Volksschule), Na cimrmanskom (Am Zimmermannberg), Gornja placa (Obere Gasse), Zagulje (Siget – eigentlich za gulji = hinter dem Turm) und Na šanci (Auf der Schanz).
Spätere Namen sind Novi marof (Neumeierhof), Dikov brig (Dickberg), Kod švema (Teichgasse), Žuličev brig (Bründlsteg), Boriče (Am Föhrenwald), Lovrina gasa (Kirschensteg), Tom (Marterlweg, eigentlich Damm), Rajtšulj (Reitschule), Kod malina (Mühlgasse), Gmajna (Seegasse), Kod šlopruka (Schlachtbrückengasse), Cvika (Zwickerl) und Šuinfiadl (Schuldenviertel).
Ausfahrtswege und –straßen wurden nach dem Ziel oder der nächsten Flur bezeichnet: Na pijeski (Sandäckerweg), Lajtanski put (Leithaweg), Pundrovski put (Pottendorfer Straße), Prodrštovska cesta (Lorettostraße), nur Na cesti nannte man die Bundesstraße.

Familiennamen in den Urbaren von 1561 und 1647

Im Urbar von 1561 finden wir fast nur mehr kroatische Familiennamen:
Batler, Bayr, Boschitschritsch, Capellantschitsch, Dämather, Dragoritsch, Duchotschitsch, Ferbanitsch, Fräschitz, Glawtschitsch, Herzog, Jakhitsch, Jandratschitsch, Janitsch, Jätzitsch, Kechotschitsch, Khromer, Krabath, Krainer, Kutschinitsch, Makhobitsch, Mälatschitsch, Naßkho, Patich, Pinzolitsch, Präbitsch, Rädänitsch, Robatowitsch, Robitsch, Schimatalitsch, Schlenykhi, Schmontitsch, Schrontobitsch, Stefanitsch, Stremonitsch, Tamschitsch, Trätschitsch, Veith, Wagitschitsch, Wallandt, Wanitsch, Weber, Werkhofitsch, Willotschitsch, Windisch und Wuscheritsch.


Da bis auf einige wenige dieser Namen hundert Jahre später alle verschwunden sind und durch andere ersetzt wurden, muss angenommen werden, dass diese Familien entweder von Seuchen oder Überfällen hinweggerafft wurden, oder dass sie in andere Orte weitergezogen sind:
Banian, Brianitsch, Budackh, Bukhowaitz, Couaschütz, Derscholitsch, Duimouitsch, Fabschütz, Gerbautz, Hertzog, Hitzinger, Joitz, Juranitsch, Kädlitsch, Kitzinger, Kothpaur, Kusterritsch, Kutschenitsch, Libschütz, Lonaschütz, Marcouitsch, Masnocouitsch, Mathiaschitz, Mätkouitsch, Maurouitsch, Milkhouitsch, Mundaschütz, Orneschütz, Pinzolitsch, Popitsch, Potkouitsch, Prebschütz, Robitza, Scaltzin, Schabschütz, Schimatauitsch, Schimitsch, Schuester,
Schuganitsch, Seebacher, Sesenitsch, Sinowaitz, Stämpe, Stanschütz, Stefanitsch, Stueller, Thombschitz, Thörtauitsch, Tomasouitsch, Trägschütz, Vidacouitsch, Wällandt, Wolf, Wöllanitsch, Wölloschütz.
Verglichen mit dem heutigen Namensbestand kann angemerkt werden, dass viele dieser Namen ab 1700 in Hornstein nicht mehr vorhanden sind, es also wieder größere Umwälzungen in der Bevölkerung gegeben haben muss.

Reformation

Moritz von Fürst und sein Sohn Hans Konrad waren in Schwaben zum Protestantismus konvertiert und wollten nun auch ihre kroatischen Untertanen zwingen, zur evangelischen Konfession überzutreten. Diese wehrten sich jedoch gegen die Annahme des "deutschen Glaubens" und lehnten die von den Grundherren gesandten evangelischen Prädikanten ab, obwohl besonders Moritz von Fürst auf sie erheblichen Druck ausübte. Er ließ die von den Dorfbewohnern gern für ihre Gottesdienste benützte Kapelle inmitten des Dorfes sperren und als Schüttkasten verwenden, anerkannte den von den Hornsteinern gewählten Pfarrer Nuerschitz nicht und zwang ihn zur Robot wie alle anderen Untertanen auch. Doch Hornstein blieb auch weiterhin, zum Unterschied zu den deutschen Nachbargemeinden, katholisch.


Gegenreformation

Das Recht, ihre Pfarrer selbst wählen zu können, das Kaiser Ferdinand I. den Kroaten zugestanden hatte, um sie dem Katholizismus zu erhalten, beanspruchten die Hornsteiner auch, als nach dem Tode von Hans Konrad von Fürst (1561) katholische Familien die Herrschaft übernahmen. Das Herrschaftsgut von Hornstein mit dem Schloss von Seibersdorf (Niederösterreich) wurde vom letzten Mitglied der Familie Fürst durch Leonhard Pichler von Weitenegg aus Schwaben am 27. März 1561 für 13 200 Gulden in Tübingen gekauft. In einem amtlichen Schreiben von 1563 wurde hervorgehoben, dass Pichler "Polizei und Ordnung in der Religion" hatte. Der äußerst fromme Neuinhaber bemühte sich, den Protestantismus auf seinem Landbesitz zurückzudrängen. Er legte 1562 ein Gelübde ab: er werde ein Zehntel aller seiner Einkommen zu Ehren Gottes und zur Unterstützung der Armen hingeben. Pichler starb 1567. Sein einziger Sohn, Maximilian, starb 1582 als Unmündiger. Seine zwei Schwestern, Magdalena und Anna Maria, heirateten Ruprecht von Stotzingen, bzw. Christoph Colona von Vels. Nach einem recht komplizierten Erbprozess gelangte die Herrschaft von Hornstein in den Besitz der älteren Tochter Pichlers und ihres Mannes, Ruprecht von Stotzingen.

Familie Stotzingen

Ruprecht Freiherr von Stotzingen wurde um 1540 im Familiensitz Stotzingen in Württemberg geboren. Seine juristischen Studien absolvierte er in Bologna und in Freiburg im Breisgau. Zwischen 1562 und 1569 arbeitete er im Reichskammergericht von Speyer. 1569 traf er in Wien ein, wo er bis zu seinem Tod im Vertrauensdienst der Habsburger stand, ab 1592 als Statthalter von Niederösterreich. 1599 kam es zu Schwierigkeiten zwischen den kroatischen Bewohnern von Hornstein und Ruprecht von Stotzingen. Als nämlich in diesem Jahr deren Pfarrer Mathias Gaplitsch starb, wählten die Hornsteiner Johann Laurakowitz aus Siegendorf zu dessen Nachfolger und gerieten damit mit dem damals üblichen Recht, dass die Pfarrer von dem Patronatsherrn, also dem Grundherrn, eingesetzt wurden, in Konflikt. Stotzingen, ein überzeugter Katholik, pochte auf dieses Recht, da er bestrebt war, die kroatischen Priester, die vielfach noch immer Messen in altslawischer Sprache lasen, zum lateinischen Ritus zu führen. Da sich die Hornsteiner aber beharrlich weigerten, glaubte er mit Druck eingreifen zu müssen. Sein Verwalter, Georg Gabelhofer, nahm dem Pfarrer die Kirchenschlüssel ab und verbot den Untertanen, die Messen und Predigten des neuen Pfarrers zu besuchen. Schließlich griffen in diesen Streit der niederösterreichische Klosterrat und Erzherzog Matthias selbst ein, und die Hornsteiner dürften schließlich nachgegeben haben. Als Ruprecht von Stotzingen am 24. Mai 1600 starb, übernahm sein Sohn Georg Leonhard das Erbe.
Georg Leonhard, der 1614 starb, stiftete in seinem Testament 1000 Gulden für die Errichtung eines Spitals in Hornstein. Eine Beschreibung von Hornstein aus 1647 erwähnt das Spital, das der Vorläufer des Gasthauses Bauer auf der Reitschule war, als stattliches Haus mit etlichen Stuben und Kammern, einem Keller und einem großen Garten, sowie 20 Joch Äcker Stiftungsbesitz. Die Erhaltung solcher Spitäler war oft ein großes Problem, denn sie waren weitgehend auf die Nächstenliebe angewiesen und erforderten eine ständige Vergrößerung des Stiftungsvermögens, sollten sie gedeihen können. So kam es, dass in den schwierigen Zeiten, die nach dem Tod Franz Nádasdys folgten, das Hornsteiner Spital 1679 geschlossen werden musste und in ein Wirtshaus umgewandelt wurde. Teile des Spitals dürften aber auch weiterhin als Arzthaus in Verwendung gestanden haben, denn im "Grund Ausmaß deß Hochfürstlich-Eszterházyschen Markt Hornstein vom Jahr 1787" wird ein "Chirurgus" namens Joseph Postel als Besitzer des Hauses erwähnt.

Wirtschaft im 16. Jahrhundert

Der größte Teil der Bevölkerung Hornsteins lebte in jener Zeit von der Landwirtschaft. Diese wurde durch Jahrhunderte nach gleich bleibenden Grundsätzen betrieben: der Dreifelderwirtschaft mit Flurzwang. Der Großteil der Felder wurde dabei in drei Gruppen geteilt und in dreijährigem Turnus von Wintergetreide, Sommergetreide und Brache bewirtschaftet. Jeder Bauer hatte in jedem Ried einen Anteil, den er mit den anderen Dorfgenossen mit Wintergetreide bzw. Sommergetreide bebauen musste (Flurzwang). Alle Jahre wurde der Anbau auf den Rieden gewechselt, sodass jedes Ried alle drei Jahre einmal brach lag und sich ausruhen konnte. Dadurch erreichte man auch ohne Dünger relativ gute Ernten. Die Brache diente als Weide für Schweine und Schafe. Ein Zaun aus Dornzweigen, der jedes Jahr zu Georgi (Ende April) neu errichtet wurde, umgab das bebaute Gebiet zum Schutz gegen das weidende Vieh und das Wild. Gemüse baute man in den so-genannten Kraut- und Hausäckern, die sich meist dicht an das Dorf anschlossen. Die Riednamen "Zeleni vrti" und "Podvornitze" gehen auf diese zurück. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nahm in Westungarn der Ackerbau, besonders aber die Viehzucht, raschen Aufschwung. Da nämlich große Teile Ungarns, das seine landwirtschaftlichen Produkte in großen Mengen nach Österreich und Süddeutschland exportierte, unter türkische Herrschaft geraten waren, und die fast ständige Kriegssituation den Handel mit diesen Gebieten gewaltig erschwerte, übernahmen die westlichen Teile Ungarns den Großteil des Handels mit dem Westen. Dies brachte naturgemäß eine Intensivierung der Landwirtschaft und einen beachtlichen Aufschwung der gesamten Wirtschaft unseres Gebietes. Auch Hornstein zog aus dieser Entwicklung Nutzen.
Neue Felder wurden urbar gemacht und die Schaf- und Rinderzucht intensiviert. Wie wir aus dem Urbar aus 1555 erfahren, wurde am Ulrichstag auf der "Hornsteiner Wiesn" bei Ebenfurth (also im Bereich des heutigen Ortes Neufeld) ein vielbesuchter Rindermarkt abgehalten. Über Ebenfurth gingen bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts große Viehherden aus Ungarn nach Österreich, und diese Wiesen wurden als Weide- und Rastplatz verwendet; dabei bekam die Hornsteiner Herrschaft pro Rind 1 Kreuzer und pro Schaf 2 Pfennig Weidegeld. Der relativ hohe Gewinn, den die Landwirtschaft jetzt abzuwerfen begann, brachte den Bauern wirtschaftlichen Aufschwung und verbesserte Lebensbedingungen, doch bald auch neue Schwierigkeiten mit den Grundherren.

Bocskay und Gábor

Die Zeit nach 1532 war eine nicht gerade ruhige Zeit. Während des Krieges in Ungarn desertierten oft Landsknechte und machten auf dem Wege in ihre Heimatländer die Straßen unsicher. Auch aus dem Bereich von Hornstein hören wir von verschiedenen Raubüberfällen. Aber es kam noch ärger: 1605 fielen die Truppen des Fürsten von Siebenbürgen, Stephan Bocskay, sengend und mordend ins Land.

Nur wenig später, 1620, verwüsteten die Rebellen Bethlen Gábors gemeinsam mit Türken und Tartaren unser Gebiet. Die Folgen dieser Kriegszüge waren Hungersnot und Seuchen; nach den plündernden Feinden erpressten die kaiserlichen Truppen, die gegen Ungarn zogen, das Letzte von den schwer heimgesuchten Bauern.

Bauernaufstände

 Der Aufschwung der Herrschaft Hornstein unter Ruprecht von Stotzingen und seinen Nachkommen hatte jedoch auch Schattenseiten, da viel von dem Aufschwung von den Untertanen getragen werden musste - neue und größere Leistungen wurden gefordert, alte Gewohnheiten und Rechte beschnitten. Die Grundherren hatten den großen Gewinn, den der Handel mit den landwirtschaftlichen Produkten brachte, erkannt. Sie begannen nun, einerseits ihre Gutshöfe zu vergrößern und andererseits zu versuchen, den Handel durch verschiedene Maßnahmen in ihre Hände zu bekommen. Zu diesen Maßnahmen gehörten vor allem das "Vorkaufsrecht" und die "Robot". Beim Vorkaufsrecht versuchten die Grundherren die Untertanen zu zwingen, ihre landwirtschaftlichen Produkte nicht direkt an den Markt zu bringen, sondern nur dem Grundherrn zu verkaufen, der dann als Zwischenhändler riesigen Gewinn schöpfen konnte. Die Robot war zwar schon ein altes Recht und beinhaltete die Verpflichtung, verschiedene Arbeiten auf dem Gute des Grundherrn kostenlos, bzw. gegen Beistellung einer Naturalverpflegung zu verrichten, doch wurden nun diese Verpflichtungen, vor allem die so-genannten Zugdienste, immer mehr ausgedehnt, und die Grundherren verwendeten die Bauern immer mehr für ihre Handelsfuhren.
Es kam zu Unruhen unter den Dorfbewohnern, doch konnte zunächst ein Vertrag zwischen Frau Eva von Kollonitsch, Witwe des Georg Leonhard von Stotzingen, und den Hornsteiner Bauern einen Ausgleich schaffen. Unter Hans Rudolf v. Stotzingen brach jedoch der Zwist zwischen Grundherrn und Untertanen erneut und mit größerer Schärfe hervor. Die Ursache dafür waren die Bestrebungen des Grundherrn, in größerem Maße in Handelsgeschäfte mit landwirtschaftlichen Produkten einzusteigen, die eine neue ertragreiche Gewinnquelle bedeuteten. Er kam dabei nicht nur mit seinen Bauern in Konkurrenz und brachte diese nicht nur um so manchen Gewinn, sondern belastete sie auch dadurch schwer, dass sie unter dem Titel Robot weite Transporte durchführen mussten. Da Hans Rudolf auch in größerem Maße mit dem Holzhandel nach Wien begann, kam er hier mit dem Recht der Hornsteiner, im Wald für den eigenen Gebrauch Nutzholz fällen zu dürfen, in Konflikt. Die Bauern nahmen sich trotz seines Verbotes, dies zu tun, weiterhin ihr Recht. Der Konflikt weitete sich aus, und Stotzingen verbot bald auch das Weiden von Vieh im Wald und ließ den Brunnen, der für diese Tiere als Tränke diente, mit Brettern verschlagen. Leute, die von den herrschaftlichen Dienern im Walde angetroffen wurden, wurden gefangen und eingekerkert. Als Stotzingen einen Bauern, der trotz mehrmaligen Mahnens seinen Pflichten als Steuerzahler nicht nachgekommen war, von seinem Hof vertreiben ließ und der Richter des Dorfes, wie damals der Bürgermeister hieß, diesem Befehl nachkommen wollte, rotteten sich mit Prügeln und Äxten bewaffnete Bauern zusammen, läuteten die Sturmglocken, griffen die Gemeindediener an und schlugen den Richter nieder. Stotzingen, der sich mit seiner Frau und einem kleinen Gefolge im Pfarrhof befand, musste fliehen.

Dieser Vorfall bewog die Statthalterei in Wien zu raschem Eingreifen, da man befürchtete, dass es zu größerem Aufruhr in der Herrschaft Hornstein kommen könnte. Der Untermarschall Leopold Dillinger wurde zur Untersuchung und Beilegung des Vorfalles nach Hornstein geschickt, doch auch er konnte zunächst der Aufregung nicht Herr werden und nur seine militärische Eskorte verhinderte abermalige Ausschreitungen. Dillingers Bericht nach Wien führte aber dann doch zu weiteren Verhandlungen und zu einem am 13. Oktober 1642 in Wien geschlossenen Vergleich. In diesem wurden die Forderungen der Hornsteiner in den meisten Punkten berücksichtigt, nachdem sie erneut Gehorsam dem Grundherrn gegenüber gelobt hatten. Sogar die Rädelsführer der Unruhen, die man ursprünglich zur Zwangsarbeit nach Raab schicken wollte, wurden begnadigt. Das kluge und mäßige Verhalten der Obrigkeit, das letztlich größere Unruhen verhinderte, stand im Schatten größerer Ereignisse, die schließlich eine Wende in der Geschichte der Herrschaft Hornstein anbahnten.

Franz III. Nádasdy

 Schon im 16. Jh. und im verstärkten Maße zu Beginn des 17. Jh. hatten die ungarischen Stände die Rückgabe der unter österreichischer Verwaltung stehenden Burgen und Herrschaften gefordert. Nun hatte sich im Jahre 1638 ein Erbe der alten Besitzer, der 1538 im Mannesstamme ausgestorbenen Familie Kanizsai, gemeldet, der die Herrschaft Hornstein um die seinerzeitige Verpfändungssumme von 400 Dukaten für sich reklamierte, Graf Franz III. Nádasdy. Anfangs hatte er zwar wenig Erfolg, doch entwickelten sich seine Aussichten immer günstiger. Als 1618 im Deutschen Reich der Dreißigjährige Krieg losbrach und der Kaiser durch die Kriegswirren im Reich völlig gebunden und deshalb allen Unruhen in Ungarn auszuweichen gezwungen war, rückte die Möglichkeit, diese Gebiete Ungarn wiederzugewinnen, in greifbare Nähe. Als dann 1644 die national-magyarische Partei unter Georg Rákóczy ein Bündnis mit Frankreich und Schweden einging und der Abfall großer Teile Ungarns drohte, blieb dem Kaiser nur noch der Ausweg in weite Zugeständnisse an die Ungarn, und am 26. September 1647 erfolgte am Pressburger Generallandtag die Rückgliederung der Herrschaften Hornstein, Eisenstadt, Bernstein und Güns an Ungarn.
Nádasdy, der inzwischen zur katholischen Kirche übergetreten war und 1644 die Tochter des Palatins Nikolaus Esterházy, Julia, geheiratet hatte, hatte in der von ihm kurz davor erworbenen Burg Pottendorf auf diesen Augenblick gewartet. Er ließ sich von Ungarn die Herrschaftsrechte über Hornstein übertragen und am 17. Oktober 1647 durch den Palatin Graf Johann von Draskovich übergeben. Am selben Tag fiel er mit Truppen in die Herrschaft Hornstein und besetzte den Herrschaftshauptort. Hans Rudolf Freiherr von Stotzingen wandte sich in seiner Bedrängnis an den Wiener Hof um Schutz und Hilfe. Zwar missbilligte Kaiser Ferdinand das Verhalten des Grafen in scharfen Worten, doch nachdrückliche Hilfe wurde Rudolf von Stotzingen nicht zuteil. Der Freiherr musste schließlich einen Kompromiss eingehen, das heißt auf Hornstein verzichten. Mit Graf Franz Nádasdy kam Hornstein in die Hand eines der bedeutendsten Männer Ungarns und erlebte damit einen neuen Höhepunkt seiner Geschichte. Als eine der ersten Maßnahmen erwirkte Nádasdy von Kaiser Ferdinand III. die Verleihung des Hornsteiner Marktprivilegs. Am 4. August 1651 wurden dem Ort drei Jahrmärkte verliehen, und zwar am 4. Tag nach Palmsonntag, am Sonntag vor dem Fest Johannes des Täufers, am Montag vor dem Heiligen Abend, sowie jeden Mittwoch ein Wochenmarkt. Um diesen Märkten größere Bedeutung zu geben, sicherte Nádasdy noch im Jahre 1652 den Bürgern von Wr. Neustadt in der Herrschaft Hornstein vollkommene Mautfreiheit zu. Bald deckten die Wr. Neustädter Händler einen Großteil ihres Viehbedarfes - jährlich mehrere hundert Tiere - auf den Vieh- und Rossmärkten von Hornstein. Diese Märkte, die beträchtlichen Wohlstand nach Hornstein brachten, wurden bis 1703 regelmäßig abgehalten.
Neben dem Marktrecht besaß Hornstein auch das Landgericht, das heißt, es war Sitz der hohen Gerichtsbarkeit der Grundherrschaft. Noch heute erinnern der alte Pranger neben der alten Schule und die kroatische Riedbezeichnung "višala", also Galgen, an diese Einrichtung. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde im Dorfe selbst vom Richter gesprochen. Der Richter war Vorläufer des heutigen Bürgermeisters, die Geschworenen Vorläufer der heutigen Gemeindevorstände. Anfangs wurde im Dorf nach umgeschriebenem Gewohnheitsrecht geurteilt und verwaltet. Jährlich zumindest einmal fand eine Versammlung der Dorfgemeinschaft statt, um Gericht zu halten, Rechenschaft zu geben und zu verlangen, sowie die Dorfobrigkeit zu wählen.

Aus dem Jahre 1647 haben wir eine genaue Beschreibung des Ortes Hornstein: Das Dorf besaß damals 88 Häuser (67 behauste Untertanen, 21 Hofstättler), einen Pfarrhof und ein Herrenhaus "mit schönen Zimmern, Kellern und Stallungen, samt Obst- und Gemüsegarten". Weiters befanden sich im Dorf zwei Wirtshäuser, eines davon erst kurz davor erbaut, und das schon erwähnte Spital. Etwas außerhalb des Dorfes stand ein Meierhof, in dem 60 Stück Rindvieh und über 2000 Schafe gehalten wurden. Wie wir aus den Kanonischen Visitationen dieser Jahre wissen, besaß Hornstein damals zwei Kirchen, eine größere, der Hl. Anna geweiht, im Bereich des heutigen Friedhofes und eine kleinere mitten im Dorf; ebenso eine Schule "aus Stein gebaut", die jedoch nur 10 Schüler besuchten. Interessant an der Beschreibung von 1647 ist auch, dass das Entstehen eines neuen Dorfes auf Hornsteiner Hotter bei Ebenfurth - das heutige Neufeld - erwähnt wird; es standen dort damals 3 "Häusl".

Reambulation

 Als Graf Franz Nádasdy 1647/148 die Herrschaft Hornstein in Besitz nahm, ließ er die Grenzen seiner Besitzungen durch eine Reambulation (Wiederbegehung) genau feststellen. Der österreichische Kaiser und ungarische König beauftragte das Metropolitankapitel von Esztergom mit der Grenzbegehung und stellte als seinen Vertreter Georg Réchey de Galasháza ab, der die Wiederbegehung vor 85 Zeugen leitete. Die Zeugen bestanden teils aus Adligen der umliegenden Herrschaften, teils aus Gemeinderichtern und Geschworenen der angrenzenden Dörfer. Die ganze Gruppe beging alle Hottergrenzen, begutachtete bestehende Grenzzeichen und stellte neue auf. Außer den vorhandenen natürlichen Grenzzeichen, wie Flussläufen, Bächen, Bäumen, Gebüschen, Felsen, Straßen, Wegen mussten auch viele künstliche Grenzzeichen, meistens behauene, manchmal auch beschriftete Steine sowie Erdhaufen errichtet werden. Die Begehung dauerte vom 11. bis zum 14. Dezember 1656. Die Bezeugungsurkunde wurde vom Kapitel mit dem 30. Dezember 1656 für Graf Nádasdy ausgefertigt. An Riednamen in Hornstein werden Lindengruben, Scheidweg, Große Lacke, Edelschachen, Drei Pflugeisen, Kurze Wiesen, Anstand (Wald bei der Leitha), Raindl und Ungarische Hofwiesen genannt.
Die Herrschaft des Grafen Franz III. Nádasdy ging jedoch schon 1671 zu Ende, da ihn sein Streben nach der Würde eines Palatins dazu brachte, sich der Magnatenverschwörung gegen Kaiser Leopold I. einzulassen. Doch die Verschwörung wurde aufgedeckt, die Anführer verhaftet. Graf Nádasdy wurde am 30. April 1671 in Wien hingerichtet. Seine Güter wurden als die eines Hochverräters konfisziert und ab 1676 weiter verpfändet. Diese Zeit war eine der schwersten für die Bewohner von Hornstein, da die Pfandinhaber die Herrschaft jeweils nur vorübergehend besaßen und in dieser Zeit möglichst viel herauswirtschaften wollten. Unzählige Male hören wir von Klagen und Beschwerden der Untertanen. Dazu kam noch, dass 1679 die Pest fast ein Viertel der Dorfbevölkerung hinwegraffte.


Türkenbelagerung

Wenige Jahre später traf Hornstein jedoch noch ein größeres Unglück: Nach Jahrzehnten relativer Ruhe stießen die Türken im Juli 1683 erneut gegen Wien vor und wieder traf der Schrecken des Krieges mit aller Härte die Bewohner Westungarns. Zwar hatte man diesmal versucht, Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen, und die Evakuierung der offenen Dörfer in befestigte Orte angeordnet, doch zog sich nur ein Teil der Bevölkerung hierher zurück. Auch aus Hornstein floh nur ein Teil der Bewohner, meist die reicheren Familien, nach Wr. Neustadt, Ebenfurth, Pottendorf und Eisenstadt. Da diese Orte zum Teil vom Feind nicht eingenommen werden konnten oder, wie Eisenstadt und Pottendorf, rechtzeitig den Türken huldigten, retteten sie damit wenigstens das Leben ihrer Bewohner. Der Rest der Hornsteiner glaubte, zu Hause sicherer zu sein oder floh in die Wälder des Leithagebirges, wo jedoch so mancher Flüchtling den herumstreifenden Tataren zum Opfer fiel.

Ein Skelett vom Ende des 17. Jahrhunderts, aus der Zeit der Türkenkriege im Holzsarg mit Silbermünzen (darunter ein ungarischer Denar aus 1678) kam 1937 am südlichen Ortsende, und zeitlich nicht datierte Skelette 1946 im Ort, Gasthaus Bauer, zum Vorschein. Das Dorf, der Meierhof, die Kirche und die Kapellen wurden niedergebrannt und verwüstet. Wie groß die Verluste von Hornstein waren, wissen wir nicht genau, doch hören wir, dass noch 1687 30 Hofstätten, 6 Achtellehen, 8 Viertellehen und 1 Halblehen öde waren. Da man mit den überlebenden Familien vor allem die großen Bauernhöfe "im Ort" neu besetzte, wurde damals der Ortsteil "Graben", wo es vorher 28 Hofstätten gab, gänzlich aufgelassen. Noch zur Zeit des Palatins Paul Esterházy (1702-1713) gab es in Hornstein in Schutt und Asche liegende Häuser.

Neuzuwanderungen

Um 1700 dürfte es, wahrscheinlich um öde Bauernhäuser wieder zu besiedeln, wieder zu stärkeren Zuwanderungswellen in den Ort Hornstein gekommen sein, wobei wieder einige neue Familiennamen auftauchen.
Noch vor 1700 werden erwähnt: Belanich, Borsich, Benovich, Budkovacz, Brezer, Bezjan, Derzolich, Dolmovich, Dragsich, Dick, Fabsich, Groher, Gusich, Gerbaucz, Jajacz, Kopinich, Kusolich, Kralich, Kucsenich, Kalczin, Karlich, Kossenin, Lipsich, Matkovich, Milkovich, Malesich, Mogorich, Moljacz, Oresich, Obrislovich, Palkovich, Pinczolich, Probst, Robicza, Ratajacz, Szinovacz, Schulz, Segner, Suganich, Stefanich, Verhovnik, Venerich, Vidakovich, Velentich, Wolf
Im 18. Jahrhundert werden erstmals erwähnt: Auer 1703, Adamich 1719, Bassolja 1703, Belosich 1713, Berfer 1744, Dimacz 1737, Drenko 1753, Drabalich 1761, Franta 1702, Fetter 1726, Grieszler 1756, Jakacz 1701, Jurina 1709, Jusich 1752, Jernich 1763, König 1707, Kuntner 1741, Lipkovatz 1737, Lupkovich 1765, Masl 1704, Miskovich 1709, Mauser 1729, Pogacs(er) 1703, Poljak 1737, Raimann 1725, Ruesz 1727, Rudolf 1788, Schobl 1714, Szivacz 1714, Szupansich 1724, Schminkl 1735, Tomsich 1706, Topolich 1753, Wippel 1782. nach 1700 mit Angabe des Herkunftsortes: Attenson 1863 aus Münchendorf, Bauer 1763 aus Oslip, Belajacz 1743 aus Au, Czoklich 1796 aus Trausdorf, Eiweck 1832 aus Wimpassing, Engelhardt 1812 aus Fischamend, Engelich 1878 aus Wulkaprodersdorf, Fritz 1858 aus Zavany, Gludovacz 1778 aus Stinkenbrunn, Großmann 1872 aus Hof, Grüller 1868 aus Mitterpullendorf, Hackl 1867 aus Siegendorf, Hickl 1853 aus Biedermannsdorf, Hirsch 1830 aus Znojmo, Höcher 1836 aus Antau.